Nicht nur die nahenden Schnäppchen am Black Friday animieren zum Kauf, auch der Dax lockt Anleger mit Kaufargumenten. So haben die fortschreitenden Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland dem deutschen Leitindex am Mittwochmorgen Rückenwind gegeben. Er kletterte um rund einen halben Prozentpunkt auf 23.588 Punkte, nachdem er am Vortag um gut ein Prozent zugelegt hatte. Die Zutatenliste für eine Jahresendrally wachse und wachse damit – das beobachtet Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Allerdings bestünden weiterhin zahlreiche Risiken für das Wachstum in Deutschland. So bremsen sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Exporte die deutsche Wirtschaft weiter aus, das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im dritten Quartal. Ein belastbarer Frieden in der Ukraine könnte laut Stanzl das Geschäftsklima spürbar verbessern. Von der Frist, die der US-Präsident für eine Einigung ursprünglich auf den morgigen Donnerstag (Thanksgiving) gesetzt hatte, nimmt Trump inzwischen Abstand. Nach oben ging es am Mittwochmorgen auch für den M-Dax mit den mittelgroßen deutschen Werten. Er kletterte um 0,4 Prozent hoch auf 29.136 Punkte. Der Eurozonen-Index Eurostoxx 50 legte zudem um 0,7 Prozent zu. Rückkäufe bei Rüstungspapieren nehmen zu Wieder leicht erholt haben sich die Werte von Rüstungsaktien. Der Kurs von Rheinmetall legte am Mittwochvormittag um gut ein Prozent zu. Der Aktienkurs von Hensoldt stieg um rund 0,3 Prozent. Das Papier des Panzergetriebeherstellers Renk blieb hingegen rund ein halbes Prozent im Minus. Die Aussicht auf eine baldige Einigung im Ukrainekrieg hinterlässt auch hier Spuren und könnte Anleger weiterhin zum Verkauf von Rüstungswerten und ETF bewegen. Zuletzt haben Handelsplätze wie etwa die ICF Bank und Lang & Schwarz viele Rückgaben bei Rüstungs-ETF festgestellt. So hat der Aktienkurs von Van Eck Defense seit seinem Hoch im Oktober um rund 13 Prozent an Wert verloren. „Wir haben derzeit eine Phase, in der es vermehrt zu Verkäufen der Privatanleger in Rüstungs-ETF kommt“, sagte Dennis Puschmann, Fachmann für strukturierte Finanzprodukte beim Anbieter Tradegate Direct, der F.A.Z. Dies sei in diesem Jahr bisher nicht oft der Fall gewesen. Zudem sei die aktuelle Verkaufsphase auch von höherem Volumen geprägt als die vorherigen. Puschmann vermutet hinter den Verkäufen allerdings nicht nur die aktuellen Friedensverhandlungen, sondern auch, dass Anleger zum Jahresende Gewinne mitnehmen wollen, „wenn es zu Kursrücksetzern von extrem gut gelaufenen Positionen kommt“. Eine Abwanderungsbewegung erkennt er noch nicht. US-Leitzinssenkung wird wahrscheinlicher Ähnlich sieht das Consorsbank-Analyst Stanzl: „Die Anleger handeln im Rüstungssektor pragmatisch. Die Gleichung lautet: Aussicht auf Frieden gleich Gewinnmitnahmen“, sagte er der F.A.Z. Zwar wollen die europäischen NATO-Länder ihre Verteidigungsausgaben langfristig erhöhen. Das werde weiterhin für volle Auftragsbücher von Rüstungsunternehmen sorgen. Doch könne ein Frieden zwischen der Ukraine und Russland bedeuten, dass der zeitliche Investitionsdruck der Staaten nachlasse. „Die bloße Möglichkeit dessen trübt die zuletzt sehr optimistische Stimmung im Sektor ein.“ Er spricht von einer überfälligen Korrektur, nachdem Anleger über Monate alles gekauft hätten, „was nur im Entferntesten mit Rüstung zu tun hatte“. Neben den Friedenshoffnungen in der Ukraine haben zur Erholung des Dax auch die Wirtschaftslage in den USA und stärkere US-Börsen beigetragen. „Dort haben nicht nur die Sorgen rund um das Thema Künstliche Intelligenz wieder etwas nachgelassen. Zudem gab es diese Woche Meldungen von der US-Wirtschaft, die die marktseitige Erwartung auf eine Leitzinssenkung der US-Notenbank im Dezember gestärkt haben“, sagt Birgit Henseler, Analystin der DZ Bank. Durch die schwachen Einzelhandelsdaten erscheine eine Zinssenkung der amerikanischen Notenbank im Dezember zu 85 Prozent wahrscheinlich, so Consorsbank-Analyst Stanzl. Was die weitere Aufwärtsbewegung des Dax angeht, äußert sich Henseler noch verhalten. „Die Chancen für eine ausgewachsene Jahresendrally standen schon einmal besser.“ Nicht nur sei diese in den vergangenen Jahren meistens ausgefallen, wenn es in den Monaten davor bereits dynamisch bergauf ging. „Hinzu kommt, dass sich das globale Konjunkturumfeld zum Jahreswechsel vorübergehend eintrüben dürfte.“ Langfristig ist Henseler optimistischer gestimmt. Sowohl fiskalpolitische Maßnahmen als auch das geldpolitische Umfeld – mit einem erwartbar neutralen Kurs der Europäischen Zentralbank und Zinssenkungen in den USA – sorgten für ein gutes Umfeld auf den Aktienmärkten. „In diesem Umfeld sollten die Unternehmen im Dax und in den anderen bedeutenden Indizes ihre Gewinne merklich steigern und die Erwartungen des Marktes von einem zweistelligen Gewinnwachstum erfüllen können“, sagte sie.
