FAZ 25.01.2026
18:54 Uhr

Anwältin in Pakistan: 17 Jahre Haft für ein paar Beiträge auf „X“


Die wohl bekannteste Menschenrechtsanwältin Pakistans, Imaan Mazari, hat sich auf X mit dem Militär angelegt. Nun wurden sie und ihr Mann zu drakonischen Haftstrafen verurteilt.

Anwältin in Pakistan: 17 Jahre Haft für ein paar Beiträge auf „X“

Noch kurz vor ihrer Verurteilung zeigte Imaan Mazari sich unbeugsam. „Wir boykottieren das Gerichtsverfahren“, sagte die wohl bekannteste Menschenrechtsanwältin Pakistans am Samstag zu einem Richter in Islamabad. Danach verurteilte er sie in drei Anklagepunkten zu jeweils mehrjährigen Haftstrafen. Zusammengenommen wären das 17 Jahre Haft. Dieselbe Strafe gilt für ihren Ehemann Hadi Ali Chattha, der ebenfalls Anwalt ist. Beide wurden der „Glorifizierung einer Straftat“, des „Cyberterrorismus“ und der Verbreitung von Falschinformationen schuldig gesprochen. Konkret geht es um mehrere Beiträge, die Mazari auf der Plattform X veröffentlicht und ihr Mann weiterverbreitet hatte. In der Urteilsbegründung ist von „antistaatlichen“ Inhalten die Rede. Gemeint ist vor allem Mazaris Engagement gegen die staatliche Repression in der Provinz Belutschistan. So hatte sich die 32 Jahre alte Anwältin für die Freilassung der Aktivistin Mahrang Baloch eingesetzt. Die studierte Ärztin ist Anführerin einer Protestbewegung von Angehörigen verschwundener und ermordeter Belutschen und befindet sich seit März 2025 im Gefängnis. Mazari schrieb dazu auf der Plattform X: „Indem Dr. Mahrang dafür bestraft wird, dass sie sich entschieden hat, ihre Stimme anstelle von Waffen einzusetzen, werden Jugendliche in Belutschistan noch eher zur Gewalt ermutigt.“ Seit Jahrzehnten bekämpft der pakistanische Staat bewaffnete Separatisten im ressourcenreichen Belutschistan. Dabei werden auch friedliche Aktivisten mit Härte verfolgt. Mazari ließ sich nicht einschüchtern Vor ein paar Monaten hatte Mazari selbst eine deutliche Warnung erhalten. „Da du Dr. Mahrang so sehr magst, werden wir dich behandeln wie Dr. Mahrang.“ So habe man es ihr übermittelt, erzählte die Anwältin neulich in einem Interview. Mazari ließ sich davon nicht einschüchtern. „Es ist wirklich lustig“, sagte sie in dem Interview. In ihren Beiträgen stehe nichts anderes als in den Büchern pensionierter Militärs und des früheren Präsidenten Pervez Musharraf. „Wer auch immer den Staat beraten hat, diese Verfahren voranzutreiben, sie waren sehr schlecht durchdacht.“ Menschenrechtler und Oppositionspolitiker übten scharfe Kritik an dem Urteil. Unter anderem stellten sie die Zuständigkeit des Richters infrage. Mazari und Chattha waren am Freitag unter fragwürdigen Bedingungen auf dem Weg zu einem anderen Gericht von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Der Urteilsverkündung am Samstag wurden sie nur per Video zugeschaltet. Mazari ist bekannt dafür, Mandanten in politisch sensiblen Fällen zu vertreten. Gemeinsam mit ihrem Mann verteidigte sie zum Beispiel Dutzende Opfer einer politisch gut vernetzten Erpresserbande, die junge Männer mit dem Vorwurf der Gotteslästerung zu Geldzahlungen zwang. Die Tochter einer früheren Ministerin für Menschenrechte schreckt nicht davor zurück, sich mit Pakistans Militär anzulegen, das seinen Machtanspruch seit Monaten immer unverblümter zur Schau stellt.