FAZ 05.03.2026
13:30 Uhr

Ärger im Curling: Gestohlene Steine bei den Paralympics


„Stolen Ends“ gehören zum Curling wie der „Hammer“. Doch bei den Paralympics herrscht im Mixed Doubles schon vor der Eröffnungsfeier große Aufregung. Langfinger haben im Curling-Center zugeschlagen.

Ärger im Curling: Gestohlene Steine bei den Paralympics

Sprache kann verräterisch sein. Beim Curling wird von „gestohlenen Steinen“ gesprochen, wenn eine Mannschaft in einem „End“ Punkte erzielt, obwohl sie in diesem Durchgang nicht den „Hammer“ hatte, wie der Vorteil des „letzten Steins“ genannt wird. „Stolen Ends“ nennen das die Curler. Bei den Paralympischen Spielen kam es nun zu „gestohlenen Steinen“ der besonderen Art. Denn noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier haben Diebe im Curling-Stadion von Cortina d’Ampezzo zugeschlagen. Bei dem bereits am Mittwoch gestarteten Mixed-Doubles-Turnier der Rollstuhl-Curler sind zwei Steine weggekommen. Gestohlen. Weg. Das ist der Hammer, mag man denken. Wer tut so was? Und wie? Denn immerhin wiegen die unhandlichen Sportgeräte aus schottischem Granit 19,96 Kilogramm. Der Weltverband World Curling bestätigte den Tatbestand des Steindiebstahls auf Anfrage und somit mehrere Medienberichte. Die Tat, so hieß es, werde nun durch örtliche Behörden untersucht. Man sieht vor dem geistigen Auge bereits die „Spusi“ in weißen Ganzkörperanzügen übers Eis huschen und verdächtige Spuren sichern. Schon bei den Olympischen Spielen hatte es Stress gegeben, als schwedische und kanadische Curler sich im Vorrundenspiel der Männer gegenseitig beleidigten. Zunächst hatte der Schwede Oskar Eriksson sich genervt gezeigt, weil der Kanadier Marc Kennedy den Stein stets mit dem Finger noch mal berührte, nachdem er ihn schon abgespielt hatte – was verboten ist. Daraufhin kam es zu einem Wortgefecht, das nicht nur den „Spirit des Curlings“ beleidigte, sondern auch bei weniger feinen Sportarten zu Platzverweisen geführt hätte. In Cortina durften trotz der ungewohnten Ausfälle alle Akteure weiterspielen, und – Ironie des ungerechten Schicksals – ausgerechnet Kanada gewann am Ende die Goldmedaille. Beim Rollstuhl-Curling konnte trotz des schweren Raubs immerhin das Turnier eröffnet werden. Zwei Ersatzsteine wurden eingewechselt, angefertigt aus dem gleichen Granit wie die Originalklötze. Und Italiens Team gelang damit ein Auftakt nach Maß: Orietta Berto und Paolo Ioriatti gewannen mit 7:5 gegen den Weltranglistenersten Südkorea. Die 175 Zuschauer im Curling Stadium von Cortina d’Ampezzo waren begeistert.