Gegen den Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser wird wegen des Anfangsverdachts des Vortäuschens von Straftaten ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte der F.A.Z. auf Anfrage, dass sie solche Ermittlungen gegen einen in Wermelskirchen wohnhaften Mann aufgenommen hat. Laut Staatsanwaltschaft wird der Mann verdächtigt, Körperverletzungsdelikte zu seinem Nachteil vorgetäuscht und zuvor an ihn gerichtete Drohnachrichten selbst verfasst und abgesandt zu haben. Demnach haben Ermittler am 13. Februar die Wohnräume des Beschuldigten durchsucht und Beweismittel sichergestellt. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Ende Januar hatte der bisexuelle Amateur-Schiedsrichter Kaiser seinem Partner im Kölner Stadion öffentlich einen Antrag gemacht. Zwei Wochen später kursierte ein Bild von ihm mit geschwollenem Gesicht und blauem Auge, das ihn nach einem mutmaßlichen Angriff zeigen sollte. Sein damaliger Anwalt Moritz Lange erklärte der F.A.Z., Kaiser sei am Abend des 7. Februar vor seinem Haus attackiert worden, am Abend des 9. Februar habe es noch einen weiteren Angriff auf ihn gegeben. Gab es diese Attacken wirklich? Der Kölner Staatsschutz nahm nach dem ersten mutmaßlichen Angriff auf Kaiser Ermittlungen auf. In sozialen Medien reagierten Influencer, queere Gruppen und Politiker mit Solidaritätsbekundungen auf die mutmaßlichen Angriffe. Sogar die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, meldete sich zu Wort. Auch internationale Medien berichteten. „Das hat schon Kreise gezogen, die weitaus größer sind, als man sich das, glaube ich, jemals hätte vorstellen können, als dieser Antrag gestellt worden ist“, sagte Lange der F.A.Z in der vergangenen Woche. Vorwürfe gegen Kaiser: Schuldet er vielen Menschen Geld? Der Hintergrund der mutmaßlichen Angriffe blieb unklar. Anwalt Lange erhob Vorwürfe gegen eine Kölner Bar, in der Kaiser gearbeitet hatte. Ihm lägen Ausschnitte aus privaten Nachrichtenverläufen vor, die den Schluss zuließen, dass der Barbetreiber Kaisers Wohnadresse veröffentlicht und dazu aufgerufen habe, ihm „einen Besuch abzustatten“. Der Barbetreiber beschuldigt wiederum Kaiser, mehrere Tausend Euro unterschlagen zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch in diesem Fall. Der Anwalt des Barbetreibers, Oliver Strank, hatte die „potentiell erhebliche geschäfts- und rufschädigende Behauptung des Anwalts von Herrn Kaiser“ gegenüber der F.A.Z. als unzutreffend zurückgewiesen. „Mein Mandant hat weder die Wohnadresse von Herrn Kaiser öffentlich verbreitet noch dazu aufgerufen, ihm einen Besuch abzustatten“, sagte Strank. Die Belegschaft der Bar lebe selbst eine bunte Vielfalt offen aus und verurteile jede Form von Gewalt. Strank vertritt auch den Moderator Bernd Reisig, dem Kaiser ebenfalls Geld schulden soll, laut der „Süddeutschen Zeitung“ geht es um 3500 Euro. „Wie so viele Menschen, die von Herrn Kaiser in ihrem Vermögen geschädigt wurden, fordert mein Mandant lediglich, dass Herr Kaiser endlich die von ihm verursachten Schäden ausgleicht“, so Strank. Anwalt Lange sagte der F.A.Z., Kaiser habe von den angeblichen Ermittlungsverfahren „vollumfänglich keine Kenntnisse“. Vorwürfe, dass Kaiser mehr als 20 Personen Geld schulde, seien ihnen lediglich aus der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt. Pascal Kaiser hat den Anwalt gewechselt Inzwischen wird Kaiser von dem Rechtsanwalt Ramon Thal vertreten. Dieser äußerte sich auf Anfrage der F.A.Z. zunächst nicht zu dem Vorwurf, sein Mandant habe die Angriffe nur vorgetäuscht. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ teilte er mit, dass er zum jetzigen Zeitpunkt „keine Fragen zu dem mutmaßlichen Sachverhalt, zu etwaigen Erklärungen gegenüber Ermittlungsbehörden oder zu sonstigen Details beantwortet“. Aus einer „Nichtäußerung“ könnten jedoch „keinerlei Rückschlüsse gezogen werden“. Er bitte darum, bei der Berichterstattung Kaisers Privatsphäre zu respektieren und „von spekulativen Zuschreibungen abzusehen“. Der „Tagesspiegel“ berichtete unter Berufung auf ein Videotelefonat mit Kaiser, die Blessuren in seinem Gesicht seien echt, es sei allerdings unklar, woher sie stammten. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, sind Kaiser und sein Partner rechtsmedizinisch untersucht worden. Ein Gutachten solle klären, ob Kaiser sich selbst verletzt haben könnte oder ob sein Partner ihn geschlagen haben könnte, um Angriffe vorzutäuschen. Mit einem Ergebnis werde in der kommenden Woche gerechnet. Auf Nachfrage dazu äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht.
