FAZ 21.11.2025
08:24 Uhr

Auftragsfertiger Foxconn: Ein KI-Deal für Trump und eine Ansage an die Autoindustrie


Foxconn führt auf seinem Techday sein wachsendes Elektro-Auto-Sortiment vor. Ein Deal mit Open AI zeigt, wie groß die Taiwaner auch im KI-Geschäft mitmischen.

Auftragsfertiger Foxconn: Ein KI-Deal für Trump und eine Ansage an die Autoindustrie

Die große Messehalle von Taipeh erinnert am Freitag an die guten Zeiten der IAA in Frankfurt. Blitzblank und spektakulär ausgeleuchtet stehen gleich am Eingang gut zehn Fahrzeuge unterschiedlicher Größenordnung, von der Golf-Klasse über den kleinen und großen Familien-Van bis hin zu einem Stadtbus. Die Besucher streicheln ehrfürchtig die weißen Ledersitze und bewundern die großen Displays, die wie in den Oberklasse-Wagen von Tesla oder Mercedes fast das gesamte Cockpit einnehmen. „Haben die Sitze keine Massagefunktion?“, will ein Asiate wissen, der sich gerade in einen der Vans hinten hineingesetzt hat. „Doch, natürlich“, sagt eine Hostess im hellblauen Kostüm und drückt einen Knopf in der Armlehne. Im hinteren Teil der Halle können die Besucher die verschiedenen Modelle probefahren – ganz leise elektrisch und ohne Gestank. Organisator der kleinen Autoshow ist kein klassischer Fahrzeugbauer. Sie ist das Entrée zum Techday des taiwanischen Auftragsherstellers Foxconn. Der Konzern ist einmal bekannt und groß geworden als Fertiger der iPhones im Auftrag von Apple. Diese Erfolgsgeschichte will der Unternehmenschef Young Liu nun wiederholen in der Autobranche. Nachdem neue Hersteller wie Tesla oder BYD in den vergangenen Jahren durch eine Fokussierung auf Elektromobilität und gute Software die traditionellen Hersteller wie Volkswagen, Toyota und BMW arg unter Druck gesetzt haben, will Foxconn den klassischen Herstellern nun einen Deal anbieten: Sie sollen die Autos nur noch entwickeln und vermarkten, den Bau wollen die Taiwaner übernehmen. „Einstiegsbarriere in den Automarkt sinkt immer weiter“ „Die Einstiegsbarriere in den Automarkt sinkt immer weiter, es gibt immer mehr neue Wettbewerber“, sagt Liu während seiner Eröffnungsrede des Techdays. „Das heißt, dass der Preiskampf schärfer und die Entwicklungszyklen immer kürzer werden. Es ist also an der Zeit für die großen Hersteller, Aufgaben zu delegieren.“ Liu spricht vom Compaq-Moment der Autobranche und erläutert, dass Compaq einst der erste PC-Hersteller gewesen sei, der seine Computer nicht mehr selbst herstellen wollte. „Die Unternehmen waren damals sehr stolz darauf, ihre eigenen PCs zu bauen, so wie es die großen Autohersteller heute sind.“ Einige namhafte Vertreter der Branche konnte Liu schon für die Idee gewinnen. Der japanische Autohersteller Mitsubishi will gemeinsam mit Foxconn ein Auto entwickeln. Der französische Konzern Stellantis hat angekündigt, gemeinsam mit Nvidia, Uber und Foxconn die Entwicklung von selbstfahrenden Taxis voranzutreiben. Und der zu Daimler Truck gehörende japanische Lastwagen- und Busproduzent Fuso will gemeinsam mit den Taiwanern neue Elektrobusse entwickeln. Die Nachfrage danach steige schließlich schnell, sagt Katsuto Kora, Chef des Fuso-Busgeschäfts, der als einer von vielen Gastrednern auf die Foxconn-Bühne kommt. Er verweist unter anderem darauf, dass in Deutschland bis zum Jahr 2030 die Hälfte aller Stadtbusse elektrisch fahren sollen. Fuso habe die Erfahrung im Busmarkt, kenne die Kunden und habe ein globales Verkaufsnetz, Foxconn bringe die Expertise in E-Mobilität und neuen Softwarelösungen mit. „Unser Ziel ist es, die Industrie schneller zu machen und die Zeit von der Idee bis zur Marktreife eines Produkts zu verringern“, sagt Foxconn-Chef Liu. KI-Serverracks zusammen mit Open AI Noch weit gewinnträchtiger dürfte der Ausbau der KI-Infrastruktur in aller Welt werden. Die größte Nachricht des Techdays ist, dass der KI-Pionier hinter ChatGPT, Open AI, künftig mit Foxconn kooperieren werde. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen mehrere nächste Generationen von KI-Serverracks – also die bis zu zwei Tonnen schweren Schränke, in denen die Grafikkarten und Prozessoren für Rechenzentren vereint sind und gekühlt werden – entwickeln, die in den USA produziert werden sollen. „Wir bei Foxconn sind begeistert, mit Open AI zusammenzuarbeiten – einem Pionier an der Spitze des digitalen KI-Zeitalters“, sagt Liu. Foxconn sei inzwischen der weltweit größte Hersteller von KI-Datenservern und damit „einzigartig positioniert, um die Mission von Open AI mit vertrauenswürdiger, skalierbarer Infrastruktur zu unterstützen“. Die Zusammenarbeit ziele darauf ab, die Architektur von Serverracks  zu verbessern, sodass sie landesweit in den USA gefertigt werden können. Dabei sollen auch – ganz im Sinne Donald Trumps – amerikanische Zulieferer gefördert werden. Open-AI-Chef Sam Altman, der per Videobotschaft auf dem Techday auftrat, betonte in einer Mitteilung die Bedeutung dieser Kooperation für die Vereinigten Staaten: „Die Infrastruktur hinter fortgeschrittener KI ist eine einmalige Chance, Amerika zu reindustrialisieren. Diese Partnerschaft ist ein Schritt hin zu der Gewissheit, dass die Kerntechnologien des KI-Zeitalters hier gebaut werden.“ Foxconn-Chef Liu kündigte an, dass sein Unternehmen jährlich zwischen zwei und drei Milliarden Dollar in den Ausbau seines KI-Geschäfts stecken wolle. Im laufenden Geschäftsjahr ist die Herstellung von KI-Servern unter anderem durch eine Kooperation mit Nvidia zum wichtigsten Geschäftsfeld von Foxconn geworden. Aktuell könne der Konzern 1000 Racks in der Woche produzieren, sagte Liu stolz. Doch es sollten noch mehr werden.