FAZ 03.01.2026
13:52 Uhr

Angriff auf Venezuela: Jubel in Argentinien, Wut auf Kuba


In Lateinamerika schlagen die meisten Staaten nach der amerikanischen Attacke auf Venezuela gemäßigte Töne an. Das gilt selbst für Kolumbien.

Angriff auf Venezuela: Jubel in Argentinien, Wut auf Kuba

Der amerikanische Angriff auf Venezuela und die Entführung des von vielen westlichen Staaten nicht anerkannten Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores ist in Lateinamerika bislang nur vereinzelt auf massiven Protest gestoßen. Während der argentinische Staatspräsident Javier Milei die kriegerischen Akte als einen „Sieg der Freiheit“ bejubelte, verlangte der Präsident des Nachbarstaates Kolumbien, Gustavo Petro, in einer ersten Reaktion die Einhaltung der Prinzipien der internationalen Rechts, vor allem die Achtung der Souveränität und der territorialen Integrität Venezuelas. In einer ähnlichen Tonlage äußerten sich auch die Regierungen Mexikos und Brasiliens. Die schärfsten Reaktionen kamen erwartungsgemäß aus Kuba. Seine Regierung verurteile jeden einseitigen Einsatz militärischer Gewalt, der die Zivilbevölkerung in Gefahr bringen können, schrieb der Präsident des Nachbarstaates Kolumbien, Gustavo Petro, am frühen Morgen (Ortszeit) auf der Plattform X. Kolumbien sei dem Frieden in der Region verpflichtet und stehe als Vermittler jederzeit bereit. Maduro wird nicht erwähnt Den amerikanischen Präsidenten Trump, der ihn vor einigen Monaten mit Sanktionen belegt hatte, sprach Petro nicht direkt an, sondern verlangte Beratungen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Kolumbien ist seit dem 1. Januar für zwei Jahre Mitglied dieses Gremiums. Vergleichsweise gemäßigte Töne schlugen auch die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum und der scheidende chilenische Staatspräsident Gabriel Boric an. Beide Linkspolitiker verurteilten die „einseitigen Militäraktionen“ der Vereinigten Staaten in Venezuela und verlangten die Achtung des Völkerrechts. Sheinbaum erkannte in dem Angriff auf das Territorium Venezuelas eine klare Verletzung des Artikels 2 der Charta der Vereinten Nationen. Der Name Maduro oder gar die Sorge um sein Schicksal finden sich weder in der Erklärung aus Kolumbien, aus Mexiko oder der aus Chile. Die Venezuela-Krise müsse, so Boric, durch Dialog gelöst werden, nicht durch Gewalt und das Eingreifen fremder Mächte. Dringlichkeitssitzung in Brasília Der brasilianische Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva bezeichnete die Bombardierung venezolanischen Territoriums und die Gefangennahme Maduros ebenfalls als „inakzeptabel“. Das Vorgehen der Vereinigten Staaten verletzte die Souveränität des Landes in grober Weise und sei für alle Staaten ein äußerst schwerwiegendes Vorkommnis. Weiter war in verschiedenen sozialen Medien von Lula zu lesen, Amerika ebene einer Welt der Gewalt den Weg, in dem das Gesetz des Stärkeren gelte. Ihn selbst erinnere der Angriff auf Venezuela an die schlimmsten Momente der langen Geschichte der Einmischung der Vereinigten Staaten in die Politik in Lateinamerika und der Karibik. An der Staatengemeinschaftt liege es nun, durch die Vereinten Nationen „energisch zu antworten“. Nach einem Bericht der Zeitung „O Globo“ soll das Kabinett unter Staatspräsident Lula da Silva an diesem Samstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten, um die Ereignisse zu bewerten. Venezuela und Brasilien haben eine gemeinsame Grenze von etwa 2000 Kilometern Länge. Wie die spanische Zeitung El País vermerkt, haben Lula und Maduro erst vor wenigen Tagen miteinander telefoniert und damit eine fast eineinhalb Jahre währende Zeit ohne direkte Kontakte zwischen den beiden Staatsoberhäuptern beendet. Lula hatte Maduro nach den Fälschung der Präsidentenwahl im Juli 2024 wie die meisten anderen westlichen Staaten nicht mehr als rechtmäßiger Staatsoberhaupt Venezuelas betrachtet. Díaz-Canel: Staatsterrorismus Der kubanische Diktator Miguel Díaz-Canel, der wie sein Vorgänger Raúl Castro zu den engsten Verbündeten des venezolanischen Machthabers Nicolas Maduro und dessen Vorgänger Hugo Chávez zählt, verlangte eine sofortige Reaktion der Staatengemeinschaft. Díaz-Canel sprach von einem kriminellen Akt, von Staatsterrorismus und einer brutalen Verletzung des Friedens in der Region. Der „Widerstand“ des venezolanischen Volkes könne auf die Solidarität Kubas zähle, versicherte der Diktatur und bekräftigte seine Worte mit den Worten „Vaterland oder Tod“. Das Außenministerium des karibischen Inselstaates Trinidad und Tobago ließ derweil wissen, in den Angriff auf Venezuela nicht direkt verwickelt zu sein. In den vergangenen Wochen hatte der Staat der amerikanischen Marine logistische Unterstützung gewährt.