FAZ 28.09.2026
15:22 Uhr

Anti-Terror-Einsatz: Eine britische Bäuerin verhinderte Schlimmeres


Spezialeinheiten suchen nach dem Motiv hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch auf einen britischen Luftwaffenstützpunkt. Vereitelt wurde der nur dank einer aufmerksamen Anwohnerin.

Anti-Terror-Einsatz: Eine britische Bäuerin verhinderte Schlimmeres

Am Tag nach dem mutmaßlichen vereitelten Terroranschlag auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford in Gloucestershire behält die britische Anti-Terror-Polizei ihre Absperrungen bei. Auch die Bewohner der 80 evakuierten Häuser in einem angrenzenden Dorf, die die Nacht in anderen Unterkünften verbrachten, durften am Morgen noch nicht in ihre Behausungen zurückkehren. Am Sonntag hatten Polizisten gegen ein Uhr morgens fünf maskierte Personen in der Nähe des Fliegerhorstes festgenommen, die mit drei weißen Lieferwagen dorthin angereist waren. Bei den Männern handelt es sich nach Behördenangaben um britische Staatsbürger zwischen 23 und 25 Jahren, die in London leben. Später übernahm die Anti-Terror-Einheit der britischen Sicherheitskräfte die Ermittlungen. Die fünf Festgenommenen bleiben wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat und wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz in Haft. Basis für Angriffe gegen Iran Während der britische Premierminister Andrew Burnham bat, man möge nicht über Motive und Ausmaß des mutmaßlichen Anschlags spekulieren, „solange die Behörden die Fakten zusammentragen“, beteuerte der amerikanische Präsident Donald Trump, die Festgenommenen hätten „großen Schaden an unserem Stützpunkt anrichten“ wollen. Der Royal-Air-Force-Fliegerhorst Fairford wird auch von den amerikanischen Streitkräften genutzt. Er dient gegenwärtig unter anderem amerikanischen Langstreckenbombern als Basis, die von dort aus Einsätze gegen Ziele in Iran fliegen. Trump hatte in seinen Äußerungen auch angegeben, man habe die Verdächtigen schon lange im Blick gehabt. Am Sonntag meldete sich eine Bäuerin aus der Ortschaft am Stützpunkt zu Wort, die angab, sie habe in der Nacht zum Sonntag die merkwürdigen Aktivitäten der maskierten Männer bemerkt und per Notruf die Polizei alarmiert. Die Zeugin sagte dem Sender BBC, offenbar habe „irgendjemand nicht aufgepasst“, sodass die Männer mit den drei Lieferwagen sich so nah an dem Wohngebiet neben dem Stützpunkt hätten aufhalten können. Die Sicherheitskräfte seien zwar „total fokussiert und aufmerksam“, was den Schutz des Militärgeländes angehe, hätten aber das angrenzende Dorf offenbar gar nicht im Blick gehabt. Die örtlichen Polizeibehörden bestätigten am Montag, dass sie nachts einen Notruf erhalten und daraufhin den Einsatz am Stützpunkt ausgelöst hätten. Die Bäuerin sagte, „es sollte nicht von jemandem wie mir abhängen, dass der Stützpunkt merkt, dass hier drei große verdächtige Lieferwagen und eine Gruppe maskierter Männer unterwegs sind“. Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen Der britische Verteidigungsminister Wesley Streeting dankte der Zeugin am Montag „für ihre Wachsamkeit“. Sie habe genau das getan, was man sich von einem Mitglied der Bevölkerung in einer solchen Situation erhoffe. Gleichzeitig schränkte er die Mutmaßung ein, allein die Aufmerksamkeit der Anwohnerin habe die Polizei auf den Vorfall hingewiesen. Streeting sagte, sie habe „naturgemäß nur eine teilweise Sicht“ der Vorgänge gehabt. „Wir können stolz sein auf die Arbeit unserer Polizei und Anti-Terror-Kräfte“. Offenkundig hatten die Sicherheitskräfte mit einem Anschlag auf den Fliegerhorst gerechnet. Wie die Zeitung „Daily Telegraph“ berichtete, wurden in den vergangenen Tagen die Sicherheitsvorkehrungen im und am Stützpunkt verstärkt, unter anderem durch gepanzerte Fahrzeuge an den Eingängen. Die Mutmaßungen über mögliche Urheber und Auftraggeber richten sich in erster Linie auf den iranischen Geheimdienst. Dieser wurde in den vergangenen Monaten schon für mehrere Terrorattacken verantwortlich gemacht, die meist gegen Juden und jüdische Einrichtungen in England verübt wurden. Auch über eine russische Urheberschaft wird spekuliert. Der britische Verteidigungsminister gab an, die Polizei müsse nun „Zeit und Raum“ für ihre Ermittlungen haben, weitere Details der Vorgänge würden so schnell wie möglich veröffentlicht.