FAZ 17.12.2025
02:59 Uhr

Anschlag in Australien: Erstes Terroropfer von Sydney beerdigt


Rabbi Eli Schlanger hinterlässt fünf Kinder, darunter ein Neugeborenes. Derweil soll der Attentäter von Sydney erstmals vernommen werden.

Anschlag in Australien: Erstes Terroropfer von Sydney beerdigt
Kämpft in New York für das freie Internet, hat aber Mitstreiter verloren: Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger. (Foto: Johannes Simon)

Drei Tage nach dem Terrorangriff auf ein jüdisches Fest in Sydney ist das erste der insgesamt 15 Todesopfer beerdigt worden. In den Morgenstunden wurde die Trauerfeier von Rabbi Eli Schlanger im jüdischen Gemeindezentrum Chabad of Bondi abgehalten – nur rund einen Kilometer vom Ort des Anschlags am berühmten Bondi Beach entfernt. Der 41-Jährige war laut Medienberichten Vater von fünf Kindern, darunter ein Neugeborenes. Zu seiner Trauerfeier kamen dem Vernehmen nach viele politische Gäste, darunter der ehemalige Premierminister Scott Morrison. Die Ermittler wollen heute den einzigen überlebenden Attentäter verhören. Der von Sicherheitskräften angeschossene Terrorist Naveed Akram erwachte gestern aus dem Koma. Die Ermittler hoffen, dass der 24-Jährige aussagen wird und neue Erkenntnisse zu den Hintergründen des Anschlags mit 15 Todesopfern liefert. Akram und sein Vater hatten während des jüdischen Lichterfests Chanukka am Sonntag das Feuer auf die feiernde Menge am Strand eröffnet. Sie töteten 15 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Der 50 Jahre alte Vater wurde von der Polizei am Tatort erschossen, sein Sohn festgenommen und mit lebensgefährlichen Schusswunden ins Krankenhaus gebracht.Auch drei Tage nach dem Anschlag werden noch immer 21 Verletzte im Krankenhaus behandelt. Fünf von ihnen befanden sich zuletzt (Stand Mittwochmittag Ortszeit) in kritischem Zustand, vier davon waren stabil, wie die Gesundheitsbehörden des Bundesstaats New South Wales bekanntgaben. Unklar blieb, ob der überlebende Attentäter dabei eingerechnet wurde. Attentäter war schon mal im Visier der Behörden Mittlerweile gilt es als gesichert, dass die Täter Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hatten. Im Auto des Sohnes wurden laut Behördenangaben mehrere Sprengsätze und zwei selbstgemachte IS-Flaggen gefunden. Nach Angaben von Premierminister Anthony Albanese hatte der australische Inlandsgeheimdienst den damaligen Teenager vor sechs Jahren wegen Verbindungen zu einer Terrorzelle des IS in Sydney überprüft. In australischen Medien wurde die Frage aufgeworfen, warum dem Vater 2023 eine Waffenlizenz erteilt wurde, obwohl der Sohn vorher ins Visier von Anti-Terror-Ermittlern geraten war. Abstimmung der Sicherheitsbehörden im Fokus „Wir müssen zurückschauen auf das, was 2019 geschehen ist, als man diesen Mann überprüft hat, welche Schlüsse damals gezogen wurden“, sagte Albanese dem Sender ABC Newsradio. Alles gehöre auf den Prüfstand, auch die Zusammenarbeit von Geheimdiensten, Sicherheitsbehörden und Polizei. Inzwischen ist bekannt, dass die beiden Attentäter kurz vor dem Anschlag für einen Monat auf den Philippinen waren, wo sie nach Recherchen australischer Medien auf der Insel Mindanao eine „militärähnliche Ausbildung“ erhielten. Der IS ist auf den Philippinen über lokale dschihadistische Gruppen aktiv. Nach Angaben der Einwanderungsbehörde in Manila stammt der Vater aus Indien und hatte seinen Wohnsitz in Australien, der Sohn wurde in Australien geboren.