FAZ 14.12.2025
13:18 Uhr

Anleihen: Angst vor den Staatsschulden


Der Anleihemarkt sendet ein Warnsignal aus. Wird es nicht gehört, droht Ungemach.

Anleihen: Angst vor den Staatsschulden

Es gibt Wertpapiere, von denen die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben dürften. Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit gehören dazu, was auch damit zu tun hat, dass vor allem Großinvestoren wie Versicherungen in die Papiere investieren, um damit langfristige Zahlungsversprechen abzusichern. All das klingt im besten Sinne langweilig und würde darum auch rechtfertigen, warum die meisten Bundesbürger die Papiere bislang getrost ignorieren konnten. Zuletzt allerdings ist der Markt für Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit so stark in Bewegung geraten wie lange nicht mehr. Die Rendite von Bundesanleihen mit Fälligkeit in 30 Jahren stieg in den vergangenen Tagen auf rund 3,5 Prozent, das ist so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Anders ausgedrückt: Die Investoren sind nur dann bereit, der Bundesrepublik über diesen langen Zeitraum Geld zu leihen, wenn sie dafür deutlich höhere Zinsen erhalten als bisher. Das ist als Mahnung zu verstehen. Wenn die Staaten es mit dem Schuldenmachen übertreiben, könnte es eng werden, lautet die Botschaft der Investoren. Nicht ohne Grund taucht nun immer das Jahr 2011 als Vergleich auf. Es war das Jahr der Staatsanleihenkrise im Euroraum, in dem viele am Fortbestand der Währungsunion zweifelten. Von vergleichbarer Dramatik ist die aktuelle Situation zwar nicht, viele der damaligen Krisenstaaten stehen heute viel besser da. Beunruhigend ist allerdings etwas anderes. Die enormen Zinsanstiege betreffen in erster Linie Länder, die bislang zu den solidesten Schuldnern der Welt gehörten – Deutschland, die Vereinigten Staaten und mit Abstrichen auch Japan. Noch hätten die Politiker Zeit, einzulenken und die Verschuldung zu begrenzen. Es sieht allerdings nicht danach aus. Soll nachher niemand sagen, die Anleiheanleger hätten sie nicht gewarnt.