FAZ 01.02.2026
14:44 Uhr

Ärger beim FC Bayern: „Das war der schlechteste, den ich jemals getroffen habe“


Der FC Bayern müht sich gegen einen leidenschaftlichen Hamburger SV zu einem Remis. Die Münchner wirken unsouverän – und beklagen bei ihrem dürftigen Auftritt die Schiedsrichterleistung.

Ärger beim FC Bayern: „Das war der schlechteste, den ich jemals getroffen habe“

Die Unzufriedenheit in den Augen der anderen gefiel Manuel Neuer gut. „Es spricht für uns, dass sich ein 2:2 anfühlt wie eine Niederlage“, sagte der Torwart des FC Bayern nach dem Gastspiel im eisigen Norden. Beinahe wäre dieser dürftige Auftritt in weniger als einem Punkt gemündet. Zum Glück der Bayern aber bewies Alphonso Davies seine Sprinterqualitäten, als er, gut besohlt auf rutschigem Geläuf, Richtung eigenes Tor jagte und Fabio Vieiras Schuss von der Linie kratzte (75. Minute). Das hätte ein Weckruf für die verbleibenden 25 Minuten sein können – Schiedsrichter Harms Osmers schien die heiße Dusche nicht herbeizusehnen und verlängerte die Spielzeit großzügig auf plus sechs Minuten in der ersten und plus zehn in der zweiten Halbzeit. Doch viel mehr außer einigen Eckbällen brachten die Münchner nicht zustande. So blieb dieses 2:2 beim Hamburger SV stehen. Max Eberl sieht den Schiedsrichter „etwas überfordert“ Es hatte Trainer Vincent Kompanys Team an alter Wirkungsstätte deutlich verletzlicher wirken lassen als beim triumphalen 5:0-Hinspielsieg. Im September hatte sich der HSV noch blamiert. Diesmal drehte er eine Ehrenrunde. Kompany lobte den Einsatz im siebten Spiel in 20 Tagen. Ähnlich wie die Profis und Sportvorstand Max Eberl rügte er indes auch den Unparteiischen: 16 Minuten „Extra-Time“ legten nahe, dass die Spielleitung die Partie zu oft unterbrochen habe. Osmers sei „etwas überfordert“ gewesen, hatte Eberl gesagt. Angesichts der ständigen Beschwerden von Joshua Kimmich und Harry Kane war es kein Wunder, dass sich die Spielzeit aufaddierte: Osmers musste sich ständig rechtfertigen. Von der ersten bis zur letzten Minute forderten ihn Kane und Kimmich zum Rededuell heraus. Untermalt wurde dies durch Gesten der Fassungslosigkeit. Als Kane einmal eine Gelbe Karte gegen den HSV forderte, erinnerte ihn Nicolai Remberg daran, wie glücklich er einer Verwarnung nach seinem Foul an HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes in der dritten Minute entgangen war. Kane drehte ab. Vielleicht hatte Remberg ihn inhaltlich überzeugt. Jamal Musiala und Jonathan Tah werden eingewechselt Mit dem 1:2 gegen den FC Augsburg vor einer Woche im Kopf wirkten die Bayern im Gesamtauftritt frustriert, leicht beleidigt gar, ob so viel Gegenwehr. Eigentlich ist es ihre Spezialität, durch leichten Druck aufs Gaspedal zu enteilen. So schienen sie nach dem 2:1 durch Luis Diaz in der 46. Minute schon im Bus Richtung Fuhlsbüttel zu sitzen, wo der Spätflieger die geschundenen Profikörper eilends heim nach München bringen würde. Doch der HSV zeigte Imponiergehabe, keineswegs bereit, den bekannten Weg der Niederlage zu gehen, den so oft einschlägt, wer die Bayern reizt. Der beste Spieler auf dem Platz, Luka Vuskovic, scherte sich nicht um drei Gegenspieler und köpfte in der 53. Minute zum Ausgleich ein. Für den Monat Januar war die Bayern-Bank erstaunlich gut besetzt. Kompany konnte Jamal Musiala und Jonathan Tah einwechseln. Sie reihten sich ein und reklamierten und gestikulierten, als gäbe es dafür Heißgetränke. Gerade die linke Angriffsseite hatte der HSV mit seiner Doppelstrategie jedoch gut im Griff – William Mikelbrencis und Miro Muheim verteidigten Michael Olise gemeinsam. Für ein mögliches Handspiel Daniel Elfadlis nach Kimmichs Schuss und ein etwaiges Foul an Josip Stanisic in der Nachspielzeit hätten die Bayern gern einen Elfmeter bekommen. „Das war der schlechteste (Schiedsrichter), den ich jemals getroffen habe“, schimpfte Harry Kane im Kabinengang. Max Eberl kritisierte sogar die Balljungen; sie hätten zu zögerlich nachgeliefert in der hektischen Schlussphase mit fünf Verwarnungen. Das HSV hat am Ende mehr Torschüsse als der FC Bayern Die allgemeine Unzufriedenheit überraschte, so gut wie die Bayern in der Bundesliga und in der Etage darüber unterwegs sind. Sieht man es als Zeichen von Ehrgeiz, ist der auf dem Rücken des Referees entladene Frust ein gutes Zeichen. Unter dem Aspekt der „Fairness“ aber war dieses Gastspiel mangelhaft: Wenn jeder harte Zweikampf einer Majestätsbeleidigung gleichkommt, muss sich niemand wundern, ausgepfiffen zu werden. Es mag auch Genervtheit darüber mitgespielt haben, dass dieses Team individuell gut verteidigt, aber trotzdem Chancen zulässt. So spielte Dayot Upamecano stabil, doch das Abwehren im Verbund mit Minjae Kim klappte nur leidlich. Am Ende hatte der HSV mehr Torschüsse zustande gebracht als der Tabellenführer (14:13). Offenbar hatte der Augsburger Coup den mutigen HSV beflügelt. Die 1:0-Führung durch Vieiras Elfmeter kam nicht unverdient (34. Minute). In klassischer Manier glich der Rekordmeister durch Kane acht Minuten später aus. Da hatte Kimmich schon die Latte getroffen. Später musste Heuer Fernandes zweimal in höchster Not parieren. Zugutehalten muss man den Bayern, dass sie nicht zuviel aus dem Auftritt machten: „Wir haben einen harten Januar hinter uns. Es gibt solche Phasen. Da müssen wir durch“, sagte Eberl. Mehr gab es nicht zu erklären: Ab in den Bus, ab zum Flughafen, schnell heim. Zur Pressekonferenz trat Vincent Kompany gar nicht mehr an.