FAZ 29.11.2025
10:39 Uhr

Aufregung in Bundesliga: „Ich kann es fast nicht glauben. Das killt den Sport“


Beim Bundesligaspiel zwischen Mönchengladbach und RB Leipzig kommt es zu einer aufsehenerregenden Szene um den Videoassistenten. Borussia-Trainer Eugen Polanski äußert sich mit deutlichen Worten.

Aufregung in Bundesliga: „Ich kann es fast nicht glauben. Das killt den Sport“

Eugen Polanski hatte bei allem Ärger über den Videoassistenten (VAR) seinen Humor noch nicht verloren. Zwei Minuten lang hatte der Trainer des Fußball-Bundesligavereins Borussia Mönchengladbach nach eigener Zeitrechnung das vermeintliche Siegtor gegen RB Leipzig bejubelt, dann folgte ein zweiminütiger Check der Millimeter-Entscheidung – und es stand wieder 0:0. „Wahrscheinlich ist es Marketing für die Zuschauer, die sich eine Stadionwurst holen sollen“, sagte der Neununddreißigjährige durchaus gefrustet. Polanski hatte sich in den vergangenen Wochen immer wieder kritisch zum VAR geäußert, nach dem 0:0 gegen RB Leipzig fühlte er sich bestätigt. Ein Standbild sollte zeigen, dass Franck Honorat vor seinem Treffer in der 47. Minute im Abseits gestanden hatte. Polanski konnte auch bei genauem Hinsehen keinen Beweis finden: „Ich sehe da kein Körperteil, das vor der Linie ist.“ Vielleicht ein Millimeter lag zwischen Honorats Schuhspitze und dem Kopf von Gegenspieler David Raum – wenn überhaupt. Der VAR griff dennoch ein, Schiedsrichter Timo Gerach nahm das Tor zurück. „Ich kann es fast nicht glauben“, sagte Polanski, dessen Urteil eindeutig war: „Völliger Quatsch dieser VAR. Dabei bleibe ich.“ Und mehr noch: „Das killt den Sport.“ „Nicht sicher, ob das auf die Hundertstelsekunde stimmt“ Polanski, der sich schon nach dem Derby gegen den 1. FC Köln (3:1) als VAR-Kritiker geoutet hatte, sieht Standbilder wie am Freitag generell kritisch. „Ich bin auch nicht sicher, ob der Moment der Ballabgabe auf die Hundertstelsekunde stimmt“, sagte er. Das bewusste Schaffen eines Vorteils – der Grund für die Einführung der Abseitsregel also – konnte Honorat jedenfalls niemand vorwerfen. Die Diskussion überlagerte das gute Spiel der Gladbacher, die dem Tabellenzweiten über 90 Minuten ebenbürtig waren. Vor allem die Defensive zeigt sich unter Polanski stark verbessert, in den letzten vier Spielen gab es nur ein Gegentor – und das war ein durchaus fragwürdiger Elfmeter gegen Köln, bei dem der Videoassistent sich nicht gemeldet hatte. Immerhin: Den zweiten VAR-Einsatz gegen Leipzig bezeichnete auch Polanski als richtig. Kurz vor Schluss hatte Schiedsrichter Gerach einen Elfmeterpfiff zurückgenommen, weil Willi Orban erst den Ball und dann Gegenspieler Shuto Machino getroffen hatte. „Das war richtig“, sagte Polanski. Der VAR sei dennoch „Quatsch“, sagte er, „und zwar in allen Situationen, egal, ob das dann positiv oder negativ für uns ist.“