FAZ 18.01.2026
16:43 Uhr

Al-Scharaa in Berlin: Der schwierige Gast aus Damaskus


Gegen den syrischen Übergangspräsidenten Al-Scharaa besteht Misstrauen. Demonstrationen gegen ihn sind deshalb berechtigt. Aber es ist trotzdem richtig, ihn in Berlin zu empfangen.

Al-Scharaa in Berlin: Der schwierige Gast aus Damaskus

Gegen den Besuch des syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa in der kommenden Woche soll es Demonstrationen geben. Kritisiert wird, dass ein Mann von Bundesregierung und Bundespräsident empfangen wird, der eine radikal islamistische Agenda verfolge, ethnische und religiöse Minderheiten unterdrücke. Unter anderen haben Vertreter von Kurden und Alawiten zu Kundgebungen gegen den Mann aufgerufen, der bis zum Siegeszug seiner dschihadistischen Allianz 2024 noch weithin als Terrorist galt und auf Fahndungslisten stand. Das Vorgehen der syrischen Armee In der Tat: Al-Scharaa mag machtpolitisch sein Damaskus-Erlebnis gehabt haben, aber er ist nicht vom Saulus zum Paulus geworden. Das jüngste Vorgehen der syrischen Armee gegen die kurdischen Milizen im Norden des Landes ungeachtet auch amerikanischer Forderungen, die Angriffe zu stoppen, verstärkt Zweifel und Misstrauen. Insofern sind die Aufrufe zu Demonstrationen schon recht. In Deutschland gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung, und der Gast soll das ruhig sehen. Trotzdem ist es auch richtig, dass die Bundesregierung sich auf ihn einlässt. Der Machthaber sucht international Anerkennung und wirtschaftliche Kooperation, und er zeigt einen Pragmatismus, bei dem man ihn packen kann und muss. An einem halbwegs stabilen Syrien, das heißt auch: mit menschenrechtlichen Mindeststandards wie Minderheitenschutz, haben auch wir in Europa und speziell in Deutschland höchstes Interesse.