Austern, erlesene Früchte, Silberschalen, Goldgefäße, halb gefüllte Gläser und Musikinstrumente füllen den Tisch auf Jan Davidszoon de Heems Prunkstillleben, das den Reichtum Antwerpens im Goldenen Zeitalter der Niederlande vor Augen führt. Mit einer Schätzung von 300.000 bis 400.000 Euro steht das Gemälde aus den 1640er-Jahren an der Spitze der Auktion mit Werken Alter Meister, die das Kunsthaus Lempertz am 21. Mai in Köln abhält. Im vorigen Frühjahr fiel in dem Unternehmen der Hammer für ein wiederentdecktes Blumenstillleben de Heems bei aufsehenerregenden 2,8 Millionen Euro. Kurze Zeit später wurde das Gemälde vom Getty Museum in Los Angeles erworben. Eine prachtvolle Gemeinschaftsarbeit Reichlich gefüllt ist auch die Vase auf der Gemeinschaftsarbeit von Frans Francken dem Jüngeren und Jan Brueghel dem Jüngeren. Das Blütenarrangement malte der Sohn des sogenannten Blumen-Brueghel und orientierte sich dabei an einem berühmten väterlichen Vorbild, das heute im Kunsthistorischen Museum in Wien hängt. Frans Francken der Jüngere übernahm die Abbildung der skulptierten Vase (Taxe 90.000 bis 120.000 Euro). Deutlich schlichter ist Fede Galizias Schale mit Pfirsichen und Birnen inszeniert: Abseits ihrer kirchlichen Auftragsarbeiten waren die Früchtestillleben der italienischen Sammler für kenntnisreiche Sammler bestimmt. Das kleine Werk bei Lempertz kommt erstmals auf den Markt und soll 80.000 bis 100.000 Euro erlösen. Ebenfalls marktfrisch ist die niedliche Darstellung von Jesuskind und Johannesknaben, die mit einem Lamm spielen. Sie stammt vermutlich von Jan Wildens, der von 1616 bis 1620 in Peter Paul Rubens’ Werkstatt arbeitete und dessen Nichte, Hélène Fourment, Rubens zweite Ehefrau war. Das 110 mal 150 Zentimeter große Gemälde stammt aus einer österreichischen Privatsammlung (120.000/150.000). Von Jacob van Ruisdael ist eines seiner berühmten Wasserfallbilder zu erwerben, hier mit zwei winzigen Männern am linken Bildrand, die tosende Wassermassen betrachten. Mehr als 150 solcher Landschaftsbilder des 1682 in Amsterdam gestorbenen Malers sind überliefert. Sie bilden die größte Werkgruppe seines Œuvres – entstanden jedoch nicht aus Naturbeobachtungen, sondern waren beeinflusst von Gemälden aus Skandinavien, wie Allart van Everdingen sie in den Niederlanden populär machte. Das vorliegende Werk befand sich früher in der Sammlung des Unternehmers und Kunstmäzens James Simon in Berlin (120.000/140.000). Mit einer besonderen Provenienz kann auch das Porträt eines Edelmannes aufwarten, das Bernard van Orley um 1520 schuf. Einst hing das 54 mal 40 Zentimeter messende Ölbild – zwar noch unter falscher Zuschreibung als ein Werk Mabuses – im Mentmore House, einem Herrenhaus des 19. Jahrhunderts in der englischen Grafschaft Buckinghamshire. Dort gehörte es zu der bedeutenden Kunstsammlung der Earls of Rosebery, neben Werken von Peter Paul Rubens, Alessandro Allori, Giambattista Moroni und Francesco Guardi. Im Jahr 1977 wurde das Bildnis mit korrekter Zuschreibung versteigert. Bei dem Dargestellten handelt es sich vermutlich um ein Mitglied des Brüsseler Hofs (100.000/150.000). Höchsttaxiertes Los unter den Werken des 19. Jahrhunderts ist Carl Blechens „Felslandschaft mit einem Einsiedler“ (100.000/120.000). Bei dem Ölgemälde handelt es sich um eine Variante des gleichnamigen Bildes, das sich in Besitz der Stiftung Fürst-Pückler-Park und Schloss Branitz befindet. Während die Version bei Lempertz den Eremiten im warmen Licht der untergehenden Sonne zeigt, hüllt die Version in Branitz die Szenerie in den kühlen Schein der Morgensonne. Zwei Wasserläufe, die sich durch Waldlandschaften ziehen – einer von Peder Mørk Mønsted gemalt (50.000/70.000), einer von Hans Thoma (20.000/25.000) – ergänzen die Offerte. Zusammen sollen die 250 angebotenen Lose 4,76 bis 6,26 Millionen Euro einspielen. Bei der Kunstgewerbe-Auktion am 20. Mai beeindruckt bei Lempertz ein seltener Verwandlungstisch von David Roentgen. Einst stand der neoklassizistische Tisch in Leeds Castle, wo die aus den USA stammende Lady Baillie große Gesellschaften mit berühmten Gästen wie James Stewart, Errol Flynn oder Charles Chaplin gab (120.000/180.000).
