FAZ 25.01.2026
15:55 Uhr

Afghanistan-Einsatz: Trump nimmt britische Soldaten von NATO-Kritik aus


US-Verbündete sind nach Trumps Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz empört. Verteidigungsminister Pistorius hebt hervor, dass auch die Bundeswehr auf Bitten Washingtons bereitgestanden habe.

Afghanistan-Einsatz: Trump nimmt britische Soldaten von NATO-Kritik aus

US-Präsident Donald Trump hat seine herabsetzende Äußerung über die Truppen von NATO-Verbündeten mindestens in Bezug auf britische Soldaten korrigiert – ohne jedoch seine ursprünglichen Aussagen zurückzunehmen oder sich dafür zu entschuldigen. Trump hatte am Donnerstag im Fernsehsender Fox News die Ansicht aufrechterhalten wollen, die NATO sei nie zur Unterstützung der Vereinigten Staaten tätig geworden. Dem hatte NATO-Generalsekretär Mark Rutte schon am Mittwoch widersprochen. Er erinnerte an die Ausrufung des Bündnisfalles nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und den folgenden NATO-Einsatz in Afghanistan. Trump sagte darauf bei Fox über die Verbündeten: „Sie sagen, sie hätten einige Soldaten nach Afghanistan geschickt, und das taten sie auch, aber sie hielten sich ein bisschen zurück, ein bisschen hinter der Front.“ In Großbritannien sorgten diese Äußerungen wie in anderen Ländern, die Soldaten nach Afghanistan entsandt hatten, für Empörung. Die regierende Labour-Partei, die Opposition und der jüngere Sohn des Königs, Prinz Harry, der als Soldat in Afghanistan eingesetzt war, verurteilten Trumps Bemerkung und erinnerten daran, dass die britischen Streitkräfte in Afghanistan 457 Gefallene und viele hundert Verwundete zu beklagen hatten. Premierminister Keir Starmer, der bislang stets um ein zuvorkommendes Verhältnis zu Trump bemüht war, nannte sie „unverschämt“ und verlangte ein Telefonat mit dem Präsidenten. Nach dem Gespräch am Wochenende veröffentlichte Trump dann eine neue Meldung: „Die großartigen und tapferen Soldaten des Vereinigten Königreiches werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen.“ Er erkannte die britischen Verluste in Afghanistan an und schrieb weiter, dies sei ein unzerstörbares Band. „Die britischen Streitkräfte, mit großartigem Herz und Seele, sind allen überlegen (außer den amerikanischen).“ Deutschland habe einen hohen Preis gezahlt Zu anderen Ländern und deren in Afghanistan gefallenen Soldaten äußerte sich Trump nicht. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ließ ähnlich wie die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen mitteilen, dass solche herabwürdigenden Aussagen „nicht akzeptabel“ seien. Aus der Bundesregierung wies Verteidigungsminister Boris Pistorius die Äußerungen Trumps zurück. „Wir werden den Einsatz und Mut unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in Ehren halten“, äußerte er. „Ganz egal, von wem das infrage gestellt wird. Sie sind nie vergessen.“ Pistorius teilte weiter mit, die Bundeswehr habe bereitgestanden, „als unsere amerikanischen Verbündeten nach dem islamistischen Terroranschlag von 2001 um Unterstützung gebeten haben“. Deutschland habe einen hohen Preis gezahlt, 59 Soldaten und drei Polizisten seien getötet worden. Außenminister Johann Wadephul bezeichnete die gefallenen Soldaten als Helden. Andere amerikanische Präsidenten hatten sich für das Engagement der Partner in Afghanistan bedankt, auch bei Deutschland als einem der größten Truppensteller. Es hatte in der frühen Phase des Afghanistan-Einsatzes aber auch Spannungen gegeben – so hatte George W. Bush versucht, Berlin dazu zu drängen, auch im umkämpften Süden des Landes zu helfen.