Hungrige Waldelefanten sind nicht zimperlich. Sie reißen jungen Bäumen die Rinde ab oder knicken sie zu Boden, um leichter an nahrhaftes Laub zu kommen. Weil die Elefanten aber mit Vorliebe Sprösslinge rasch wachsender Arten dezimieren, fördern sie dadurch Bäume mit dichtem, hartem Holz, die langsamer wachsen. Zum anderen leisten sie im Wald zuverlässige Transportdienste: Sie fressen reife Früchte, die von den Bäumen gefallen sind, und tragen die Samen so oft etliche Kilometer weit, bis sie sie mit ihrem Dung wieder loswerden. Manche Baumarten in Afrika haben anscheinend in einer Koevolution mit den Waldelefanten relativ große Früchte entwickelt, die kaum ein anderes Tier mitsamt den Samen verschlingen kann. Beim Afrikanischen Ebenholz, Diospyros crassiflora, messen die fleischigen Früchte im reifen Zustand gut zehn Zentimeter. Sie sind zwar gelbgrün und eher eiförmig, erinnern dennoch ein wenig an Kaki. Kein Wunder, gehört diese aus China stammende Frucht zur selben Gattung wie Afrikanisches Ebenholz. In den Ebenholzfrüchten stecken mehrere fünf Zentimeter große Samen, die viele Nährstoffe für den Keimling enthalten und ihm so einen Vorteil gegenüber Konkurrenten geben. Elefanten und große Samen – das war lange Zeit ein Erfolgsrezept für die Ebenholzbäume. Doch Baumarten, die auf den Elefantentransport angewiesen sind, kommen in Schwierigkeiten. Denn wie die Elefanten in Steppen und Savannen werden auch Waldelefanten von Wilderern getötet, die es auf das Elfenbein der Stoßzähne abgesehen haben. In den letzten drei Jahrzehnten hat die Zahl der Afrikanischen Waldelefanten laut der „International Union for Conservation of Nature“ (IUCN) um 86 Prozent abgenommen. Deshalb steht diese Spezies als „Critically Endangered“ auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Welche Folgen es für das Afrikanische Ebenholz hat, wenn die Waldelefanten verschwinden, hat ein Team um Vincent Deblauwe vom International Institute of Tropical Agriculture in Yaoundé und Matthew Scott Luskin von der University of California in Los Angeles untersucht. Gemeinsam mit Kollegen aus Belgien, Österreich und Portugal verglichen sie dafür vier Waldparzellen. Zwei liegen im „Dja Biosphere Reserve“ im Süden Kameruns, das noch immer eine, wenn auch mittlerweile arg geschrumpfte, Elefantenpopulation beherbergt. Eine weitere befindet sich in der Nähe und die letzte weiter entfernt. Alle vier sind von Holzfällern bisher weitgehend verschont geblieben, ihre Fauna wurde unterschiedlich stark dezimiert. Genetische Vielfalt des Ebenholzes nimmt ab Zunächst haben die Forscher auf jeweils vier Quadratkilometern alle Ebenholzbäume erfasst, die mindestens eine Höhe von 130 Zentimetern erreicht hatten. Dabei stellte sich heraus, dass weniger Ebenholz-Sprösslinge heranwachsen, wenn weniger Elefanten umherstreifen. Noch viel spärlicher ist der Nachwuchs dieser Baumart, wo seit Jahren gar keine Elefanten mehr leben. Wie Deblauwe und Kollegen in „Science Advances“ berichten, bestätigen auch genetische Analysen, wie sehr die Ebenholzbäume bei der Verbreitung ihrer Samen auf Elefanten angewiesen sind: Innerhalb des Schutzgebiets, wo sich heutzutage noch Waldelefanten tummeln, stammen 84 Prozent der Sprösslinge in den untersuchten Parzellen von Mutterbäumen, die außerhalb wachsen. Wo die