FAZ 06.03.2026
11:14 Uhr

AfD und Irankrieg: Benzinwut statt Außenpolitik


Der Irankrieg spaltet die AfD. Weidel und Chrupalla äußern Kritik, der außenpolitische Sprecher lobt Trump. Eine Benzinpreis-Kampagne soll davon ablenken.

AfD und Irankrieg: Benzinwut statt Außenpolitik

Wie steht die AfD zu den amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran? Dazu gibt es in der Partei keine klare Linie. Führende Politiker äußerten in den vergangenen Tagen unterschiedliche Einschätzungen: Ablehnend zeigten sich die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla am Samstag in einer gemeinsamen Mitteilung, die die Bundestagsfraktion verbreitete. Sie seien von „großer Sorge“ erfüllt, forderten alle Kriegsparteien zu „unbedingter Zurückhaltung“ auf und beharrten darauf, dass das Völkerrecht eingehalten werden müsse. Eine „erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden“. Es fiel allerdings auf, dass Chrupalla das Statement direkt auf der Plattform X teilte, Weidel erst Tage später einen Tweet verbreitete, in dem ein Ökonom sich zustimmend auf das Statement bezog und auf steigende Gaspreise verwies. Lobende Worte für Trump Deutlich andere Akzente setzte der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, am Montag. Es klang fast wie eine Gegenrede zur Erklärung der Vorsitzenden. Der destabilisierende Faktor in der Region sei Iran. Lobende Worte fand er für die amerikanische Regierung: Die „Trump-Administration hat hier mit chirurgischer Präzision und klarer Zielorientierung gehandelt, mit einem begrenzten Vorgehen, das auf die Ausschaltung der sicherheitsrelevanten Schaltstellen des Regimes zielte“. Große Sorge äußerte er zwar auch, machte aber die Bundesregierung dafür verantwortlich, dass seine Befürchtungen nicht einträten: Terroranschläge in Deutschland und Migrationswellen müssten verhindert werden. Dieses Feld ist sicher für die AfD. Da kann sie die CDU angreifen. Also fokussierte sie sich in den vergangenen Tagen darauf. Neue Anschläge und Migranten gab es zwar noch nicht zu beklagen, aber gestiegene Benzinpreise. Am Mittwoch rief sie ihre Anhänger auf, die entsprechende Kampagne zu unterstützen. Auf einer Internetseite wurden Grafiken zur Verbreitung in den sozialen Netzwerken bereitgestellt. „Schluss mit der Abzocke an der Tanksäule“, heißt es da. „So zieht dir die CDU das Geld aus der Tasche“, ist ein Diagramm überschrieben. Weidel animierte ihre Anhänger auf X: „Postet mir euren Benzinpreis-Schock unter dem Hashtag #DankeCDU“, und forderte in einer Mitteilung die Bundesregierung auf, die Autofahrer und die Wirtschaft vor den „verheerenden Folgen des Iran-Konflikts zu schützen“, konstatierte aber zugleich, dass diese dazu nicht fähig sei. „Die Merz-Regierung beweist einmal mehr, dass sie nicht in der Lage ist, echte Krisen wirksam zu bewältigen.“ Das Trump-Dilemma Die innenpolitische Kampagne lenkt allerdings davon ab, dass die Partei außenpolitisch gespalten ist. Einigen konnte man sich darauf, die einstige Ankündigung Trumps gutzuheißen, keine Kriege zu beginnen, sondern sie zu beenden. Der Arbeitskreis Außenpolitik der AfD-Bundestagsfraktion bekennt sich in seiner Selbstbeschreibung „zum Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten“; „destabilisierende Interventionen“ lehne man ab. Dass ausgerechnet Frohnmaier, der diesem Arbeitskreis vorsitzt, nun die Trump-Regierung für die Angriffe auf Iran pries, hat mit einem Dilemma der AfD zu tun. Sie hat in den vergangenen Monaten viel Energie in die Beziehungen zur amerikanischen Regierung und zur MAGA-Bewegung investiert. Vor allem Weidel will die AfD professionalisieren und international vernetzen; immer wieder reisten Delegationen von AfD-Politikern in die Vereinigten Staaten. Frohnmaier selbst zählte diese Woche zu den angekündigten Teilnehmern einer Konferenz in Washington – wenige Tage vor der Wahl in Baden-Württemberg, bei der er als Spitzenkandidat seiner Partei antritt. Das zeigt, wie wichtig es ihm ist, gute Beziehungen zu Washington zu pflegen. Andere sehen das kritisch. Gerade im Osten kritisieren viele die Nähe zu Trump schon länger. Dabei mischen sich antiamerikanische, antisemitische und globalisierungskritische Motive. Dazu kommt, dass Teile der AfD-Anhängerschaft der Auffassung sind, dass Frieden mit Diplomatie und „Interessenausgleich“ erreicht werden müsse, wie es der außenpolitische Arbeitskreis formuliert. So dringt dieser Flügel der Partei auch im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine darauf, mehr Gespräche zu führen, statt Waffen an die Ukraine zu liefern, mit denen diese sich verteidigen kann. Man fühlt sich Russland verbunden und sieht nicht ein, was der Krieg gegen die Ukraine daran ändern soll. Putin habe ihm persönlich nichts getan, argumentierte Chrupalla einmal. Der einflussreiche Thüringer Landeschef der AfD, Björn Höcke, positionierte sich, indem er auf Telegram eine Analyse seines Parteifreundes Torben Braga verbreitete, wonach die Angriffe auf Iran deutsche Interessen gefährdeten. AfD-nahe Medien wie das „Compact“-Magazin beschreiben Trump als „Kriegsverbrecher“. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zünde „die Welt“ an. Dass andere rechte Medien wie die Portale „Nius“ und „Apollo News“ das Statement der AfD-Vorsitzenden kritisierten, wird von dem Magazin als Ausdruck „antideutscher“ Gesinnung gesehen. Die AfD-Spitze würde als Baerbock 2.0 diffamiert, nur weil sie sich auf das Völkerrecht berufe. Israelische Interessen würden über deutsche gestellt. Diesen Konflikt will die AfD vor wichtigen Landtagswahlen in West- und bald auch in Ostdeutschland möglichst nicht öffentlich austragen. Weidel stachelte am Donnerstag lieber ihre X-Follower an, mehr zum Thema Benzinpreise zu klagen. „Jetzt deinen Schockpreis mit #DankeCDU als Kommentar senden!“