Wenn jemand etwas nicht macht, dann ist das eigentlich keine Nachricht. Ein Politiker, der keinen Vorschlag macht, kommt nicht in die Zeitung, ein Stürmer, der das entscheidende Tor nicht macht, auch nicht unbedingt. Über etwas anderes, das nicht gemacht wird, berichten die Medien hingegen mit großem Eifer. Tag für Tag lesen wir davon, dass jemand kein Hehl aus etwas macht. Oder auch, je nach grammatischer Vorliebe, keinen Hehl. Keinen Hehl machten, neben vielen anderen, allein in den jüngsten Tagen: Uli Hoeneß aus seiner Abneigung gegen Spielerberater, J. D. Vance aus seiner Bewunderung für Viktor Orbán, Lars Klingbeil (trotzdem) aus seiner Verbundenheit mit den Vereinigten Staaten, der Großenhainer FV 90 daraus, dass er zurück in die Sachsenklasse will, und der Elektrowagen Kia EV5 aus seiner Verwandtschaft zum wuchtigen EV9. Würde man aber Menschen, vor allem jüngere, danach fragen, was das eigentlich ist, so ein Hehl: Sehr viele müssten passen. Doch woher sollten sie es auch wissen, wenn gar niemand mehr eins macht? Das (oder der) arme Hehl ist ein Sprachgeist, der stets verneint wird, ein Wortzombie, auf Ewigkeit dazu verdammt, in einer altertümlichen Redewendung mitgeschleift zu werden. Nicht mal dem Hehler wirft das Gesetz vor, ein Hehl zu machen, sondern Hehlerei. Dass man, hört man die Wendung nur oft genug, sich ihren Sinn zusammenreimt, hilft dem Hehl nicht weiter. Der Kinofilm „Das perfekte Geheimnis“ wäre nie zum Blockbuster geworden, hätte man ihn „Das – oder der – perfekte Hehl“ getauft. Lieber altehrwürdige Wörter als Anglizismen So sind jene, die sich ex negativo mit dem Hehl schmücken, fast ausschließlich Journalisten und andere Sprachschaffende (die sich auch gern mit Begriffen wie „ex negativo“ schmücken). Immerhin haben die Hehls viele Verwandte, sehr entfernte, sehr betagte Großonkel und -tanten, die immer mal wieder zu Besuch kommen, obschon man mit ihnen nur noch wenig anfangen kann. Ist das Schindluder, das bisweilen noch getrieben wird, eine zweifelhaft beleumundete weibliche Person, die andere quält, also eine Domina? Ist der Leumund wiederum das Löwenmaul? Können Maulaffen auch noch was anderes, als feilgehalten zu werden, und hält man überhaupt noch was anderes feil als Maulaffen? Lässt sich die Monstranz, die wir vor uns hertragen, auch aufs Tapet bringen oder unter den Scheffel stellen? Im Grunde aber wollen wir diesen altehrwürdigen Wörtern, indem wir sie hier anführen, gar keinen Bärendienst erweisen: Sie sind uns eigentlich viel lieber als irgendwelche Anglizismen, deren Herkunft auch keiner kennt (wie der Blockbuster, der ursprünglich mal eine Fliegerbombe war, die ganze Häuserblöcke zerstörte). Sprache will gehegt und gepflegt werden, und wenn ein Wort nur noch in Floskeln vorkommt, sollte man besser darauf verzichten – oder es liebevoll wieder aufpäppeln. Muss sich der Leser mehr Gedanken machen als der Schreiber, dann stimmt etwas nicht. Aus der Frage allerdings, ob auch uns selbst mitunter solche Floskeln unterlaufen, würden wir dann doch ganz gern ein Hehl machen. Oder einen.
