Der spanische Sänger Julio Iglesias hat sein Schweigen gebrochen. In einer in sozialen Medien verbreiteten Erklärung weist er die schweren Missbrauchsvorwürfe von zwei früheren Angestellten zurück. Der 82 Jahre alte Sänger äußert sein „tiefes Bedauern“ und sagt, er habe „keine Frau missbraucht, genötigt oder respektlos behandelt“. Er bezeichnet die Anschuldigungen als „absolut falsch“ und fügte hinzu: „Ich habe noch nie so viel Bosheit gespürt, aber ich habe noch die Kraft, damit die Menschen die ganze Wahrheit erfahren.“ Die beiden ehemaligen Hausangestellten hatten in ihren Anzeigen vor dem Obersten Strafgerichtshof in Madrid angegeben, sie hätten 2021 in zwei Villen des Sängers in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas ohne Vertrag gearbeitet und seien dabei sexuellen Übergriffen sowie restriktiven Kontrollen ausgesetzt gewesen. Die spanische Staatsanwaltschaft ermittelt Insgesamt werden Iglesias sechs Delikte vorgeworfen, zu denen sexuelle Nötigung, Menschenhandel sowie Körperverletzung zählen; diese sind mit mehrjährigen Freiheitsstrafen belegt. Iglesias habe über Mitarbeiter in der Karibik „immer junge Latinas mit einem ihm angenehmen Aussehen“ anstellen lassen, teilte die NGO Women’s Link Worldwide, die die Klagen unterstützt, der Zeitung „El País“ mit. Ihr Aussehen sei wichtiger als ihre beruflichen Qualifikationen gewesen. Die spanische Staatsanwaltschaft ermittelt und wird die beiden Frauen als geschützte Zeuginnen vernehmen. Mit seiner Verteidigung hat Iglesias einen der führenden Anwälte Spaniens beauftragt. José Antonio Choclán war selbst früher Richter am Obersten Strafgerichtshof. Zu seinen Klienten zählten laut Presseberichten der Fußballstar Cristiano Ronaldo, Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, die frühere Geliebte des Königs Juan Carlos, sowie Politiker. In seiner Erklärung bedankt sich Iglesias bei den „vielen, vielen lieben Menschen, die mir Botschaften der Zuneigung und Loyalität geschickt haben“. Unter ihnen waren auch der Vorsitzende der rechtspopulistischen Vox-Partei, Santiago Abascal, die konservative Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso und der Madrider Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida. In Spanien wächst der Druck, dem Sänger staatliche Auszeichnungen zu entziehen. Der 1943 in Madrid geborene Künstler wird nicht nur in Spanien verehrt. Mit mehr als 300 Millionen verkauften Alben in 14 Sprachen wurde er zum Weltstar.
