FAZ 02.03.2026
14:47 Uhr

Angriff auf Iran: Der Ölpreis schnellt in die Höhe


Folgen des Irankriegs spüren Verbraucher schon an der Tankstelle. Der Benzinpreis steigt auf mehr als 1,80 Euro. Auch Heizöl wird erheblich teurer. Wie geht das weiter?

Angriff auf Iran: Der Ölpreis schnellt in die Höhe

An den Tankstellen in Deutschland konnte man die Auswirkungen der Eskalation im Nahen Osten am Montag deutlich spüren. Im Berufsverkehr kosteten Super E10 und Diesel an vielen Tankstellen fast 1,90 Euro je Liter, die Premiumkraftstoffe zum Teil mehr als 2,25 Euro. Im Durchschnitt in ganz Deutschland lag nach Angaben des Autoclubs ADAC der Preis für Super E10 am Montag, 8 Uhr, etwa 1,5 Cent je Liter über dem Freitagspreis, der für Diesel rund 2,5 Cent. Ein ADAC-Sprecher warnte, da werde aber noch mehr kommen, die Kraftstoffpreise spiegelten den deutlich gestiegenen Rohölpreis noch nicht vollständig wider. In der Nacht zum Montag waren die Ölpreise um mehr als zehn Prozent gestiegen. Zeitweise kostete die Nordseeölsorte Brent 81,57 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate notierte auf 75 Dollar je Barrel. Brent erreichte damit in der Spitze den höchsten Stand seit Juli 2024, das US-Öl den höchsten Stand seit Juni 2025. Im weiteren Handelsverlauf gab es eine gewisse Gegenbewegung. Heizöl wird gut 20 Prozent teurer Auch der Preis für Heizöl legte deutlich zu. Nach Zahlen des Internetportals Heiz­oel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden, kosteten 100 Liter bei der Abnahme von 3000 Litern am Montag rund 120 Euro. Das war ein Preisanstieg gegenüber dem Freitag um mehr als 20 Prozent. Es war zudem der höchste Heizölpreis seit der Energiekrise 2022. Damit haben sich Öl und Kraftstoffe zwar auffällig stark verteuert, Befürchtungen, der Rohölpreis könnte auf mehr als 100 Dollar je Barrel steigen und der Benzinpreis könnte sich verdoppeln, haben sich zumindest für die erste Marktreaktion nicht bestätigt. Aber die Entwicklung muss noch nicht am Ende sein. Entscheidend sei nun die Dauer des Konflikts und ob und in welchem Umfang die Straße von Hormus, über die etwa 20 Prozent der globalen Ölmengen transportiert würden, wieder befahrbar werde, sagte Analyst Michael Hsueh von der Deutschen Bank. Höhere Ölpreise, ein zunehmender Druck auf Präsident Donald Trump in der Heimat sowie die Priorität der Golfstaaten, ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern, seien einige der Schlüsselelemente mit Blick auf eine mögliche Deeskalation. Die Organisation erdölexportierender Staaten und ihre Alliierten (OPEC plus) hatte am Wochenende versucht, mit der Ankündigung einer höheren Ölförderung die Ölpreisentwicklung in etwas kontrolliertere Bahnen zu lenken. Das Kartell meldete am Sonntag nach einem virtuellen Treffen, von April an 206.000 Barrel je Tag mehr Öl fördern zu wollen, ohne ausdrücklich einen Zusammenhang zum Irankonflikt herzustellen. Giovanni Staunovo, Ölanalyst der Schweizer Bank UBS, meinte, es sei sinnvoll gewesen, dass die Organisation keine stärkere Fördererhöhung angekündigt habe: „Bislang sind die Produktionsunterbrechungen limitiert, und es gibt viel Unsicherheit, wie sich die Situation weiterentwickelt.“ Das Ölkartell könne mit Beschlüssen über Videokonferenzen jederzeit reagieren, falls es zu Produktionsunterbrechungen kommen sollte, hob Staunovo hervor. Ähnliche Reaktion des Ölpreises wie im vorigen Jahr „Der Ölpreis hat auf die jüngste Eskalation im Nahen Osten ähnlich reagiert wie im Juni 2025, als Israel iranische Atomanlagen angegriffen hatte“, sagte Frank Schallenberger, Ölfachmann der Landesbank Baden-Württemberg. „Damals und auch jetzt ist Brent in den Bereich der Marke von 80 Dollar hochgeschnellt.