FAZ 16.12.2025
14:18 Uhr

Anschlag in Australien: Die anderen Helden vom Bondi Beach


Fast jeder kennt Ahmed Al Ahmed, der einem Attentäter von Sydney das Gewehr entriss. Nun wurden weitere Fälle von Zivilcourage bekannt.

Anschlag in Australien: Die anderen Helden vom Bondi Beach

Nachdem die Geschichte des „Helden vom Bondi Beach“ um die Welt gegangen ist, berichtete die australische Presse am Dienstag von weiteren Fällen, in denen sich Menschen den Terroristen mutig in den Weg gestellt haben. Anders als im Falle des gebürtigen Syrers Ahmed Al Ahmed, der dem älteren der beiden Attentäter ein Gewehr aus der Hand riss, haben sie den Angriff auf eine jüdische Feier in Sydney jedoch nicht alle überlebt. Angesichts der Tragödie mit insgesamt 16 Toten und 42 Verletzten spenden die Heldengeschichten den Australiern derzeit aber Trost. „Wir sind ein mutiges Land“, sagte Regierungschef Anthony Albanese, nachdem er am Dienstag Ahmed Al Ahmed im Krankenhaus besucht hatte. Besonders bewegte die Australier zwei Tage nach dem Attentat der Einsatz des russisch-jüdischen Paars Boris und Sofia Gurman, das versucht hatte, einen der Angreifer gleich zu Beginn der Attacke zu stoppen. Aufnahmen von einer Armaturenbrettkamera zeigten das Auto der Terroristen, auf dessen Frontscheibe eine schwarze Flagge des „Islamischen Staats“ befestigt war. Der Angreifer taumelt, dann eröffnet er das Feuer Es ist zu sehen, wie ein Mann in einem violetten Hemd, es ist den Berichten nach Boris Gurman, am Straßenrand mit dem älteren der beiden Täter kämpft und ihm ein Gewehr aus der Hand reißt. Derweil scheint die Frau, Sofia Gurman, ihm zu Hilfe eilen zu wollen. Der Angreifer taumelt etwas, holt dann aber eine weitere Waffe. Er erschießt das Ehepaar aus der Nähe. Spätere Aufnahmen zeigten die beiden tot auf dem Gehweg liegend. „Wir sind untröstlich über den plötzlichen und sinnlosen Verlust unserer geliebten Boris und Sofia Gurman“, erklärte die Familie des Paars in einer Stellungnahme. Demnach hätten die beiden – er ein 69 Jahre alter Mechaniker in Rente, sie eine 61 Jahre alte Mitarbeiterin der Post – im Januar ihren 35. Hochzeitstag gefeiert. „Als Einwohner von Bondi lebten sie ein ehrliches, arbeitsames Leben und begegneten jedem, den sie trafen, mit Freundlichkeit, Herzlichkeit und Respekt“, so die Nachricht. Es mache den Schmerz nicht geringer, aber sie seien „überwältigt von Stolz auf ihre Tapferkeit und Selbstlosigkeit“, schrieb die Familie. „Das fasst zusammen, wer Boris und Sofia waren – Menschen, die instinktiv und selbstlos versuchten, anderen zu helfen.“ Einen Ziegelstein geworfen Ebenfalls unter den Todesopfern war der 61 Jahre alte Reuven Morrison. Er taucht zum Ende des Videos auf, das Ahmed Al Ahmeds Kampf mit dem älteren der beiden Terroristen zeigt. Man sieht ihn, wie er auf den Attentäter, der zu dem Zeitpunkt keine Waffe mehr hat, zuläuft und ihn mit einem Ziegelstein bewirft. „Er hat sich nicht geduckt. Er hat sich nicht versteckt. Er ist zur Tat geschritten. Um zu kämpfen“, berichtete Morrisons Tochter Sheina Gutnick dem australischen Sender ABC. Seine selbstlose Tat hätten es einer Frau und ihrem Baby ermöglicht, sich in Sicherheit zu bringen. Auf dem Video sieht man Morrison dann, wie er mit Al Ahmed hinter einem Baum Schutz sucht. Kurz danach wird er offenbar tödlich getroffen. Ihr Vater sei „seiner Frau, seiner Tochter, seinem Schwiegersohn und seinen lieben Enkelkindern entrissen worden“, sagte Gutnick. Ihr zufolge war er ein Mann, „der größer war als das Leben selbst“. Die Verstorbenen gehören nun in die australische Heldengalerie, wie auch der Rettungsschwimmer Jackson Doolan, der auf einem Instagram-Foto barfuß in Richtung des Tatorts rennt, um den Verletzten zu helfen. Oder eben wie Al Ahmed, den der Regierungschef Albanese nach seinem Besuch im Krankenhaus als „sehr bescheiden“ und einen „echten australischen Helden“ bezeichnete. „Er hat sich entschlossen einzugreifen, und sein Mut ist eine Inspiration für alle Australier“, sagte Albanese. Der Regierungschef traf auch die beiden „stolzen“ Eltern des Mannes, die aus Syrien zu Besuch sind. Den Berichten zufolge muss sich der 43 Jahre alte Besitzer eines Tabakladens weiteren Operationen unterziehen. Das Krankenhaus dürfte er als reicher Mann verlassen. Bei einer Onlinespendenaktion wurden mittlerweile umgerechnet etwa 1,25 Millionen Euro für Al Ahmed gesammelt.