FAZ 04.02.2026
18:16 Uhr

Attacke auf Schaffner: Angriff auf uns alle


Die Bahn ist öffentlicher Raum, Bahnfahrer sind eine Gemeinschaft auf Zeit. Bahnmitarbeiter dienen oft als Prellbock. Jeder sollte sich vor sie stellen.

Attacke auf Schaffner: Angriff auf uns alle

Sie haben weder Waffen noch Blaulicht. Sie tragen keine Schutzwesten und sind in der Regel nicht gemeinsam auf Streife. Aber auch sie setzen im Sinne aller die Ordnung durch: die Schaffner, die „Zugbegleiter“, wie sie heute heißen. Sie sind viel mehr als das: Freund und Helfer, Ansprechpartner für Auskünfte, Kontrolleure. Und oft leider auch: Prellbock – für die Zustände bei der Deutschen Bahn, privaten Frust und Wichtigtuerei der Fahrgäste, die lautstark auf ihre Rechte pochen. Dabei lassen diese „Gäste“ nur allzu oft jegliche Umgangsform vermissen und übersehen, dass der Uniformträger vor ihnen – wie alle Ordnungshüter – in ihrem Auftrag unterwegs ist. Und auch wenn man in ihm eine wandelnde Beschwerdestelle der Bahn sieht. Respekt hat jeder verdient, und auch der Kunde, der sich als König sieht, hat sich an die Bedingungen zu halten, zu denen er eingestiegen ist. Schwarzfahren als Volkssport Während zunehmende Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte Debatten-Dauerbrenner sind, stehen die täglichen kleinen und großen, verbalen und körperlichen Attacken auf Mitarbeiter der Bahn womöglich deshalb im Schatten, weil sie Alltag geworden sind. Da auch Schwarzfahren zu einer Art Volkssport mutiert ist, gelten die Schaffner noch mehr als Buhmänner. Im Grunde müsste jeder Fahrgast sich buchstäblich hinter, neben und vor allem vor jeden stellen, der dafür sorgt, dass Bahnfahren bezahlbar, angenehm und sicher bleibt. Trittbrettfahren schadet allen. Der tödliche Angriff aus einer Gruppe heraus auf einen Mitarbeiter der öffentlichen Daseinsvorsorge, der seine Pflicht im Sinne aller tat, ist denn auch als Angriff auf alle zu werten. Den Preis werden auch alle zu zahlen haben. Mehr Sicherheit, mehr intelligente Systeme. Hoffentlich nicht weniger Menschen an den richtigen Stellen. Denn die Bahn und ihre Bahnhöfe sind öffentlicher Raum. Dieser ist letztlich nur so lebenswert und sicher, wie alle ihn behandeln. Bahnfahrer sind eine Gemeinschaft auf Zeit. Die Bluttat ist schrecklicher Anlass, sich zivilisatorischer Grundregeln zu vergewissern.