FAZ 08.01.2026
19:49 Uhr

Amerika und die Welt: Trump kann alles, weil ihn alle lassen


Der amerikanische Präsident profitiert davon, dass seine Widersacher im Inland wie im Ausland geschwächt sind. Das muss aber nicht so bleiben.

Amerika und die Welt: Trump kann alles, weil ihn alle lassen

Trump hat ohne Zweifel einen (frühen) Höhepunkt seiner Präsidentschaft erreicht. Er beherrscht Innen- und Außenpolitik wie wenige seiner Vorgänger, kann nahezu ungebremst sein Programm abspulen. Jahrelange Aufsicht über Venezuela, Übernahme des dortigen Ölgeschäfts, Auflagen für die Rüstungsindustrie, Ausstieg aus internationalen Organisationen, Festsetzung von russischen Tankern, eine Verabredung mit dem unter Druck gesetzten kolumbianischen Präsidenten – so lauteten nur an einem Tag die Nachrichten über seine Machtdemons­trationen. So viel Aktivität haben andere US-Regierungen nicht in Wochen entfaltet. Trump gönnt niemandem eine Pause: sich nicht, seinem Land nicht, der Welt nicht. Putin steckt fest, Xi hat Probleme Dass er damit wieder und wieder durchkommt, liegt vor allem daran, dass alle seine Widersacher geschwächt sind. In seiner Partei haben die alten Bush-Republikaner nichts mehr zu sagen. Die Demokraten haben 2024 nicht eine gewöhnliche Wahlniederlage erlebt, sondern auch einen Zusammenbruch der langen weltanschaulichen Dominanz der Linken. Im Ausland sind ebenfalls alle (potentiellen) Gegenspieler Amerikas geschwächt: Putin steckt in der Ukraine fest, Xi Jinping hat wirtschaftliche Probleme. Verbündete wie die Europäer, deren Wort in Washington früher Gewicht hatte, haben sich durch Abrüstung und eine verfehlte Wirtschaftspolitik selbst aus dem Spiel genommen. Trump lebt in einer idealen Welt für einen Machtmenschen. Er verfügt über die Instrumente der immer noch stärksten Wirtschafts- und Militärmacht, und er hat keine Scheu, sie zu nutzen. Das alles muss aber nicht so bleiben. Zwei Dinge kann Trump nicht ändern. Das eine ist die amerikanische Gesellschaft, in der er derzeit keine Mehrheit hat und in der die Justiz und die Medien ihre Rolle immer noch ausfüllen. Und China bleibt strukturell ein starker Rivale, den er auch mit seinen Zöllen nicht grundsätzlich ausschalten konnte. Das Urteil über seine Präsidentschaft steht noch lange nicht fest.