Elefanten schon seit vielen Jahren ausgerottet sind, beträgt diese Quote nur 16 Prozent. Je jünger die Bäume, desto weniger Samen wurden von den Elefanten transportiert: Ebenholz-Sprösslinge, die über 50 Jahre alt sind, stehen im Durchschnitt fast 500 Meter weit vom Mutterbaum entfernt. Bei den jüngeren sind es dagegen durchschnittlich bloß 200 Meter. Denn die Samen mussten meistens auf einen Transport durch Elefanten verzichten und sich mit minder zuverlässigen Affen oder Nagetieren begnügen. Manche Tiere, die Ebenholzfrüchte fressen, sind dabei destruktiv. Emin-Riesenhamsterratten beispielsweise fressen die Samen sehr gerne. Aber anders als Nüsse, die Eichhörnchen oder Krähen verstecken, um sie zu fressen, haben Samen, die von Emin-Riesenhamsterratten gehortet werden, niemals die Chance, einen Sämling hervorzubringen. Die Vorratskammern dieser Nagetiere liegen nämlich so tief im Waldboden, dass dort selbst große Samen nicht erfolgreich keimen können. Wie Deblauwe und Kollegen mit Experimenten gezeigt haben, schützen die Dunghaufen von Elefanten die Ebenholzsamen hingegen vor hungrigen Mäulern. Frei herumliegende Samen wurden mehr als achtmal so häufig gefunden und gefressen wie die im Elefantendung verborgenen. Wo Waldelefanten ausgestorben sind, werden Ebenholzsamen somit nicht nur weniger weit im Wald verteilt. Auch ihre Chance, zu keimen, sinkt drastisch. Langfristig ist deshalb zu befürchten, dass Afrikanisches Ebenholz von einer gefährdeten zu einer vom Aussterben bedrohten Art hochgestuft werden muss. Schwarzes Holz für Griffbretter von Streichinstrumenten gefragt Derzeit ist das schwarze, harte Holz unter anderem für Musikinstrumente gefragt. Der Handel der auf Madagaskar heimischen Ebenholzarten ist durch die „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“ (CITES) bereits erheblich eingeschränkt. Schwarzsehen müssen Gitarren- und Geigenbauer aber trotzdem nicht. Ebenholz wird auch angepflanzt. Koordiniert durch das Congo Basin Institute (CBI) in Yaoundé startete zum Beispiel schon im Jahr 2016 „The Ebony Project“. Es verbindet wissenschaftliche Forschung, an der Vincent Deblauwe beteiligt ist, mit ländlicher Entwicklung und dem Engagement von Gemeinden in der Umgebung des „Dja Biosphere Reserve“. Im Jahr 2024 pflanzten diese lokalen Gemeinden 4700 Afrikanische Ebenholzbäume, die sie zuvor in Baumschulen aus Samen oder Stecklingen aufgezogen hatten. Im Jahr 2023 hatten sie sogar 8000 Ebenholzbäume gepflanzt. Ziel des Projekts ist eine Variante der Agroforstwirtschaft: Außer Ebenholz werden auch 15 andere, überwiegend einheimische Baumarten in Felder und Kakaoplantagen gesetzt. Die meisten dieser zusätzlichen Spezies sind Obstbäume. Sie sollen die Ernährung der Landbevölkerung verbessern und mit dem Verkauf der Produkte auch das Einkommen. Bis sich gepflanztes Afrikanisches Ebenholz zu Geld machen lässt, werden allerdings etliche Jahre ins Land gehen: Ebenholzbäume wachsen langsam. Im Kongobecken wachsen die Stämme nur durchschnittlich etwa 1,7 Millimeter pro Jahr. Selbst wenn sich die Wachstumsrate in der Agroforstwirtschaft beträchtlich steigert, bildet sich das begehrte schwarze Holz nur als Kernholz im Inneren eines Baumstamms. Der äußere Teil eines Ebenholzstamms besteht aus hellem, weichem, weniger wertvollem Splintholz.
