Spanische Behörden gehen dem Verdacht nach, wonach der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Katalonien auf einen Laborunfall zurückgehen könnte. Mit drastischen Maßnahmen versuchen sie, die Seuche einzudämmen, die einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Spaniens zu bedrohen beginnt. So werden im weitgehend abgeriegelten Ausbruchsgebiet, in dem auch die Armee im Einsatz ist, 80.000 gesunde Schweine vorsorglich geschlachtet. Bisher gab es jedoch keine Infektion in einem Zuchtbetrieb. Laut spanischen Presseberichten wurde bei zwei verendeten Wildschweinen eine Virusvariante gefunden, mit der auch ein staatliches Labor in der Nähe des Infektionsgebiets forscht. Ein EU-Referenzlabor bei Madrid hatte festgestellt, dass das genetische Material von einem Erreger stammt, der 2007 in Georgien aufgetreten war und mit dem das katalanische Labor arbeitet, um einen Impfstoff zu entwickeln. Es unterscheidet sich von der Virusvariante, die aktuell in mehr als einem Dutzend EU-Staaten zirkuliert. Preis für Schweinefleisch stark gefallen Bisher war vermutet worden, dass sich die Tiere durch ein kontaminiertes Wurstbrot infiziert haben könnten, das aus dem Ausland stammt und in einen Papierkorb in der Gegend geworfen wurde. Die Schweinepest war Ende November zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten in Spanien ausgebrochen. In der Nähe des katalanischen Ortes Cerdanyola del Vallès in der Provinz Barcelona wurden bisher 13 an der Viruskrankheit verendete Wildschweine gefunden. 91 Dörfer mit mehr als 50 Zuchtbetrieben wurden daraufhin zur Exportverbotszone erklärt. „Es besteht keinerlei Risiko für den menschlichen Verzehr“, betonte der katalanische Regionalpräsident Salvador Illa am Wochenende. Gegen die hochansteckende und unheilbare Virusinfektion, die nur gehaltene Schweine und Wildschweine befällt, gibt es keinen Impfstoff. Sie führt nach wenigen Tagen fast immer zum Tod der Tiere. „Ein Wildschwein kann die gesamte Schweinehaltung in Spanien ruinieren“, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsverbands Coag. Er fordert einen nationalen Plan, um den Wildschweinbestand deutlich zu reduzieren, der sich in den vergangenen 25 Jahren vervierfacht hat. 2024 exportierte Katalonien Schweinefleisch im Wert von rund drei Milliarden Euro. Spanien ist der größte Produzent von Schweinefleisch in der EU und der drittgrößte auf der Welt. Seit dem Ausbruch der Seuche ging der Preis für Schweinefleisch in Spanien um 17 Prozent zurück. Regional- und Zentralregierung haben finanzielle Hilfe für die Züchter angekündigt.
