FAZ 10.01.2026
14:57 Uhr

Auf Föhr: Die Hinrichsens produzieren den einzigen Single Estate Whisky Deutschlands


Schon der Urururopa betrieb auf der Insel Landwirtschaft. Nun stellt  die Familie auf ihrem Hof in Dunsum Whisky für Liebhaber her. Und  bietet Führungen an.

Auf Föhr: Die Hinrichsens produzieren den einzigen Single Estate Whisky Deutschlands

Das Familienunternehmen Hinrichsen’s Farm Distillery auf Föhr produziert einen Single Estate Whisky. „Unser Whisky entsteht als Keimling und verlässt als fertige Flasche den Hof“, erklärt Jan Robert Hinrichsen das Konzept. Dass vom Anbau des Getreides über das Mälzen bis hin zum fertigen Whisky alle Verarbeitungsschritte am selben Ort stattfinden, sei einzigartig in der deutschen Whiskybranche. Man befindet sich im zweiten Vertriebsjahr. Jedes Familienmitglied hat eine Aufgabe. Mutter Marret Hinrichsen kümmert sich um das hofeigene Café und die Buchhaltung. Vater Jan Robert Hinrichsen, 49 Jahre, ist gelernter Landwirt und zusammen mit Sohn Jonas, 25 Jahre, für die Whiskyherstellung verantwortlich. Er leitet auch Whiskyführungen und -Tastings. Jonas Hinrichsen, der auch Landwirt ist, kümmert sich außerdem um die Tiere. Seine Schwestern Anna-Mia und Lina-Marie studieren noch und wollen ihr Wissen eines Tages in das Unternehmen einbringen. Man beschäftigt zudem eine fest angestellte Mitarbeiterin im Büro und weitere rund 20 Personen – Studenten, Schüler, Freunde der Familie und Freiwillige, die das Projekt unterstützen möchten. Whiskyproduktion begann aus Zufall Die Whiskyproduktion findet auf dem Hof der Familie in Dunsum statt. Schon Urururopa Cornelius Hinrichsen wohnte auf Föhr und betrieb dort Landwirtschaft. Jan Robert Hinrichsen übernahm 2002 den Hof von Opa Robert, der nach einer langen Zeit in New York 1959 zurück nach Föhr gekommen war, um den Hof seiner Großeltern zu übernehmen. Die Whiskyproduktion begann „durch Zufall“, wie Jan Robert Hinrichsen sagt. Während eines Familienurlaubs in Amerika erfuhren sie durch den Besuch einer Farm, wie man echten Single Estate Whisky herstellt. „Whisky herstellen ist Landwirtschaft pur“, sagt Hinrichsen. Beim Probieren hätten sie dan Hinrichsen las Bücher über die Produktion von Whisky. Er baute Kontakte auf, zum Beispiel zu drei Destillerien in Dänemark. Zudem war zur ersten Produktionszeit 2019 der zweite Betriebsleiter der Doemens-Akademie, einer Bildungseinrichtung für die Lebensmittelbranche, zu Gast und hat sie unterstützt. Ähnlich wie vor 150 Jahren Die Herstellung fängt mit dem Anbauen der Biogerste an. Anschließend wird gemälzt, gebraut, vergoren und gebrannt. Verkauft wird der Whisky vor Ort, über die Internetseite und im Einzelhandel. Die Produktion verlaufe „ähnlich wie vor 150 Jahren“, sagt Hinrichsen. Sie sei sehr naturgeprägt, mit jeder neuen Produktion entstehe ein neues Produkt, denn jede Getreideernte und jedes Malz seien anders. Außerdem ernten sie die Beikräuter mit; die Blumen und Beikräuter, die auf den Gerstenfeldern wachsen, fließen teilweise in die Whiskyherstellung mit ein. Dadurch bekomme ihr Whisky eine „naturverbundene und handwerkliche Note“, anders als industriell gefertigter Whisky. Andere Whiskyhersteller kaufen oftmals viel Malz dazu, um Kosten zu senken. Die produzierte Menge hängt von der Erntemenge ab. 2024 war das Ziel, rund 3500 Liter zu verkaufen. Der Umsatz des Whiskyverkaufs liegt bei rund 250.000 Euro. Zusammen mit dem Hofcafé, der Landwirtschaft und Aktivitäten wie Fußballgolf beträgt der Jahreserlös rund 520.000 Euro. Sorgfältig ausgesuchte Fässer Es gibt verschiedene Produkte. Der „Distillers Cut“ ist ein Ergebnis der Ernte von 2024. Er wird in Fässern aus Amerikanischer Weißeiche gelagert. Die 0,2-Liter-Flasche kostet 48 Euro, ein halber Liter fast 100 Euro. Das Produkt ist auf 3139 Flaschen limitiert. Der „Single Cask 2025“-Whisky wurde in einem einzigen Fass gelagert; in ihm befand sich zuvor Oloroso Sherry, was dem Whisky ein nussig-fruchtiges Aroma verleiht. Man bekommt das Fass, das sie sorgfältig ausgesucht haben, von einer Küferei in Andalusien. Dieser Whisky ist limitiert auf 600 Flaschen, eine 0,2-Liter-Flasche kostet 64 Euro. Die „Harvest Edition“ und die „Wonter Edition“ gibt es nur in 0,5-Liter-Flaschen, für 123 Euro das Stück. Die „Harvest Edition“ soll ein „Dankeschön an unsere Ernte“ darstellen. Sie ist auf 350 Flaschen limitiert und wird in neuer Amerikanischer Weißeiche, einem früheren Jack- Daniels-Fass und einem Ex-Oloroso- Fass gelagert. Die „Wonter Edition“ soll den Winter näherbringen, sie ist auf 720 Flaschen limitiert, wird in einem Ex-Oloroso-Fass gelagert und reift in Vermouth- und American-Oak-Fässern nach. Man verkauft hauptsächlich in Deutschland, wo es rund 160 Whiskyhersteller gebe. Der Marktanteil ist somit sehr klein. Wichtig sei, dass sich die Herkunft im Whisky widerspiegele. „Whisky aus dem Hudson Valley schmeckt ganz anders als aus Tennessee, Irland, Schottland oder jetzt eben von der Insel Föhr“, sagt Hinrichsen. Ihre Whiskys haben eine Note von Karamell, sind cremig, nussig und fruchtig. Teilweise schmecken sie leicht nach Feigen, Datteln und Beeren. Ins Ausland gehen nur wenige Flaschen, etwa in die USA. Die Exportquote von fünf Prozent wollen sie steigern. Der Artikel stammt aus „Jugend und Wirtschaft“ - ein Schulprojekt der FAZIT-Stiftung mit Unterstützung der Brost-Stiftung.