FAZ 16.02.2026
11:48 Uhr

Aktuelle Studie: Man verliert durch Intervallfasten weniger Gewicht als gehofft


Viele setzen beim Abnehmen auf Intervallfasten. Der Hype war „verfrüht“. Jüngste Studien zeigen, dass die Methode nicht besser wirkt als andere Diäten.

Aktuelle Studie: Man verliert durch Intervallfasten weniger Gewicht als gehofft

Intervallfasten ist einer neuen Übersichtsarbeit zufolge womöglich weniger effektiv als von vielen Menschen angenommen. Bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas liege der damit erzielte Gewichtsverlust wahrscheinlich nicht über dem anderer Diätformen, berichtet die britische Organisation Cochrane, die regelmäßig hochwertige Übersichtsarbeiten zu Gesundheitsthemen erstellt. Die Ergebnisse sind allerdings unsicher. Die wissenschaftliche Evidenz ist weiterhin dünn. „Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis – das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen“, erklärte Jörg Meerpohl vom Universitätsklinikum Freiburg, Direktor von Cochrane Deutschland und selbst nicht an der Arbeit beteiligt. Für die Analyse berücksichtigte das Team um Luis Garegnani vom Universidad Hospital Italiano in Buenos Aires 22 Studien mit insgesamt knapp 2000 Teilnehmern, die meisten waren Frauen. Geprüft werden sollte, ob Intervallfasten für Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas wirksamer zur Gewichtsreduktion als herkömmliche Diätempfehlungen ist und wie es sich auf die Lebensqualität auswirkt. Die Menschen verloren im Durchschnitt etwa drei Prozent ihres Körpergewichts, verglichen mit jenen, die keine Diät hielten. Intervallfasten zeigte demnach keinen besseren oder nur einen sehr geringfügig besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme als andere Methoden, wie die Wissenschaftler in der „Cochrane Database of Systematic Reviews“ berichten. Auch eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität ließ sich nicht nachweisen. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt übergewichtig, das entspricht 43 Prozent der Menschen von 18 Jahren an. Von ihnen waren 890 Millionen – 16 Prozent aller Erwachsenen – adipös. „Gewichtsverlust bleibt die wichtigste Strategie zur Reduzierung der gesundheitlichen Risiken und gesellschaftlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas“, heißt es in der Cochrane-Analyse. Eine allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Maßnahme auszusprechen, sei aufgrund der aktuellen Studienlage aber schwierig, sagte Mitautorin Eva Madrid von der Universidad de Valparaíso in Chile. Die Beweislage bleibt unsicher Auch vorherige Meta-Analysen hätten übereinstimmend keinen deutlichen Vorteil von Intervallfasten gegenüber vergleichbaren Diätinterventionen ermittelt, erklärte Stefan Kabisch von der Charité in Berlin, selbst nicht an der Cochrane-Studie beteiligt. Die Beweislage bleibe insgesamt unsicher – allein schon, weil es eine große Vielfalt an Intervallfastenvarianten gebe, die in der aktuellen Auswertung nicht voneinander getrennt wurden. Eine Methode ist zum Beispiel, an acht Stunden des Tages zu essen und die verbleibenden 16 zu fasten (8:16-Methode). Die meisten Menschen lassen entweder das Frühstück oder Abendessen weg. Studien fanden, dass man dabei durchschnittlich weniger Kalorien zu sich nimmt. Alternativ kann man an fünf Tagen der Woche normal essen und an zwei Tagen weitgehend hungern (5:2-Methode). Beim Alternate Day Fasting (ADF) wiederum wird typischerweise jeden zweiten Tag gefastet. „Die gesamte Studienlage beinhaltet also Dutzende Spielarten des Intervallfastens, die man nicht in einen Topf werfen sollte“, so Kabisch. „Langzeitdaten wie Studien von mehr als zwei Jahren Dauer existieren praktisch gar nicht.“ Kleine Teilnehmerzahlen und fehlende Daten seien für Analysen in dem Bereich typisch. Auch die für das Cochrane-Review gewählten Studien wiesen methodische Schwächen auf, die auch genannt würden. Insgesamt bewerten die Forscher die Evidenz als niedrig. Klar ist Kabisch zufolge: „Der Hype um Intervallfasten war zu keiner Zeit von überzeugenden Humanstudien untermauert, sondern verfrüht bis ungerechtfertigt.“ „Der Verlust von drei Prozent Körpergewicht ist nicht wenig“ Auch Annette Schürmann vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung weist darauf hin, dass die ausgewählten Studien extrem heterogen seien, unter anderem mit Blick auf die Teilnehmenden und die Fastenformen. „Ich bin doch etwas enttäuscht von der Studie, weil ich mir erhofft hatte, dass mit ihr der Erkenntnisstand zum Intervallfasten klarer zusammengefasst wird“, sagt sie. Es scheine ihr, dass die Autoren der Studie propagieren wollten, Intervallfasten sei keine gute Strategie zum Abnehmen. Es sei nicht möglich, aus der aktuellen Auswertung die Aussage abzuleiten, dass Intervallfasten beim Abnehmen generell keinen besseren Effekt habe. „Der Verlust von drei Prozent Körpergewicht ist nicht wenig und kann einen sehr positiven Effekt beispielsweise auf den Blutdruck und den Glukosestoffwechsel haben.“ Aus Tierstudien sei zudem bekannt, dass Intervallfasten positiv auf den Blutzuckerspiegel wirke. „Das können wir beim Menschen nicht testen, aber es ist davon auszugehen, dass die Erkenntnisse übertragbar sind“, sagt Schürmann. „Wenn man stark abnehmen möchte, also 20 bis 30 Prozent, dann reicht Intervallfasten nicht. Mit Intervallfasten sind nur etwa drei bis sieben Prozent Verlust an Körpergewicht zu erreichen, der allerdings auch gesundheitsrelevant ist.“ Zusammengefasst bedeutet die neue Auswertung: Wer Gewicht verlieren und seine Gesundheit verbessern möchte, kann – am besten ärztlich beraten und begleitet – die selbst bevorzugte Methode wählen. Bestenfalls eine, die man auch langfristig gut durchhalten kann.