Eines kann man dem sächsischen AfD-Landtagsabgeordneten André Barth nicht vorwerfen: Flucht vor Verantwortung. Nach dem Rücktritt des CDU-Bürgermeisters von Altenberg übernahm das vormalige SPD-Mitglied erst kommissarisch die Verwaltung der Stadt im Osterzgebirge, dann stellte er sich als Bürgermeister zur Wahl. Am Sonntag gewann er mit einem derart fulminanten Ergebnis wie einst die CDU die Rathäuser und Landratsämter des Freistaats. Doch die hatte ebenso wie alle anderen Parteien keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Immer mehr Schulden, immer weniger Kinder So oder so ähnlich dürfte dereinst manch eine Kommunalwahl im Osten ausgehen: hier die nach 1989 aus dem Westen gekommenen Parteien ebenso wie die neu-alte Linkspartei bis zur Unkenntlichkeit zusammengeschrumpft, dort eine AfD, die dank eines hohen Organisationsgrades und erheblicher finanzieller Ressourcen als Volkspartei auftreten kann – im eigentlichen wie im übertragenen Sinn. Nicht, dass der Partei jedes Amt in den Schoß fiele. Am Sonntag obsiegte in der Stichwahl um das Amt eines Landrats im Südosten Brandenburgs der Kandidat der CDU. Und in hoch verschuldeten und zugleich schrumpfenden Kommunen wie Altenberg muss sich erst noch erweisen, ob es AfD-Leuten gelingt, die Blockaden zu überwinden, an denen andere gescheitert sind. Doch erst einmal ist die Partei gekommen, um zu bleiben.
