FAZ 08.01.2026
10:17 Uhr

Arbeit im Gesundheitsamt: Medizin studieren ohne Numerus clausus


Wer in einem Gesundheitsamt oder als Landarzt arbeiten möchte, kann in Hessen auch ohne Bestnote im Abitur Medizin studieren. Dabei zählen die persönliche und fachliche Eignung.

Arbeit im Gesundheitsamt: Medizin studieren ohne Numerus clausus

Wer gerne Medizin studieren möchte, aber im Abiturzeugnis nicht den erforderlichen Numerus clausus von 1,0 erreicht, hat in Hessen noch eine andere Möglichkeit. Es werden Studienplätze für angehende Landärzte und Mediziner im Öffentlichen Gesundheitsdienst freigehalten, für die anstelle der Note die persönliche und fachliche Eignung ausschlaggebend ist. Eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit für zehn Jahre ist allerdings Voraussetzung. Der Öffentliche Gesundheitsdienst kümmert sich ebenso um den einzelnen Patienten wie um die Gesundheit der Bevölkerung als Ganzes. Die hessischen Universitäten bieten dafür im Medizinstudium ein spezielles Programm an, ein sogenanntes Schwerpunktcurriculum. Rund 15 Studienplätze pro Jahr werden an Interessierte vergeben, die sich verpflichten, später zehn Jahre meist in Gesundheitsämtern zu arbeiten. Vielfältige Arbeit im Gesundheitsamt Im Öffentlichen Gesundheitsdienst stoßen die jungen Mediziner auf ein breites Feld an Themen und Tätigkeiten: Neben dem Infektionsschutz, der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und der psychischen Gesundheit sind es ärztliche Beratungen, Begutachtungen und Bescheinigungen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst beschäftigt sich mit Prävention und Gesundheitsförderung und berät auch, wie sich Städte an den Klimawandel anpassen können. Sprechstunden für mittellose und nicht krankenversicherte Menschen, für Schwangere und Eltern in besonders schwierigen Lebenssituationen werden ebenso angeboten wie reisemedizinische Beratungen. Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen seien Allrounder, so Jon Genuneit, der an der Goethe-Universität seit September Hessens erste Professur für Öffentliches Gesundheitswesen innehat und am Fachbereich Medizin das neue Institut für Öffentliches Gesundheitswesen leitet. „Dafür bereiten wir an den Universitäten Marburg, Gießen und Frankfurt die Medizinstudierenden vom ersten bis zum letzten Semester mit einem fachlichen Schwerpunktcurriculum vor.“ Dieses Programm umfasst regelmäßige Treffen mit Mentoren, die den Studenten helfen, die Herausforderungen des Studiums zu meistern, etwa bei Zeitmanagement, Stressbewältigung und Professionalisierung. Die theoretischen Grundlagen werden in einer Seminarreihe vermittelt, die praktische Arbeit lernen die angehenden Ärzte durch Hospitationen in Gesundheitsämtern kennen, die in Zukunft in ganz Hessen möglich sein sollen. „Unser Schwerpunktcurriculum ist in dieser strukturierten Form bundesweit einzigartig“, sagt Genuneit. Es sei ein maßgeschneidertes Lehrangebot, das die angehenden Ärzte gezielt auf die spätere Arbeit im Gesundheitsamt vorbereite. Die Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst wie auch die Landarztquote wurde durch das Land Hessen für das Wintersemester 2022/2023 eingeführt. Das Bewerbungsverfahren wird durch das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege gesteuert, Bewerbungen sind vom 1. bis 28. Februar 2026 möglich. Weitere Informationen auf https://hlfgp.hessen.de/medizin-studieren.