Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff ist der dritte ausgeflogene Patient in Amsterdam angekommen. Er landete am Donnerstag um 8.54 Uhr am Flughafen Schiphol. Insgesamt wurden am Mittwoch drei Menschen unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Außenministerium mitteilten. Bei den anderen beiden handelte es sich um schwer erkrankte Besatzungsmitglieder, die dringend medizinische Versorgung benötigten. Der dritte ausgeflogene Patient kam mehr als 20 Stunden nach seinem Abflug in Amsterdam an. Marokko hatte dem Flugzeug die Landeerlaubnis für einen Tankstopp verweigert, daraufhin steuerte es Gran Canaria an. Wegen eines Problems mit der Stromversorgung musste das Flugzeug dort ausgetauscht werden. Die Besatzung und der Patient, angeblich ein britisches Besatzungsmitglied, durften währenddessen den Flughafen nicht betreten. Das ursprüngliche Flugzeug flog nach Angaben aus spanischen Regierungskreisen nach einem Tankstopp in Valencia leer nach Rotterdam. In Amsterdam behandelt wird außerdem eine Flugbegleiterin, die im direkten Kontakt zu einer mit dem Hantavirus infizierten Frau stand – mit der Niederländerin, die kurz darauf an dem Virus starb. Sie hatte sich in Johannesburg an Bord eines Flugzeugs der Airline KLM befunden. Die Flugbegleiterin wurde mit Krankheitssymptomen in ein Krankenhaus gebracht, wie das Gesundheitsministerium in Den Haag mitteilte. Sie habe leichte Symptome, befinde sich in Isolation und werde nun auf das Hantavirus getestet. Das Kreuzfahrtschiff befindet sich auf dem Weg nach Teneriffa Das Kreuzfahrtschiff Hondius startete am Mittwochabend vor Kap Verde in Richtung Kanarische Inseln. Am Sonntag wird es im Hafen von Granadilla de Abona auf Teneriffa erwartet. An Bord befinden sich mehr als 140 Menschen aus 23 Staaten. Auf Teneriffa haben beunruhigte Hafenarbeiter auf Teneriffa damit gedroht, das Schiff zu blockieren. Laut dem kanarischen Regionalpräsidenten Fernando Clavijo wird das Kreuzfahrtschiff nicht anlegen, sondern „nur ankern“. Die Evakuierung der Passagiere werde mit Booten erfolgen. Auch die USA werden nach spanischen Regierungsangaben ein Flugzeug entsenden, um die amerikanischen Passagiere nach Hause zu fliegen. Alle 14 Spanier an Bord sollen in Madrid in Quarantäne. Diese könnte zwischen 20 und 45 Tage dauern. Die anderen Passagiere sollen mit Sonderflügen direkt in ihre Heimatländer gebracht werden. Der Flughafen Teneriffa Süd liegt nur rund zehn Minuten entfernt. Die Flüge werden die Herkunftsstaaten oder die EU organisieren. Suche nach mehr als 20 Passagieren in aller Welt Die WHO und nationale Behörden arbeiten intensiv daran, Personen ausfindig zu machen, die das Schiff am 22. April auf der Atlantikinsel St. Helena verließen – elf Tage nach dem ersten Todesfall an Bord. Nach Angaben des Veranstalters haben 29 Personen das Schiff auf St. Helena verlassen. Sie traten von dort aus die Heimreise in Länder wie Australien, Taiwan, die USA und Großbritannien an, wie ein spanischer Passagier am Mittwoch der Zeitung „El País“ berichtete. Bereits ausfindig gemacht worden ist ein infizierter Schweizer Staatsbürger, der in Zürich im Krankenhaus liegt. Seine Ehefrau, die mit ihm an Bord war, ist angeblich symptomfrei. Nach Informationen der BBC wurden auch zwei britische Passagiere gefunden, die sich nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien nun isolieren. Der erste Todesfall ereignete sich am 11. April Die Infektionsgefahr wurde laut einer Rekonstruktion von „El País“ offenbar erst spät bekannt. Das niederländische Ehepaar, das zuerst am Hantavirus gestorben war, war seit Ende November in Argentinien sowie in Chile und Uruguay mit einem Wohnmobil unterwegs gewesen, bevor es am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens an Bord der Hondius ging. Die WHO geht davon aus, dass eine der Personen oder beide sich außerhalb des Schiffs infiziert haben. Der Mann starb am 11. April an Bord des Schiffs. Seine Ehefrau verließ das Schiff auf St. Helena mit dem Leichnam ihres Mannes. Auf dem Flug nach Südafrika verschlechterte sich ihr Zustand, und sie starb, bevor sie in die Niederlande weiterreisen konnte. Ein schwer erkrankter Brite wird noch auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. Neben dem niederländischen Ehepaar starb auch eine deutsche Frau, die sich an Bord des Schiffs befand, am Hantavirus. Ihre Begleiterin gehört zu den drei Passagieren, die am Mittwoch aus Kap Verde ausgeflogen worden waren. Die 65 Jahre alte Deutsche wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen inzwischen von Amsterdam in die Universitätsklinik in Düsseldorf gebracht. „Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion“, teilte das Klinikum vor ihrer Ankunft mit. In Argentinien suchen Forscher nach dem Ursprung der Hantavirus-Infektionen. Wissenschaftler des Forschungsinstituts Malbrán sollen in der im äußersten Süden des Landes gelegene Stadt Ushuaia Nagetiere einfangen und auf das Virus untersuchen, wie die argentinische Regierung mitteilte. Hantaviren werden meist durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. In der Provinz Feuerland, wo Ushuaia liegt, wurde seit Beginn der systematischen Erhebung vor 30 Jahren noch nie eine Hantavirus-Infektion registriert. In Ushuaia war das Kreuzfahrtschiff Hondius am 1. April in See gestochen.
