Die Affäre um die Beschäftigung von Verwandten in der AfD zieht Kreise über Sachsen-Anhalt hinaus. Auch die Ehefrau von Markus Frohnmaier, dem AfD-Spitzenkandidaten für die am 8. März anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg, arbeitet für die AfD. Sie ist im Bundestagsbüro von Johann Martel angestellt, der ebenfalls aus Baden-Württemberg kommt. Frohnmaier, der selbst stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion ist, wies den Vorwurf der Vetternwirtschaft auf Anfrage jedoch zurück. Der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, Anton Baron, sagte hingegen, die Beschäftigung von Verwandten durch Parteifreunde sei zwar legal, habe aber ein „Geschmäckle“. Auch der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla hatte geäußert, dass Überkreuzbeschäftigungen ein „Geschmäckle“ haben. Nun wurde bekannt, dass Chrupalla in seinem Wahlkreisbüro die Ehefrau des sächsischen Landtagsabgeordneten Roberto Kuhnert beschäftigt. Die Frau hat diese Tätigkeiten nach Angabe von Chrupalla allerdings aufgenommen, bevor ihr Ehemann in den Landtag einzog. Gottschalk bricht Vermittlungsversuch ab Die sachsen-anhaltische AfD weist den Vorwurf der Vetternwirtschaft in einem Schreiben an ihre Mitglieder als „absurd“ zurück und behauptet, Stellen würden „nach Leistung, Abschluss, Vertrauen, Zuverlässigkeit und Fähigkeit vergeben“. Als besonders brisant gilt der Fall des einflussreichen AfD-Landtagsabgeordneten Tobias Rausch. Drei seiner Geschwister arbeiten bei einer AfD-Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt, ein Schwager bei einem weiteren Bundestagsabgeordneten, sein Vater ist Landtagsabgeordneter, seine Ehefrau arbeitet in der Landtagsfraktion, zudem ist ein Bruder in der Immobilienfirma von Tobias Rausch tätig, welche die Wahlkreisbüros des Landtagsabgeordneten und seines Vaters verwalten. Zwei Familienangehörige des AfD-Landesvorsitzenden Martin Reichardt sollen ebenso wie die Ehefrau seines Stellvertreters Hans-Thomas Tillschneider für den Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt gearbeitet haben. Rausch, Tillschneider und Reichardt gehörten der von Schmidt gegründeten „Pokerrunde“ an, welche die Geschicke des Landesverbands jahrelang lenkte. Dann kam es jedoch zu einem Zerwürfnis in der Gruppe und zu einem Parteiausschlussverfahren gegen Schmidt, gegen das sich der ehemalige Generalsekretär des Landesverbands vehement wehrt. Im Zuge der Auseinandersetzung drohte er intern auch mit der Preisgabe brisanter Informationen. Die Vorgänge in Sachsen-Anhalt waren vor wenigen Tagen auch Thema in einer Sitzung des AfD-Bundesvorstands. Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Kay Gottschalk brachte sich hernach als „Mediator“ zwischen Schmidt und seinen Gegnern ins Gespräch, stieß aber bei der AfD-Landesführung auf keine Akzeptanz. Am Freitag teilte Gottschalk der „Mitteldeutschen Zeitung“ mit, er breche seine Vermittlung ab, weil sie keine Aussicht auf Erfolg habe. Der Landesverband möchte nun eine „Kommission für Verhalten im parlamentarischen Betrieb“ einsetzen, die aktuelle Arbeitsverhältnisse prüfen, Verhaltensrichtlinien erarbeiten und auch eine Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften vorbereiten soll. Besonders brisant für den Landesverband ist, dass auch der Vater von Ulrich Siegmund, dem AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 6. September, im Bundestag arbeitet. Er soll bei dem sachsen-anhaltischen AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell zeitweilig 7725 Euro verdient haben.
