73 Jahre lang prägten die USA die WHO wie kein zweiter Staat. Damit ist es nun vorbei. Kurz nach seiner Amtseinführung im Januar 2025 verkündete US-Präsident Donald Trump den abermaligen Austritt aus der Organisation. Nun ist die einjährige Austrittsfrist abgelaufen – und die Behörde muss seit diesem Donnerstag ohne ihren größten Geldgeber auskommen. Womit begründen die USA den Austritt aus der WHO? Trump begründete dies in einem Schreiben damit, dass die WHO die Corona-Pandemie falsch gehandhabt, notwendige Reformen nicht umgesetzt habe und nicht in der Lage sei, ihre Unabhängigkeit von „unangemessenen“ politischen Einflüssen unter Beweis zu stellen. Die US-Regierung hält den Einfluss Chinas auf die WHO für zu groß. Zudem kritisiert Trump in dem Schreiben, die hohen Zahlungen der USA stünden in keinem Verhältnis zu den Beiträgen der anderen Staaten. So habe China dreimal so viele Einwohner wie die USA, zahle aber nur ein Zehntel des US-Betrags an die WHO. Jedoch besteht ein Großteil der genannten Summe aus freiwilligen Zahlungen der USA. Schon in seiner ersten Amtszeit kündigte Trump die Mitgliedschaft in der WHO. Bevor dies aber wirksam werden konnte, machte sein Nachfolger Joe Biden den Schritt rückgängig. Was sind die Aufgaben der WHO? Die WHO wurde als Sonderorganisation der Vereinten Nationen im April 1948 in Genf mit dem Auftrag gegründet, „allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen“. Ihre zentrale Aufgabe bestand zunächst darin, Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Als größter Erfolg gilt in dieser Hinsicht die schrittweise Ausrottung der Pocken. Bei Polio, dem Erreger der Kinderlähmung, verfolgt die WHO dasselbe Ziel. Zuletzt hatte die Organisation im Herbst 2024 auf eine Unterbrechung des israelischen Kriegs im Gazastreifen gedrängt, um dort hunderttausende Kinder gegen das Virus zu impfen. Auch beim Kampf gegen AIDS spielt die WHO weltweit eine wichtige Rolle. Über Infektionskrankheiten hinaus entwickelt die Organisation Leitlinien, Standards und Methoden, die im Gesundheitsbereich weltweit anwendbar sind. Sie erhebt zahlreiche Daten und unterstützt den Aufbau von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern. Wie ist die WHO finanziert? Die Organisation hat ein Budget von mehr als drei Milliarden Euro pro Jahr und verfügt somit von allen Sonderorganisationen der UN über das meiste Geld. Dennoch gilt sie aufgrund der Vielzahl und Komplexität ihrer Aufgaben als unterfinanziert. Das Budget ist seit Gründung in den meisten Jahren erheblich angewachsen und hat sich seither vervielfacht. Es setzt sich zusammen aus Pflichtbeiträgen der Mitgliedsländer, die mit rund einer halben Milliarde Euro inzwischen einen eher kleinen Teil ausmachen. Der Rest sind freiwillige Beiträge, die sowohl von Staaten als auch von privaten Geldgebern gezahlt werden – und oft, anders als die Pflichtbeiträge, an bestimmte Verwendungen geknüpft sind. Wie viel Geld fehlt der WHO durch den Austritt der USA? Insgesamt rechnet die Organisation damit, dass ihr rund ein Fünftel ihres bisherigen Budgets und damit mehr als eine halbe Milliarde Euro pro Jahr wegbricht. Die WHO meidet öffentliche Erklärungen dazu, welchen Aufgaben sie künftig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt nachkommen kann. Auch eine Anfrage der F.A.Z. hierzu ließ sie unbeantwortet. 400 der 8000 Jobs habe die WHO bereits Anfang des vergangenen Jahres gekürzt, hieß es in einem Medienbericht aus dem Sommer unter Berufung auf ein Schreiben von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Welche Folgen hat Trumps Entscheidung für die WHO? Fachleute warnen vor Gefahren für die globale Gesundheit, da neben dem Geld auch viel Wissen und Expertise amerikanischer Mediziner verloren gehe. So könnten etwa Programme zur Bekämpfung von Tuberkulose und HIV sowie die Impfstoffentwicklung beeinträchtigt sein. Über Jahrzehnte errungene Erfolge im Kampf etwa gegen Aids, Malaria und Tuberkulose könnten zunichtegemacht werden. Was folgt für die USA im Zuge des Austritts? Die USA sparen durch den Ausstieg rund eine halbe Milliarde Euro pro Jahr. Befürchtet wird, dass sie auf Ausbrüche von Viren wie Covid oder Influenza künftig weniger gut vorbereitet sein werden. Die Abwanderung renommierter Mediziner ist denkbar. In naher Zukunft könnte der Ausstieg bei der Bekämpfung von Masern zum Problem werden. Rund 2.500 Infektionen wurden seit Anfang 2025 in den USA dokumentiert, drei Menschen starben. Gesundheitsminister Robert Kennedy verwies in Interviews zunächst auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel, bevor er angesichts der dramatischen Entwicklung eine Impfung als wirksamste Methode zur Eindämmung der Masern nannte. Für die kommenden Wochen erwarten Fachleute, dass die WHO verkündet, dass die USA nicht mehr masernfrei sind. 2016 hatte die Behörde noch mitgeteilt, dass die hochansteckende Virusinfektion in ganz Nord- und Südamerika ausgerottet sei – als weltweit erste Region. Vor allem aber wird erwartet, dass das Gesundheitssystem in den USA langfristig Schaden nehmen wird. Diplomatisch dürfte der Ausstieg schneller Konsequenzen haben. Einige Länder im südlichen Afrika waren den USA nicht zuletzt deshalb zugewandt, weil sie sich im Kampf gegen Aids engagierten. Auch dies dürfte mit dem Austritt eingeschränkt werden. Welche Rolle spielt Deutschland in der WHO? Eine zentrale. Durch den Ausstieg der USA ist Deutschland etwa neben der Bill & Melinda Gates Stiftung nun einer der größten Geldgeber der WHO. Der Betrag schwankte in den vergangenen Jahren, lag aber stets bei deutlich mehr als hundert Millionen Euro pro Jahr. Zuletzt machten Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und ihr Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) finanzielle Zusagen, um Reformen in der WHO zu unterstützen und bei der Kompensation des Rückzugs der USA zu helfen, wenn auch bislang in einem überschaubaren Rahmen. Warken traf zuletzt beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf WHO-Generaldirektor Tedros. Dabei bekannte sie sich zu der Schlüsselrolle der WHO zur internationalen Verständigung „abseits bilateraler Alleingänge“, wie es aus ihrem Ministerium hieß. Themen des Gesprächs mit Tedros waren demnach die Förderung von Maßnahmen gegen Antibiotikaresistenzen und eine Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Pharma- und Medizintechnikstandorts. Für Deutschland könnte der Austritt der USA eine Chance sein, eine Führungsrolle in der WHO zu übernehmen.
