FAZ 04.03.2026
07:57 Uhr

Amprion und die Kommunen: Dialog auf Augenhöhe


Der Abschnitt „Hessen 5“ der Stromtrasse Rhein-Main-Link ist fertig geplant. Weil der Netzbetreiber Amprion diesmal auf Kommunen und Anrainer hörte, entstand eine Lösung, mit der viele leben können.

Amprion und die Kommunen: Dialog auf Augenhöhe

Am Rhein-Main-Gebiet führt eigentlich kein Weg vorbei, das ist Fluch und Segen des Drehkreuzes. Hier laufen Autobahnen, Geldströme und Flugrouten zusammen und inzwischen auch die Datenleitungen. Und das braucht Strom, viel Strom, sowie Speicher. Um diesen Text zu schreiben, wurde auf die Infrastruktur dieser Leitungen und Speicher zurückgegriffen, und jeder, der ihn nicht auf Papier liest, tut das auch. Das Vorhaben, Windstrom von der Küste ins Landesinnere zu leiten, also dorthin, wo er gebraucht wird, ist also unbestritten nötig. Dass dafür Deutschland der Länge nach von Nord nach Süd aufgegraben wird, um die Leitungen in die Erde zu bringen, leider auch. Das damit betraute Unternehmen Amprion hat für die Stromautobahn Rhein-Main-Link nun die Aufgabe bewältigt, doch einen Weg zu finden, der westlich am Rhein-Main-Gebiet vorbeiführt. Leicht war das nicht, denn Flüsse, Infrastruktur, Schutzgebiete und seit Jahrtausenden in der Erde schlummernde Römervillen wollen umgangen oder untertunnelt werden. Eine Lösung, mit der nahezu alle leben können Das hat am Ende erstaunlich gut funktioniert. Schon frühzeitig hat Amprion Streckenvorschläge gemacht und ist damit an die Öffentlichkeit gegangen. Das führte in einigen Fällen zu Aufregung, etwa im Fall der Hochheimer Winzer, die um ihr Lebenswerk fürchteten. Sie taten sich zusammen, machten einen Gegenvorschlag, der keine Schneise der Verwüstung mitten durch die besten Lagen ziehen würde, und wurden erhört. Auch die Kommunen, auf deren Gemarkung die riesigen Konverterstationen entstehen werden, die Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln und die Umspannwerke andienen, traten in Verhandlungen ein. Die Projektplaner von Rhein-Main-Link nahmen die Einwände ernst, prüften und fanden eine Lösung, mit der nahezu alle gut leben können. Dass der Dialog auf Augenhöhe stattfand, ist leider keine Selbstverständlichkeit. Das kann man momentan bei einem anderen Amprion-Projekt erleben, nämlich der Ultranet-Trasse, die oberirdisch  verlaufen und vorwiegend bestehende Leitungsmasten nutzen soll. Viele Kommunen hatten Vorschläge gemacht, wie durch eine leichte Verschwenkung Anwohner und Natur geschont werden könnten. Alle Vorschläge wurden jedoch abgeblockt. Zusammen mit dem Verein Umweltschutz Taunus haben die Anrainerkommunen im Dezember eine Klage beim Verwaltungsgerichtshof in Leipzig eingereicht und nun die Begründung nachgeliefert. Gleichzeitig informierte Amprion, schon in diesem Monat mit dem Umbau der ersten Masten beginnen zu wollen. Dass die Fronten so verhärtet sind, dass man sich nur noch über Rechtsvertreter austauscht, sollte kein Umgang mit den Kommunen sein, auf deren Gemarkung man Projekte plant. Rhein-Main-Link zeigt schließlich, dass es besser geht.