Sie haben das Stadtbild von Basel radikal verändert. Die beiden Hochhäuser des Pharmakonzerns Roche am Ufer des Rheins überragen alle Gebäude der Stadt. Das Münster mit seinen zwei Türmen sowieso, aber auch Hochhäuser wie den Messeturm. Roche 1 ist 178 Meter hoch und war bei seiner Fertigstellung 2015 das höchste Hochhaus der Schweiz. Roche 2 löste ihn wenige Jahre später mit 205 Metern ab. Sie sind sichtbarer Ausdruck der Macht der Roche-Holding, des größten Pharmakonzerns der Welt. Das durchaus umstrittene Hochhauspaar, entworfenen von den Basler Architekten Herzog & de Meuron (HdM), kündet aber auch von der Bedeutung der zeitgenössischen Architektur in Basel. In kaum einer anderen mitteleuropäischen Stadt dieser Größe – Basel hat etwa 200.000 Einwohner – dürften sich so viele bemerkenswerte Bauten auf so kleinem Raum finden wie hier. Daran haben nicht zuletzt die „Local Heroes“ Jacques Herzog und Pierre de Meuron ihren Anteil. Die Architekten haben ihr 1978 gegründetes Studio seit den Neunzigerjahren nicht nur zu einem der großen internationalen Büros mit über 500 Mitarbeitern weltweit ausgebaut. Sie haben auch ihre Heimatstadt Basel geprägt. Ob man eine Messe besucht, ein Fußballspiel, ob man ins Museum geht, ins Konzert oder in die Bar, ob man schwimmen oder essen möchte: Früher oder später wird man ein Gebäude von Herzog & de Meuron betreten. Ein guter Ausgangspunkt, um die zeitgenössische Architektur in Basel zu entdecken, ist das Grandhotel Les Trois Rois. Nicht nur, weil Herzog & de Meuron einen der beiden Gebäudeflügel des Hotels am Großbasler Rheinufer gerade komplett neu gestaltet haben. Sondern auch, weil das familiengeführte Fünfsternehotel einer der Orte ist, an dem der Geist der Stadt unmittelbar zu spüren ist. Denn Basel ist nicht nur eine Stadt am Fluss, Basel ist eine Stadt im Fluss. Die weltoffene Metropole im Dreiländereck, drittgrößte Stadt der Schweiz, ist durchflossen von Energieströmen. Sie laden sie mit einer Dynamik auf, die gut ist fürs Business, für die Kultur, und damit letztlich auch für die Baukultur. Der offensichtliche Energiestrom ist der Rhein: seit jeher ein wichtiger Transportweg Richtung Norden. In Basel kreuzt er sich mit einer wichtigen Handelsroute über die Alpen, die einst über die heutige Mittlere Brücke verlief – in diesem Jahr feierte man 800. Brückengeburtstag. Immer in Bewegung Und an diesem neuralgischen Punkt, zwischen Fluss, Brücke und Altstadt, thront das Grandhotel Les Trois Rois. Wer in der südöstlichen Ecke des neuen Hotelrestaurants „Banks“ sitzt, hat alles im Blick: den Rhein, die Schiffe, die älteste Brücke der Stadt, die ewig quirlige Schifflände und natürlich die Roche-Türme. „Die Stadt war durch ihre Lage immer in Bewegung“, sagt Chrissie Muhr. „Es ist eine kulturell sehr reiche und sehr diverse Stadt. Und ein guter Nährboden für Architektur. Kultur ist hier der Motor der Gesellschaft“, so die Basler Architektin und Kuratorin. Muhr startete als künstlerische Leiterin die örtliche Architekturwoche und gehört zu den Initiatoren der Domushaus EG, eines Architekturzentrums in der Altstadt. Nach wichtigen Basler Architekturbüros gefragt, nennt sie neben HdM etwa Baubüro in situ, bekannt für zirkuläres Bauen, Buchner Bründler, die das Kunsthaus Baselland gebaut haben, oder Christ & Gantenbein, verantwortlich für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums. „In Basel kann man Spaziergänge machen, die einen erst zu Häusern aus dem Mittelalter führen, und dann zu richtungsweisenden Bauten von heute, die mit wiederverwendeten Bauteilen errichtet sind.“ Das Les Trois Rois vereint beides, Historie und Gegenwart: Erstmals 1681 erwähnt als Herberge „Drei Könige“, ist es bis heute das erste Haus am Platz. Das nobel-schlichte Haupthaus wurde 1844 nach Plänen des Architekten Amadeus Merian erbaut. Die Zimmer und Suiten sind in einem an den französischen Neoklassizismus angelehnten Stil eingerichtet: mit Antiquitäten, Stuck, Blattgold, schweren Vorhängen, Teppichen und weißem Marmor im Bad. Es hängt viel Kunst im Haus, und in der Bar lodert ein Feuer im Kamin. Das ästhetische Kontrastprogramm dazu läuft jetzt im Annex: ein neobarockes Bankgebäude von 1902, das direkt an das Haupthaus angrenzt und seit 2004 