FAZ 12.12.2025
10:09 Uhr

Angela Merkel: „Mache Raute eigentlich nicht mehr“


Während ihrer Kanzlerschaft war es ihr Markenzeichen: die Raute. Nun hat Angela Merkel sich von ihr distanziert. „Es passt nicht mehr so richtig“, sagte sie während eines Gesprächs.

Angela Merkel: „Mache Raute eigentlich nicht mehr“

Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenem Bekunden inzwischen Abstand von ihrer typischen Geste mit aneinandergelegten Händen in Form einer Raute genommen. „Ich mache sie eigentlich nicht mehr“, sagte Merkel bei einer Veranstaltung des Magazins „Stern“ in Berlin. „Es passt nicht mehr so richtig.“ Sie erlebe aber immer mehr, dass Leute neben ihr die „Raute“ machten. „Da muss ich immer scharf gucken“, berichtete die 71-Jährige und fügte im Scherz hinzu: „Das ist dann sozusagen plagiatsverdächtig.“ „Bin Feministin, aber auf meine Art“ Merkel kritisierte in dem Gespräch auch die männliche Dominanz in der aktuellen Politik. „Wenn man so manche Koalitionsausschuss-Bilder sieht, dann freut man sich, dass es Bärbel Bas gibt“, sagte die 71-Jährige mit Blick auf die SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin im Gespräch mit „stern“-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz im Format „Stern Stunde“. Im Koalitionsausschuss ist Bas die einzige Frau unter anderem neben Kanzler Friedrich Merz (CDU) und ihrem Co-SPD-Chef Lars Klingbeil, der Vizekanzler und Bundesfinanzminister ist. Merkel verwies in dem Interview auf den Artikel 3 des Grundgesetzes, der die Gleichberechtigung von Mann und Frau festlegt. „Ohne Fördermaßnahmen setzt sich Artikel 3 Grundgesetz (...) nicht durch, nur weil wir in einer freiheitlichen Gesellschaft leben“, unterstrich die CDU-Politikerin, die von 2005 bis 2021 Regierungschefin war. Sie plädierte dafür, solche Maßnahmen zu ergreifen: „Es heißt oft, es gibt keine Frauen. Doch dann macht man es verbindlich und dann finden sich auf einmal doch jede Menge Frauen, die das prima machen“, erklärte Merkel. Die ehemalige Kanzlerin betonte zudem, sie sei „Feministin, aber auf meine Art“. Wenig begeistert von ChatGPT Persönlich interessiere sie sich, je älter sie werde, immer mehr für Geschichte, erzählte Merkel. Sie mache auch gern Reisen, etwa nach Florenz oder die von einem Vulkanausbruch zerstörte Stadt Pompeji bei Neapel. Getestet hat die Naturwissenschaftlerin auch Anwendungen mit künstlicher Intelligenz (KI) wie ChatGPT – mit gebremster Begeisterung. „Ich bin neugierig und gucke manchmal“, sagte Merkel. Aus den wenigen Versuchen wisse sie, „wie ich ChatGPT dazu bringen kann, mir das zu sagen, was ich hören will.“