FAZ 26.12.2025
17:39 Uhr

Aufruf des Papstes: Menschenfreundlich, aber naiv


Der Aufruf von Leo XIV. zur Ukraine geht fehl. Es mangelt nicht an respektvollem Dialog. Sondern Putin muss dazu gebracht werden, seinen Raubkrieg zu beenden.

Aufruf des Papstes: Menschenfreundlich, aber naiv

Der Papst hat in seiner Weihnachtsbotschaft für das „leidende ukrainische Volk“ gebetet. Sein Aufruf unterscheidet sich in seiner Menschenfreundlichkeit so grundlegend von zynischen Weihnachtskommentaren, wie sie der amerikanische Präsident zur Intervention in Nigeria verbreitet hat, dass man Leo XIV. die Naivität beinahe nachsehen möchte, mit der er seine Worte zum Thema Ukraine begleitete. Sicher, wer wünschte sich nicht, dass das „Dröhnen der Waffen verstummen möge“? Nicht nur in Tschernihiw, wo Russland ein Wohnhaus bombardierte, oder in der Region Odessa, wo durch russische Drohnen die Stromversorgung lahmgelegt wurde, Speiseöl und Mehlvorräte vernichtet und zivile Schiffe angegriffen wurden, wünschen sich die Menschen lieber gestern als heute ein Ende der Feindseligkeiten. Wenn Putin seinen Raubkrieg nicht beenden will Aber das ist es eben: Es fehlt nicht daran, dass die „Beteiligten den Mut finden, einen ehrlichen, direkten und respektvollen Dialog zu führen“, wie Papst Leo forderte. Es fehlt daran, dass Russland unter seinem Herrscher Putin bereit ist, seinen Raubkrieg zu beenden. Das heißt, er muss dazu gebracht werden. Würden die ukrainischen Streitkräfte das Dröhnen ihrer Waffen schweigen lassen, würde das ukrainische Volk, dessen Existenz Putin nicht einmal anerkennt, noch mehr leiden. Das hat man leider überdeutlich dort sehen müssen, wo Russland bereits ukrainisches Staatsgebiet unter seinen Stiefeln hatte oder hat.