FAZ 13.01.2026
16:30 Uhr

Auftakt mit HeimTextil: Die Messe strebt ein Rekordjahr an


Mit der Heimtextil beginnt das Messejahr in Frankfurt. Doch an ihrem Heimatstandort stößt die Messegesellschaft an Grenzen, auch wenn das oft gar nicht so aussieht.

Auftakt mit HeimTextil: Die Messe strebt ein Rekordjahr an

Mit 3000 Ausstellern aus 66 Nationen verspricht die erste Messe des Jahres noch ein wenig internationaler zu werden als die der vergangenen Jahre. Die Ausstellerzahl hat sich kaum verändert. Dafür, dass sie nicht gesunken ist, sorgen die seit dem vergangenen Jahr wachsenden Flächen für Teppiche und Matratzen. „Dass sich die Branche in einer Phase gedämpfter Konsumlaune abermals so deutlich zur Heimtextil und zum Standort Frankfurt bekennt, ist ein belastbares Signal für die Relevanz der Plattform“, fasst Detlef Braun von der Messe-Geschäftsführung zusammen und macht gleichzeitig deutlich, dass es keine leichten Zeiten für das Messegeschäft sind. Als Grund für die Schwierigkeiten der Branche, aber auch vieler anderer, sieht Braun das schwache Konsumklima in Europa. Der Heimtextilmarkt  schrumpfe auf dem Kontinent. Zudem verändere Künstliche Intelligenz viele Prozesse in der Industrie, hebt der Textilmessenexperte der Messe Frankfurt, Olaf Schmidt, hervor. Hier soll die Messe mit einem Begleitprogramm Lösungsansätze liefern. Trotz des wirtschaftlich schwierigen Umfelds sehen Braun und Schmidt sich  bestätigt, dass die Heimtextil als Teil eines internationalen Netzwerks von Textilschauen der Messe Frankfurt mit 60 Veranstaltungen in 13 Ländern vom internationalen Austausch profitiert. 800-Millionen-Ziel 2025 verfehlt Damit steht sie stellvertretend für das Gesamtkonzept des Unternehmens, das zu 60 Prozent der Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört. Mithilfe zunehmender Internationalisierung hat die Gesellschaft nach dem gravierenden Einbruch in der Corona-Pandemie wieder zu alter Stärke zurückfinden und ihre Umsätze steigern können. Doch die allgemeine Wirtschaftslage macht es ihr nicht leicht. Das gesteckte Umsatzziel von 800 Millionen Euro wurde 2025 verfehlt. Für dieses Jahr aber ist Messechef Wolfgang Marzin zuversichtlich, den Rekordumsatz zu schaffen. Dazu dürfte beitragen, dass 2026 wieder die alle zwei Jahre eingeplante Automechanika im Herbst stattfinden wird.  Zu den Wachstumstreibern zählt Marzin aber auch neue Fachmessen und Gastveranstaltungen, mit denen die Auslastung der Hallen weiter steigen soll, wie die AMI Compounding & Recycling Expo, die Fastener-Expo für alles zum Befestigen oder die Fiberdays rund um das Thema Glasfaser. Zudem gebe es eine nie dagewesene Zahl an Events und Veranstaltungen, wie beispielsweise die Weltmeisterschaft der Rhythmischen Sportgymnastik Mitte August, so der Messechef. „Wir haben noch nie so viele Konzerte und Kongressveranstaltungen gehabt, und die Auslastung wächst“, sagt Marzin und wendet sich damit gegen Kritik, die Messe sei im Ausland sehr aktiv, aber nutze das heimische Gelände nicht genügend. Während der Branchenverband AUMA meldet, die belebtesten Messeplätze 2026 seien Stuttgart mit 25 Messen sowie Köln, Nürnberg und eben Frankfurt mit jeweils 24 Messen, zeigt das Verzeichnis auf, dass am Main darunter auch zwölf sind, die kaum eine ganze Halle füllen. Zählt man die Kongresse und Konzerte oder Shows wie Holiday on Ice hinzu, kommt man auf 90 Events auf dem Frankfurter Gelände für 2026. Kaum Kapazität für weitere Messen Marzin sieht nur wenig Chancen für viel mehr Veranstaltungen. Von den 365 Tagen des Jahres sei schon jetzt ein großer Teil belegt, denn zu den eigentlichen Messetagen kämen noch Auf- und Abbautage hinzu, an denen nichts stattfinden könne. Und in den Sommerferien wolle niemand eine Messe besuchen. Angesichts der begrenzten Fläche blieben so nur etwa 30 Tage, „aber nicht zusammenhängend“, um zusätzliche Veranstaltungen unterzubringen. So erscheine das Gelände zwar