„Wir werden niemals vergessen und niemals nachgeben“, erklärte der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth, als er am Samstag die amerikanischen Luftangriffe auf die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien kommentierte. Die neuen Bombardements waren Teil der Operation „Hawkeye Strike“, die im Dezember angelaufen ist – als Reaktion auf einen IS-Hinterhalt im syrischen Palmyra, bei dem IS-Kämpfer zwei amerikanische Soldaten und einen zivilen Dolmetscher getötet hatten. Auch die Führung in Damaskus hat den Druck auf die Dschihadisten zuletzt erhöht, nachdem die IS-Angriffe merklich zugenommen hatten. Der IS hat den Zusammenbruch des Assad-Regimes genutzt, um sich zu regenerieren. Die Fachpublikation „Syria in Transition“ schrieb im Mai von einer „diskreten“ Rückkehr. Die Dschihadisten hätten sich Waffen, Munition und Fahrzeuge aus verlassenen Waffenlagern des Regimes und der iranischen Revolutionswächter angeeignet. IS-Terroristen hätten aus ihren Rückzugsorten im Wüstenhinterland die Armenviertel großer Städte infiltriert. Geheimdienste hatten schon im Frühjahr vor der steigenden Gefahr durch Schläferzellen gewarnt, etwa in der syrischen Hauptstadt. Beobachter in Damaskus sagen, inzwischen könne der IS auch Zulauf von enttäuschten Islamisten erhalten, die mit dem pragmatischen Kurs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmad al-Scharaa – eines einstigen Dschihadistenführers – unzufrieden seien. Scharaa verbindet eine offene Feindschaft mit dem IS Scharaas Vergangenheit steht einer Zusammenarbeit mit Washington im Kampf gegen den IS indes nicht im Weg. Nach Einschätzung des amerikanischen Experten Charles Lister sind die amerikanischen Militärs sehr zufrieden mit der Kooperation. Es gibt immer wieder gemeinsame Operationen. Das gestürzte Assad-Regime hatte sich zwar als antiislamistisches Bollwerk dargestellt, pflegte aber ein eher strategisches Verhältnis zum IS. Scharaa, der lange unter dem Kampfnamen Abu Muhammad al-Golani agierte, hatte in seiner dschihadistischen Karriere mit Al-Qaida gebrochen. Mit dem IS verbindet ihn eine offene Feindschaft: Seine Islamistenallianz Hayat Tahrir al-Scham (HTS), die lange über die Nordwestprovinz Idlib herrschte, hatte den IS trotz gemeinsamer ideologischer Wurzeln als Rivalen aus dem eigenen Lager bekämpft. Mehrmals hatte der IS versucht, Scharaa zu ermorden. Schwierigkeiten im Antiterrorkampf der neuen Führung bereiten vor allem der Zustand der Sicherheitskräfte und die fortdauernde Instabilität. Schon unter Assad war der Sicherheitsapparat ausgezehrt und von Korruption zersetzt. Nach dem Sturz des Regimes wurden die alten Sicherheitskräfte und Geheimdienste aufgelöst. Auch wenn die Sicherheitskräfte immer wieder IS-Zellen ausheben: Der Neuaufbau braucht Zeit. Als eines der größten Probleme im Kampf gegen die Dschihadisten gilt der Konflikt zwischen Damaskus und den von kurdischen, PKK-treuen Kräften dominierten Syrian Democratic Forces (SDF), die weite Teile Nordostsyriens kontrollieren. Für Washington sind die SDF ein wichtiger Partner im Kampf gegen den IS. Sie bewachen außerdem Gefängnisse und Internierungslager, in denen IS-Häftlinge sowie Familien von IS-Kämpfern festgehalten werden. Die Dschihadisten profitieren von der Konfrontation zwischen ihren Gegnern und den Sicherheitsvakua, die daraus entstehen – etwa dort, wo von Damaskus kontrollierte Regionen an SDF-Gebiet grenzen. Am Sonntag endete in Aleppo eine bewaffnete Konfrontation zwischen SDF und Regierungstruppen. Nach tagelangen Gefechten zogen kurdische Kräfte in Zuge eines Waffenstillstands aus zwei umkämpften kurdisch dominierten Vierteln ab.
