Die russische Sportpolitik hat im Schach einen weiteren Erfolg erzielt. Die Weltschachföderation FIDE hat die Wiederzulassung russischer Teams beschlossen. Bei der online durchgeführten Vollversammlung stimmten 61 Verbände für den Antrag des russischen Schachverbands. Die 51 Gegenstimmen kamen überwiegend aus Europa. In Jugendturnieren sind die nationalen Symbole Russlands damit ab sofort wieder zugelassen. Ob auch bei Wettbewerben Erwachsener die russische Fahne gezeigt und die russische Hymne gespielt wird, soll in Abstimmung mit dem IOC geklärt werden. Diesen Vorbehalt hält die Präsidentin des Deutschen Schachbunds, Ingrid Lauterbach, für Augenwischerei. „Darauf wird das IOC nicht antworten, weil Schach nicht olympisch ist.“ Sie spricht von einer absurden Abstimmung, in der zwei sich teilweise widersprechende Anträge angenommen wurden. Als deutlichsten Verstoß gegen die Geschäftsordnung führt Lauterbach an, dass, wie von Russland gefordert, geheim abgestimmt wurde. Mehrere Verbände prüfen nun eine Klage vor dem Sportschiedsgericht CAS, aber die damit verbundenen Kosten seien hoch. Arkadi Dworkowitsch, der ehemalige russische Ministerpräsident, der seit 2018 FIDE-Präsident ist, wird von Lauterbach für seine Sammlungsleitung scharf kritisiert: „Dworkowitsch sagte am Anfang, er sei neutral, aber dann hat er ausführlich die Position Russlands vertreten.“ Außerdem habe er einen russischen Anwalt zu Wort kommen lassen, der kein Rederecht gehabt hätte. In der Nacht vor der Sitzung ließ Dworkowitsch an alle Delegierten ein Rechtsgutachten gegen die Diskriminierung russischer Sportler verschicken. Der Autor, der angeblich neutrale Schweizer Anwalt Claude Ramoni, vertritt seit mindestens sechs Jahren das Russische Olympische Komitee. 2026 steht der Präsident zur Wahl Die Wiederzulassung wurde von Putin-Sprecher Dmitri Peskow begrüßt, wie einer von gleich drei Meldungen der russischen Nachrichtenagentur TASS über den Beschluss zu entnehmen ist. In den vergangenen Monaten gewannen russische Teams, die unter der FIDE-Fahne antraten, die U-16-Olympiade in Kolumbien, die Schacholympiade der Behinderten in Kasachstan und die Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen in Spanien. Jeder Erfolg fand in den russischen Medien große Beachtung. Nun ist der Weg frei für Russlands Teilnahme an der Schacholympiade im September 2026 in der usbekischen Stadt Samarkand. Dort steht auch der Präsident zur Wahl. Bereits 2023 hob die FIDE die von Dworkowitsch selbst eingeführte Beschränkung auf zwei Amtszeiten wieder auf. Bisher deutet alles darauf hin, dass der 53 Jahre alte Berufspolitiker für vier weitere Jahre kandidiert. Als Alternative ist nur ein weiterer Russe im Gespräch, der Finanzunternehmer Timur Turlow, der 2022 die kasachische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Seitdem ist seine Firma Freedom Finance wichtigster Sponsor der FIDE und des von ihm geführten kasachischen Schachverbands. Neuerdings sponsort Turlow den Österreichischen Schachbund und ist Präsident des neu gegründeten Schulschachweltverbands. Er finanziert auch den nächsten großen FIDE-Wettbewerb, das WM-Kandidatenturnier auf Zypern, wo er zuletzt in ein KI-Zentrum investiert hat. Turlows Engagement im Schach wird auf zwanzig Millionen Euro jährlich geschätzt. Damit Schach der russischen Einflusssphäre entkommt, würde Lauterbach sich einen FIDE-Präsidenten aus dem Westen wünschen. Bisher sei nicht einmal ein Kandidat in Sicht.