gelegentlich brachzuliegen, faktisch aber werde es oft stärker genutzt, als sichtbar sei. Beispielsweise beim Festhallen-Reitturnier benötige man nicht nur die Festhalle für die Reiter, sondern auch Flächen für Aussteller und die zahlreichen Transporter. Logistikflächen sind für das Messegeschäft essenziell. Darum hebt Marzin hervor, die Diskussion um eine andere Nutzung des Rebstockgeländes müsse abgestellt werden. Die Messe brauche das Areal für Aufbau und Abbau zwingend. Eine unabhängige Studie belege, dass ohne diese Flächen die Messen in Frankfurt nicht zu machen seien, schon gar nicht, wenn man die Auslastung noch erhöhen wolle. Das aber gehe nur, wenn die Logistik nicht eingeschränkt werde und die Messe in ihr Gelände investieren könne. „Wir müssen Gewinne machen und wollen das auch“, sagt der Messechef, aber die Messe sei vor allem Wirtschaftsförderer für die Region. Darum wendet er sich gegen Stimmen aus der Politik, die stärker auf Gewinnmaximierung drängen. Erst im Dezember hatte er eine Studie vorgelegt, nach der die Stadt erheblich von der Messe profitiert. Auf 2,1 Milliarden Euro wurde die Rendite beziffert, die die Messen dem Handwerk durch Standbau, dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel und anderen Dienstleistern demnach bringt. Bahnhofsviertel als Schandfleck Auf der anderen Seite hat die Messe nicht nur mit der Rebstock-Diskussion zu kämpfen, sondern auch mit den Verzögerungen des U-Bahn-Baus. Der neue Messeeingang an der Europa-Allee, der in diesem Jahr eröffnet werden soll, sollte eigentlich mit einer eigenen Haltestelle besonders gut zu erreichen sein. Doch die Fertigstellung der Bahn ist auf 2029 verschoben worden. Unglücklich ist Marzin auch über den Zustand rund um den Hauptbahnhof. Viele Messegäste, die dort ankämen, könnten kaum glauben, dass sie in Deutschland seien. Die Zustände beeinträchtigten das Sicherheitsgefühl. Der Messechef spricht von einem Schandfleck. Nicht nur, weil das Wachstum am Heimatstandort beschränkt ist, sondern auch, um die Veranstaltungen dort abzusichern, setzt die Messe auf Wachstum im Ausland und dabei auf ihre internationalen Marken. Neben der Heimtextil ist das etwa die Automechanika, die inzwischen in 14 Ländern ausgerichtet wird. So auch in Saudi-Arabien, wo die Messe im November eine eigene Repräsentanz eröffnet hat, um ihr Portfolio dort auszubauen. „Wir gehen dahin, wo unsere Kunden hinwollen, und das ist da, wo das Wachstum schneller geht“, sagt der Messechef. Darin sieht er auch Chancen für die Fahrradmesse Eurobike. Weil die beiden wichtigsten deutschen Verbände ihr den Rücken gekehrt hatten, war deren Zukunft im Herbst mit Fragezeichen versehen worden. Nun aber bringe man sich stärker in der Organisation der Veranstaltung ein, die ein Joint Venture mit der Messe Friedrichshafen ist, wo sie ihren Ursprung hat. Angesichts von Schwierigkeiten in der Branche sieht Marzin, ähnlich wie im Automobilsektor, auch für die Fahrradmesse eine Chance durch die Integration des sogenannten Aftermarkets, also von allem, was mit Instandhaltung und Reparatur zu tun hat. Die wichtigen deutschen Zweiradverbände werde man nun stärker einbeziehen. Sie würden „nicht nur angehört, sondern sollen Teil der Mannschaft auf dem Spielfeld“ sein. Das Ziel, eine „führende internationale Fahrradmesse“ mit langfristiger Perspektive zu sein, soll durch Ableger in Asien unterstützt werden. So könne die Messe Frankfurt dazu beitragen, hiesigen Herstellern neue Märkte zu erschließen. Expansionsperspektiven sieht Marzin auch für die Messe Aero, die die Frankfurter mit den Partnern aus Friedrichshafen inzwischen in Südafrika und China etabliert haben. Die zivile Luftfahrt biete Zukunftschancen, beispielsweise auf dem Sektor von Lufttaxis und Paketdrohnen für Megastädte. Eine Luftfahrtmesse in Frankfurt allerdings steht nicht auf seinem Plan. Dennoch verspricht er: „Im Frankfurt werden wir zulegen, definitiv.“