Nach Medienberichten darüber, dass ein Viertel der jungen deutschen Erwachsenen die Wehrerfassungsbögen des Verteidigungsministeriums nicht beantwortet, hat Minister Boris Pistorius (SPD) mitteilen lassen, dass diese Darstellung offenbar jeder faktischen Grundlage entbehrt. Wie das Ministerium am Freitag mitteilte, hätten 90 Prozent der angeschriebenen jungen Erwachsenen die Fragebögen beantwortet, 86 Prozent innerhalb der ersten Frist, der Rest dann nach Erinnerungsschreiben. Auch der Datenabruf bei den Meldebehörden, die Datenverarbeitung, der Versand der Anschreiben und die digitale Bearbeitung des Fragebogens funktioniere reibungslos, so das Ministerium. Jugendliche, die ab dem 1. Januar 18 Jahre alt werden, erhalten nach dem neuen Wehrdienstgesetz einen Fragebogen, den sie beantworten müssen. Mit Stand vom 29. April 2026 habe das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr mehr als 200.000 Anschreiben versendet, an junge Männer, Frauen und Personen anderer Geschlechter. Die Rückmeldungen erfolgten weit überwiegend innerhalb kurzer Zeit. Linke kritisiert Bußgelder scharf Die anderslautenden Meldungen der vergangenen Tage seien, so das Ministerium, „nicht korrekt“. Die Rücklaufquote bei Frauen, die nicht antworten müssen, liegt demnach bei drei Prozent. Wer sich interessiert am Dienst in den Streitkräften zeigt, wird dann von der Bundeswehr kontaktiert für weitere Beratungen. Das Ministerium teilte zudem mit, dass junge Männer mit hartnäckiger Nichtbeantwortung des Fragebogens eine Ordnungswidrigkeit begingen, welche mit einem Bußgeld geahndet werden könne. Das Ministerium plane „derzeit ein Bußgeld in der Höhe von maximal 250 Euro“. Das Verfahren dazu ist aber noch nicht ausgearbeitet. In früheren Äußerungen war von 1000 Euro Bußgeld die Rede. Die Linke kritisierte die Androhung eines Bußgeldes. Der Verteidigungspolitiker und Fraktionschef Sören Pellmann sagte der F.A.Z.: „Mit dem Bußgeld zeigt die Bundesregierung einmal mehr ihre Haltung gegenüber jungen Menschen: kaputte Schulen, unbezahlbarer Wohnraum, Perspektivlosigkeit – egal! Aber wenn junge Menschen die Zwangsauskunft für eine spätere Rekrutierung verweigern, reagiert die Bundesregierung mit Repression.“ Im Ernstfall solle, so Pellmann, „die junge Generation für Merz in den Krieg ziehen – ansonsten ist sie ihm vollkommen egal“. Neue Standorte für Musterungen Christoph Schmid, stellvertretender verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagte hingegen: „Aus unserer Sicht ist ein Ordnungswidrigkeitsgeld in Höhe von bis zu 250 Euro für Verweigerer des Fragebogens angemessen. Der gesetzlich festgelegte Zeitrahmen von vier Wochen bietet jeder angeschriebenen Person ausreichend Möglichkeit zur Beantwortung des digitalen Fragebogens.“ Das Verteidigungsministerium teilte zudem mit, dass die Standorte für die 24 Musterungszentren festgelegt worden seien. Dort sollen gesundheitliche Eignungsuntersuchungen durchgeführt werden, allerdings erst ab 2027 flächendeckend. Es würden nunmehr in 14 Bundesländern externe Objekte angemietet. Die meisten Zentren entstehen an Orten, wo die Bundeswehr bereits vertreten ist, darunter Dresden, Hamburg, Kassel, Kiel, Leipzig oder auch Ulm und Wiesbaden. An acht Orten würde die Bundeswehr neu auftreten, darunter in Bielefeld, Dortmund, Jena, Offenburg und Regensburg. Die Musterungszentren werden zudem einem der bestehenden Karrierecenter der Bundeswehr zugeordnet, wo die Beratung und Betreuung von Bewerbern stattfinden soll, ebenso weitere Eignungsprüfungen für eine Verwendung in der Truppe. Für die neuen Musterungszentren sollen jeweils etwa 50 zivile Dienstposten bereitgestellt werden. Wobei die Gewinnung von Musterungsärzten sich bereits jetzt als Herausforderung erweist. Erst im Laufe des Jahres soll das erste Musterungszentrum „voraussichtlich“ seine Arbeit aufnehmen.
