FAZ 07.05.2026
07:36 Uhr

„Allmende“-Gedenkausgabe: Erdbeeren und Bordeaux


Wenn ein Mensch stirbt, stehen wir mit leeren Händen da: Die Zeitschrift „Allmende“ gedenkt ihres langjährigen Herausgebers Hansgeorg Schmidt-Bergmann mit einem Sonderheft.

„Allmende“-Gedenkausgabe: Erdbeeren und Bordeaux

Hansgeorg Schmidt-Bergmann wird schmerzlich vermisst. Der Karlsruher Literaturwissenschaftler hat die Zeitschrift „Allmende“ zwar nicht begründet, aber seit 2003 herausgegeben und damit durchaus zu „seiner“ gemacht. Im vergangenen September ist Bergmann unerwartet gestorben. Nun ist etwas verspätet die Ausgabe 116 der Zeitschrift erschienen, aber das Warten hat sich gelohnt: Sie enthält Würdigungen Bergmanns durch Wegbegleiter, darunter nicht nur Schriftsteller wie Peter Stamm, Markus Orths und Björn Kern, Literaturvermittler, Wissenschaftler und Journalisten, sondern etwa auch die Politikerin Ricarda Lang. Sie wurde 2012 am Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen mit dem Scheffel-Preis ausgezeichnet, den Schmidt-Bergmann als Vorsitzender der Scheffel-Gesellschaft mit vergeben hat. Lang hofft, dass literarisches Schreiben auch Klassengrenzen überwinden könne. Der Wallstein-Verleger Thedel von Wallmoden erinnert an Schmidt-Bergmanns Programmarbeit, die immer geprägt gewesen sei von geschichtlichen und ästhetischen Kategorien, und leitet daraus ein heute mutiges Credo ab: „Literaturvermittlung ist ohne die literarische Tradition nicht denkbar.“ Und im Abschiedsgruß von Arnold Stadler an Schmidt-Bergmann heißt es: „Wenn ein Mensch, zumal ein Freund stirbt, stehen wir mit leeren Händen da. Und nichts gibt es, das zu begreifen wäre. Und jedesmal stirbt mit einem lieben Menschen das ganze Leben. Von der ersten Erdbeere und dem ersten Schnee an, vom ersten Bordeaux und der ersten Zigarette an. Ja, die Winter und die Sommer sind nun vorbei.“ „Allmende“. Zeitschrift für Literatur Nr. 116. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2026. 112 S., Abb., br., 12,– €.