“ Sollte die Straße von Hormus länger gesperrt werden, könnte Brent tatsächlich über die Marke von 100 Dollar klettern, meinte Schallenberger. „Allerdings halte ich eine längere Sperrung für wenig wahrscheinlich“, sagte der Analyst. Zum einen dürften die Vereinigten Staaten kein Interesse an dauerhaft höheren Energiepreisen haben und würden deshalb alles tun, um die Schifffahrtsroute frei zu halten. Zum anderen würde Iran wichtige Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien, den Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabische Emirate mit einer längeren Sperrung gegen sich aufbringen, die allesamt ihr Öl durch die Straße von Hormus leiteten. „Damit gäbe es also schon fünf wichtige Anrainer, die mit einer Sperrung durch den Iran ein größeres Problem hätten“, sagte Schallenberger: „Auch China als wichtiger Abnehmer des Öls aus dem Nahen Osten dürfte nicht erfreut sein über Störungen bei der Ölversorgung und höhere Preise – mit einer Sperrung würde der Iran also quasi die ganze Welt gegen sich aufbringen.“ Dass der Ölpreis derzeit nicht noch stärker reagiert habe, liege sicher an den gut gefüllten Öllagern und dem tendenziell hohen Überangebot am internationalen Ölmarkt, meinte Schallenberger: „Allein im Januar 2026 sind die globalen Öllagerbestände um rund 1,6 Millionen Barrel je Tag gestiegen – und das trotz des harten Winters und erweiterter Exportbeschränkungen gegen Russland und Venezuela.“ Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, führte die aus seiner Sicht „relativ moderate Reaktion“ des Ölpreises darauf zurück, dass an den Ölmärkten offenbar nicht mit einem langen Krieg gerechnet werde. Drei Szenarien für die weitere Ölpreisentwicklung Für die weitere Entwicklung sehe er drei Szenarien, sagte Cyrus de la Rubia, Ölfachmann der Hamburg Commercial Bank. Erstes Szenario: Trump habe angekündigt, dass der Krieg vier Wochen dauern könne. Sollte er tatsächlich vier Woche dauern und in dieser Zeit die Straße von Hormus blockiert sein, werde man die Engpässe am Ölmarkt deutlich spüren, und die Ölpreise könnten zwischenzeitlich auf deutlich mehr als 100 Dollar steigen, um dann nach dem Kriegsende auf weniger als 70 Dollar zu fallen. Zweites Szenario: Die Vier-Wochen-Aussage könne aber auch eine Drohung gegenüber Iran sein, dass man über diesen Zeitraum einen großen Teil der Ölinfrastruktur zerstöre. „Das heißt, es könnte sein, dass Trump eigentlich darauf hofft, dass der Iran neue Verhandlungen ansetzt und sich dabei tatsächlich zu dem Zugeständnis bereit erklärt, auf eine Anreicherung von Uran komplett zu verzichten, inklusive Kontrollen“, sagte de la Rubia. In diesem Fall sei der Krieg dann vielleicht schon in zwei Wochen wieder vorbei. Die Auswirkungen auf die Ölmärkte wären in dem Fall begrenzt. Drittes Szenario: Es sei auch möglich, dass Iran versuche, die Vereinigten Staaten so in den Krieg hineinzuziehen, dass dieser sich nicht nur Wochen, sondern sogar Monate hinziehe, sagte de la Rubia: „Wenn in dieser Zeit die Straße von Hormus nicht oder nur begrenzt befahrbar wäre, müsste man mit Ölpreisen von 90 bis 100 Dollar über mehrere Monate rechnen.“ Das hätte dann besonders weitgehende wirtschaftliche Folgen für die ganze Welt.