FAZ 07.01.2026
07:45 Uhr

Arrow 3-Stützpunkt: Bundeswehr scheitert mit Abschuss verdächtiger Drohnen


Über einem Bundeswehrstützpunkt in Sachsen-Anhalt gab es im Dezember einen Drohnenvorfall. Die Bundeswehr vermutet Ausspähung – doch war hilflos.

Arrow 3-Stützpunkt: Bundeswehr scheitert mit Abschuss verdächtiger Drohnen

Am Bundeswehrstandort Annaburg in Sachsen-Anhalt ist es zu einem gravierenden Sicherheitsvorfall gekommen. Wie aus einem Bericht der Bundeswehr hervorgeht, kreisten am 1. Dezember drei verdächtige Drohnen eines „unbekannten Typs“ in etwa 100 Metern Höhe über der Radaranlage eines neuen Waffensystems, das die Bundeswehr dort zwei Tage später offiziell einweihen wollte. Dies berichten WDR und NDR unter Berufung auf das Dokument. In Annaberg ist das Rakentenabwehrsystem Arrow 3 stationiert, das neben Deutschland nur Israel und die USA besitzen. Es soll anfliegende Raketen schon in großen Höhen zerstören, sogar außerhalb der Erdatmosphäre, also etwa auch Interkontinentalraketen aus Russland. Am 3. Dezember wurde das System feierlich in Betrieb genommen. Bis 2030 soll Arrow 3 in Deutschland voll einsatzbereit sein, mit zwei weiteren Standorten in Schleswig-Holstein und Bayern. Der internen Untersuchung der Bundeswehr zufolge wurden die Drohnen zunächst von einem technischen Detektionssystem der Bundeswehr entdeckt. „Umgehend wurde das Schnelle Reaktionselement (SRE) Heer aktiviert“, heißt es in dem Dokument. „Der mobile Einsatztrupp des SRE brachte die eigene Aufklärungsdrohne (…) zum Einsatz und konnte eine der Drohnen visuell sichten.“ Die Bundeswehr versuchte daraufhin, die Drohne mit einer speziellen Zieloptik abzuschießen, doch erfolglos. Die Drohnen folgen davon. Die Bundeswehr informierte die Feldjäger sowie den Militärischen Abschirmdienst. Da es sich bei den Überflügen am 1. Dezember um mehrere Drohnen gehandelt habe und das rund 3,6 Milliarden Euro teure Arrow-System ein sensibles „Hochwert-Waffensystem“ sei, sei „eine beabsichtigte Ausspähung wahrscheinlich“, so die Bewertung des Militärs. Laut Bericht handelt es sich zudem um den zweiten verdächtigen Drohnenüberflug über der Radaranlage in Annaburg. Über mögliche Tatverdächtige wird in dem Bericht nicht gemutmaßt.