FAZ 19.12.2025
15:59 Uhr

Adenauer-Stiftung: Schlappe für Merz – Kramp-Karrenbauer gewinnt Kampfabstimmung


Der Kanzler wollte Günter Krings an der Spitze der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung sehen. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer setzte sich durch.

Adenauer-Stiftung: Schlappe für Merz – Kramp-Karrenbauer gewinnt Kampfabstimmung

Eigentlich ist so etwas keine große Sache. Die Führung einer parteinahen Stiftung ist neu zu besetzen. Die Verantwortlichen suchen aus ihren Reihen einen verdienten Ehemaligen von gutem Ruf aus, und der wird neuer Vorsitzender. So war es auch bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) die Regel. Gab es mehrere Interessenten, wie im Jahr 2017, wurde dafür gesorgt, dass bis zum Tag, an dem die Mitgliederversammlung zur Wahl schreitet, nur noch einer übrig blieb. Doch dieses Mal war alles anders. Und so hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer am Freitag gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Günter Krings durchgesetzt. Sie gewann im ersten Wahlgang und wird damit die neue Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, wie ein Sprecher der Stiftung mitteilte. Auf Kramp-Karrenbauer entfielen 28 Stimmen, auf Krings 21. Zudem gab es eine Enthaltung. Lesen Sie hier unsere Recherche: So kam es zur Kampfabstimmung in der Adenauer-Stiftung Die 1962 im saarländischen Völklingen geborene Kramp-Karrenbauer, die Politikwissenschaft studiert hat, trat der CDU 1981 bei. Mitglied der KAS ist die häufig AKK genannte Christdemokratin seit 2011. Sie ist die erste Frau, die in der Bundesrepublik Innenministerin wurde, im Jahr 2000 im Saarland. Sie setzte ihren Aufstieg fort und wurde Ministerpräsidentin. Glücklos an der Spitze der CDU Für große Aufmerksamkeit sorgte ihr Schritt, 2018 das sichere Amt der Regierungschefin gegen das der Generalsekretärin der CDU-Bundespartei zu übernehmen. Damit wurden ihre Ambitionen, Nachfolgerin erst der CDU-Vorsitzenden und dann der Kanzlerin Angela Merkel zu werden, deutlich. Ende des Jahres 2018 setzte sich Kramp-Karrenbauer im Kampf um die Merkel-Nachfolge an der CDU-Spitze knapp gegen Friedrich Merz durch. Allerdings blieb sie glücklos in dem Amt, was sich auch nicht änderte, als sie das Verteidigungsressort übernahm. Merkels Zweifel an der Eignung Kramp-Karrenbauers für das höchste Regierungsamt wuchsen. Als AKK die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten mit Hilfe von CDU und AfD nicht verhindern konnte, senkte Merkel den Daumen über sie und besiegelte das Ende des politischen Aufstiegs von AKK. Krings wäre gerne Bundestagspräsident oder Staatsminister im Kanzleramt geworden. Beides hatte Merz ihm nicht gegeben. Im April hatte er dann Krings zugesagt, er könne KAS-Chef werden. Allerdings hatte der vielbeschäftigte Kanzler anschließend versäumt, seinen Wunsch bekanntzumachen und in der für die Wahl zuständigen Mitgliederversammlung der KAS für Krings zu werben. So kam Kramp-Karrenbauer auf die Idee, ihren Hut in den Ring zu werfen. Als klar war, dass das Rennen erst an diesem Freitag mit der Wahl in der Mitgliederversammlung entschieden würde, äußerten manche in der CDU und der Stiftung Bedauern, dass Merz nicht AKK vorgeschlagen habe. Argumentiert wurde, es wäre gut, eine Frau zu wählen. Zudem sei Kramp-Karrenbauer einerseits zum Merkel-Lager in der CDU zu rechnen, habe sich aber andererseits, vor allem durch ihre schärfere Linie in der Migrationspolitik, inhaltlich auch von Merkel abgegrenzt. Nun ist Kramp-Karrenbauer also neue Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung gegen den Willen des Bundeskanzlers geworden, aus eigener Kraft.