zum Hotel gehört. Herzog & de Meuron haben es seit 2023 im Inneren denkmalgerecht umgebaut und luxuriös-zeitgenössisch eingerichtet. Aus dem Ballsaal im Erdgeschoss wurde das „Banks“-Restaurant, in den Geschossen darüber folgen Bankettsäle, die 240 Quadratmeter große „Les Rois“-Suite, Juniorsuiten, Doppelzimmer und unter dem offenen Dachstuhl ein Spa aus Holz im Stil eines japanischen Ryokan. Zeitgenössische Opulenz Ebenfalls neu: die Zigarrenlounge an der Schnittstelle zwischen beiden Gebäudeteilen. Der Korridor zu den Juniorsuiten ist ganz in roten Samt gehüllt, jede Tür von einer mundgeblasenen Leuchte erhellt. In den Zimmern ebenfalls viel roter Samt, dazu plüschige Polstermöbel, glänzend gestrichene Decken, wolkig polierte Edelstahlpaneele und – weißer Marmor im Bad. Vorhänge trennen die einzelnen Bereiche ab. „Vieles ist paradox oder auf Kontrast angelegt“, sagt Jacques Herzog. „Es ist auch nicht schön im Sinn von dem, was die meisten Menschen auf der Straße gerade schön finden. Das Interieur stellt sich bewusst gegen die gängigen ästhetischen Erwartungen.“ So erklärt der Mitgründer von Herzog & de Meuron das Einrichtungskonzept. Diese zeitgenössische Opulenz, die auf die Wirkung von Materialien und Farben setzt, auf gedämpften Glanz und eine heiter-groteske bis frivole Formensprache, kennen die Basler schon vom Konzerthaus Stadtcasino. Für dessen Erweiterung vor einigen Jahren realisierten HdM ein ästhetisch verwandtes Interieur. Auch wenn der fünfundsiebzigjährige Jacques Herzog gemeinsam mit dem gleichaltrigen Pierre de Meuron nach wie vor federführend bei vielen der HdM-Projekte ist: In nur wenige taucht er so tief ein, wie es beim Trois Rois der Fall war. Für ihn als geborenen Basler war das Hotel ein Herzensprojekt, er hat sich persönlich Gedanken gemacht über die Laufwege in den Zimmern, die Position der Betten (nicht am Fenster!) und das Tageslicht im Bad. Er hat Möbel und Leuchten entworfen, er hat sogar einen Teil der handgemachten Wandfliesen in der Zigarrenlounge selbst geformt. „Das Trois Rois ist für mich eigentlich das exklusivste Hotel, das ich kenne, weil es nicht Teil einer Hotelkette ist. Es fühlt sich an wie ein großes Privathaus. Bei den meisten anderen großen Fünfsternehotels ist die Exklusivität geteilt durch mehrere Häuser. Deshalb war es hier möglich, wirklich außergewöhnliche Dinge zu entwickeln“, so Herzog. Doch er hat bei der Gestaltung dieses Unikats nicht nur klein gedacht, ins Detail, sondern auch groß, im Gesamtzusammenhang der Stadt, an deren Entwicklung sein Büro seit fünfzig Jahren mitarbeitet und die es entscheidend geprägt hat. Anfang der Nullerjahre etwa legte HdM unter dem Titel „Vision Dreispitz“ eine Studie zu einem Entwicklungsgebiet im Süden der Stadt auf, wo sich mittlerweile auch ein Neubau mit ihrem Archiv befindet. Das Basler Rheinufer wiederum beschreibt Herzog als Kette, auf der sich die Epochen und Gebäude aufreihen. Diese Kette dehnt sich immer weiter aus, auch Richtung Frankreich und Deutschland. Und das Les Trois Rois sitzt wie ein Juwel mittendrin. Die Idee von der Kette von Orten übertrugen HdM auch in das Innere des Hotels, um die beiden Flügel besser miteinander zu verbinden. Im Erdgeschoss zieht sich ein Korridor von einem Ende, von der Brasserie und dem Dreisternerestaurant „Cheval Blanc“ im Haupthaus, bis zu anderem Ende, zum „Banks“ im Annex, in der Mitte der Eingang mit der Lobby. „Das Erdgeschoss ist jetzt wie ein Boulevard“, sagt Herzog. „Es war sehr wichtig, dass dieser ganze Boulevard auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, für das urbane Leben.“ Auch Chrissie Muhr kommt gern ins Trois Rois, vor allem im Sommer. Sie wohnt in der Nähe, in einem frühen Wohnungsbau von Herzog de Meuron. Sie schätzt die Atmosphäre, selbst um internationale Prominenz mache man hier kein Aufhebens. „Keiner wird angestarrt, niemand würde eine Person anquatschen oder um ein Autogramm bitten. Im Hotel herrscht Understatement, und gleichzeitig ist es ganz entspannt“, so Muhr. Während Basel also dynamisch weiterwächst, thront mittendrin über dem Rhein seit bald 200 Jahren ein Grandhotel, grüßt rüber zu den gernegroßen Roche-Türmen und bleibt sich treu. Weitere Informationen unter: www.lestroisrois.com
