FAZ 04.03.2026
11:29 Uhr

Anschlagsserie in Hessen: Mutmaßlicher Organisator in den Niederlanden verhaftet


Nach einer Serie von Sprengstoffanschlägen im vergangenen Sommer wird ein Mann in den Niederlanden festgenommen. Für die Taten in Frankfurt und Taunusstein soll er Jugendliche rekrutiert und angeleitet haben.

Anschlagsserie in Hessen: Mutmaßlicher Organisator in den Niederlanden verhaftet

Im Zusammenhang mit einer Serie von Sprengstoffexplosionen im Rhein-Main-Gebiet hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag einen Mann in Amsterdam festnehmen lassen. Nach Angaben der Behörde soll er die Taten maßgeblich organisiert haben. Insgesamt gingen die Ermittler gegen fünf Tatverdächtige in den Niederlanden vor. Es handele sich dabei um eine Frau und vier Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren. Sie sollen an zwei Taten im Sommer 2025 in Frankfurt und einer in Taunusstein beteiligt gewesen sein. Die Strafverfolger gehen davon aus, dass der 20 Jahre alte Hauptverdächtige maßgeblich an den Taten am Ende Juli und Anfang August in Taunusstein und Frankfurt beteiligt war. Er soll die beiden 15 und 18 Jahre alten mutmaßlichen Täter zuvor in den Niederlanden rekrutiert, beim Bombenbau angeleitet und nach Deutschland gefahren haben. Zudem soll er die Anschläge von Deutschland aus überwacht und geführt haben. Gegen ihn wurde ein Europäischer Haftbefehl erwirkt. Die Staatsanwaltschaft hat daneben um seine Auslieferung nach Deutschland ersucht. Außerdem durchsuchten die Einsatzkräfte die Wohnungen sowie Fahrzeuge aller fünf Tatverdächtigen. Bei dem Zwanzigjährigen seien dabei zwei Schusswaffen und Munition gefunden worden, bei den anderen mehrere Datenträger und „rauschgiftverdächtige Substanzen“. Für die Taten in Frankfurt, bei der ein Café im Stadtteil Bockenheim das Ziel war, muss sich von Freitag an ein Fünfzehnjähriger vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Ihm werden die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, besonders schwere Brandstiftung und versuchter Mord vorgeworfen. Bei den Taten in Taunusstein war ein Wohnhaus betroffen. Am Landgericht Wiesbaden läuft aktuell ein Prozess gegen einen 18 Jahre alten Angeklagten. Die Taten sind dem Phänomen „Violence-as-a-Service“ zuzuordnen, wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilt. Dabei würden Jugendliche vornehmlich aus den Niederlanden von Akteuren der Organisierten Kriminalität angeworben und dafür bezahlt, schwere Straftaten zu verüben. Der jüngste Tatbeteiligte in diesem Gesamtkomplex sei erst 13 Jahre alt und könne deswegen nicht als Beschuldigter geführt werden. In Nordrhein-Westfalen werden ähnliche Taten der sogenannten Mocro-Mafia zugeordnet, die vor allem im Rauschgiftmilieu aktiv ist. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden dienen Sprengsätze unter anderem als „Warnung“.