Zum ersten Mal seit dem vergangenen Juni haben Iran und die USA am Freitag in der omanischen Hauptstadt Muskat miteinander verhandelt. Allerdings saßen die Unterhändler beider Seiten in unterschiedlichen Räumen und kommunizierten laut Teheran nur indirekt über einen Vermittler miteinander. Der omanische Außenminister Badr bin Hamad Al-Busaidi trug Botschaften hin und her. Über die Inhalte der Gespräche wurde zunächst nichts bekannt. Greifbare Ergebnisse gab es scheinbar nicht zu verkünden. Irans Außenminister Abbas Araghchi teilte anschließend mit, man habe vereinbart, dass die Gespräche fortgesetzt werden sollten. Über Daten und Formate müsste noch entschieden werden. Araghchi sprach von einem „guten Start“ und einer „positiven Atmosphäre“. Er machte aber deutlich, dass Iran sich auf einen langwierigen Verhandlungsprozess einstelle. In künftigen Gesprächsrunden müsse man erst das gegenseitige Misstrauen überwinden und könne dann „einen Rahmen für Gespräche und Themen, die diskutiert werden sollen, vereinbaren“, sagte er im iranischen Staatsfernsehen. Auf amerikanischer Seite dürfte das Vermutungen bestärken, wonach es Teheran vor allem darum gehen könnte, Zeit zu gewinnen, um eine mögliche amerikanische Militäroperation zu verzögern. Auf Widerstand in Washington dürfte auch stoßen, dass Araghchi weiter darauf bestand, dass „das einzige Thema unserer Gespräche“ das iranische Atomprogramm sei. Nicht Teherans Raketenarsenal und die Unterstützung Irans für ausländische Milizen, wie Washington es fordert. Teheran ist irritiert von Militär in der US-Delegation Omans Außenminister Busaidi bestätigte, dass man anstrebe, die Gespräche „bald“ fortzusetzen. Aus der iranischen Delegation verlautete, dies könne schon in den kommenden Tagen der Fall sein. Busaidi äußerte, es sei sinnvoll gewesen, die Positionen beider Seiten zu klären und Potentiale für mögliche Fortschritte zu identifizieren. Die Erwartungen an das erste Treffen waren von Anfang an gering. Teheran gab als Ziel aus, zu eruieren, ob die Gegenseite es ernst meine und guten Willens sei. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio hatte gesagt: „Ich bin mir nicht sicher, ob man mit diesen Leuten einen Deal erreichen kann.“ Der amerikanischen Delegation gehörte neben dem Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, auch der Kommandeur des amerikanischen Zentralkommandos CENTCOM, Brad Cooper, an. Auf iranischer Seite rief das scheinbar Irritationen hervor. Irans Delegation wurde von Araghchi geleitet, der mit Witkoff regelmäßig über Kurznachrichten in Kontakt steht. Omans Außenminister machte schon nach der ersten von zwei Gesprächsrunden am Freitag deutlich, dass nicht mit raschen Ergebnissen zu rechnen sei. „Die Konsultationen konzentrierten sich darauf, geeignete Bedingungen für eine Wiederaufnahme diplomatischer und technischer Verhandlungen zu schaffen“, teilte er mit. Laut dem iranischen Staatsfernsehen wurden die Gespräche zwischenzeitlich unterbrochen, damit beide Seiten „ihre Hauptstädte konsultieren konnten“. Iran will nicht über Raketen reden Die Sprecherin des amerikanischen Präsidenten hatte zuvor gesagt, Donald Trump halte sich bereit für Rückmeldungen von Witkoff und Kushner. Zugleich erinnerte sie an die militärischen Optionen, die dem „Oberbefehlshaber des mächtigsten Militärs in der Geschichte der Welt“ zur Verfügung stünden. Passend dazu rief Washington abermals alle Amerikaner in Iran auf, das Land zu verlassen oder sich in eine sichere Umgebung zu begeben. Mutmaßlich geht es dabei vor allem um Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Auch Iran bemühte sich in den Stunden vor den Verhandlungen, Stärke zu demonstrieren. Dem in Washington verbreiteten Eindruck, das Regime sei so geschwächt, dass man es zu Zugeständnissen zwingen könne, sollte widersprochen werden. Die Revolutionsgarde veröffentlichte Bilder einer ballistischen Feststoffrakete vom Typ Khorramshahr-4 und teilte mit, Teheran habe mit deren Massenproduktion begonnen. Die Botschaft dahinter wurde gleich mitgeliefert: „Obwohl Iran an den Verhandlungstisch gekommen ist, ist es nicht bereit, seine militärische Macht aufzugeben.“ Das war als Absage an amerikanische Forderungen gedacht, Iran müsse die Menge und Reichweite seiner ballistischen Raketen beschränken. Vor dem Beginn der Gespräche schieb Araghchi auf der Plattform X: „Iran lässt sich mit offenen Augen und in ständiger Erinnerung an das vergangene Jahr auf Diplomatie ein.“ Das bezog sich auf die Tatsache, dass Israel Iran im Juni 2025 drei Tage vor einem geplanten Treffen zwischen Witkoff und Araghchi angegriffen hatte. Teheran wirft Amerika vor, Iran bewusst getäuscht und Israel so einen Überraschungseffekt ermöglicht zu haben. Bessent: „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.“ Auch mit einer Personalie unterstrich Teheran seine Verteidigungsbereitschaft: Der frühere Verteidigungsminister Ali Shamkhani wurde zum Sekretär des Verteidigungsrats ernannt. Der neu geschaffene Rat war eine Antwort auf den Zwölftagekrieg mit Israel. Shamkhani war in den vergangenen Tagen mit maximalistischen Positionen zu den Verhandlungen mit den USA aufgefallen. Er schien damit Araghchi in den Rücken zu fallen. Doch am Donnerstag verbreitete Shamkhani ein Bild der Geschlossenheit: Araghchi sei „ein talentierter und strategischer Verhandler, der das Vertrauen der höchsten Entscheidungsebenen sowie der militärischen und geheimdienstlichen Institutionen genießt.“ Begleitet wurde das Treffen in Oman von Sticheleien auf beiden Seiten. Als Araghchis Abflugort wurde Tabas statt Teheran angegeben. An dem Ort hatte Amerika 1980 vergeblich versucht, die Diplomaten zu befreien, die in der amerikanischen Botschaft als Geiseln gehalten wurden. Die Geiselkrise legte das Fundament für die jahrzehntelange Feindschaft mit der Islamischen Republik. Aus Washington kamen höhnische Signale. „Wir haben gesehen, wie die iranische Führung wie verrückt Geld außer Landes transferiert“, sagte Finanzminister Scott Bessent. „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.“ Rückendeckung erhielt Iran am Freitag von China: Peking werde Teheran gegen „einseitige Schikane“ verteidigen und dem Land helfen, seine „Souveränität, Sicherheit, nationale Würde und legitimen Rechte und Interessen zu wahren“, äußerte das chinesische Außenministerium.
