FAZ 14.05.2026
11:27 Uhr

Abfangdrohnen: Deutsches Drohnen-Start-up hilft früherem Google-Chef Schmidt


Eric Schmidt ist als Google-Chef bekannt geworden. Über sein Drohnenunternehmen weiß man noch wenig. Jetzt hat er einen deutschen Partner gefunden.

Abfangdrohnen: Deutsches Drohnen-Start-up hilft früherem Google-Chef Schmidt

Wie groß die Dynamik in der Rüstungsbranche durch die Kriege in der Ukraine und in Iran geworden ist, zeigt auch die Tatsache, dass sich komplett neue Produktkategorien herausbilden. Zum Beispiel Abfangdrohnen. Diese steigen nur mit dem einen Ziel in die Luft, eine lokalisierte Angriffsdrohne zu rammen und damit unschädlich zu machen, bevor diese ihr Ziel erreichen kann. Um eine bessere Wirkung zu erreichen, kann dieser „Interceptor“ auch einen Sprengkopf befördern, was allerdings die Kosten erhöht. Mit dem zunehmenden Einsatz iranischer Shahed-Kampfdrohnen oder deren russischer Weiterentwicklung in der Ukraine wuchs auch der Bedarf nach solchen günstigen, unbemannten Abfangjägern in großen Mengen, um den Vorrat an teuren und knappen Raketensystemen zu schonen. Eines der führenden Abfangsysteme in der Ukraine stellt – nach allem, was man weiß – das US-Unternehmen Perennial Autonomy her. Hinter dem steckt ein alter Bekannter: der frühere Google-Chef Eric Schmidt. Das Start-up wurde erst 2023 gegründet, seine Abfangdrohne Merops soll in der Ukraine laut Medienberichten aber schon mehrere Tausend Shahed-Drohnen abgeschossen haben. Die Kosten werden auf höchstens 5000 Dollar beziffert, was einem Zehntel der Kosten für einen Angreifer entspricht. Dagegen liegt der Preis für eine Patriot-Rakete im siebenstelligen Bereich. Deshalb kamen die Merops-Drohnen auch im Irankrieg schon zu Tausenden zum Einsatz. Ein junges Unternehmen aus München unterstützt Längst ist auch die Bundeswehr auf Perennial aufmerksam geworden. Auf der Technology Show in Erding wurden die Merops-Systeme in dieser Woche präsentiert. Dafür holten sich die Amerikaner ungewöhnliche Unterstützung ins Boot: das junge Münchner Unternehmen Twentyfour Industries, das vor gerade mal etwas mehr als einem Jahr gegründet worden ist. Zu den Investoren gehören Lakestar, OTB Ventures und 468 Capital. Mitgründer und Geschäftsführer Clemens Kürten sagt der F.A.Z., er freue sich, eine der  „kampferprobtesten und kostengünstigen“ Abfangdrohnen der Ukraine vorzustellen, mit der mehr als 4000 russische Drohnen zerstört worden seien. Auch deutsche Unternehmen wie Tytan oder Quantum Systems arbeiten derzeit an Großproduktionen für Abfangdrohnen. Tytan will etwa bis Mitte kommenden Jahres in seiner neuen Produktion im Großraum München rund 3000 Drohnen im Monat herstellen. Perennial produziert aber nach eigenen Angaben in der Ukraine schon jetzt 10.000 Merops im Monat. Im Rennen um Aufträge aus NATO-Staaten will man nun in Deutschland eine Fertigung aufbauen, und dabei kommt das deutsche Start-up ins Spiel. Twentyfour hat bislang erst ein eigenes Produkt im Angebot: einen Quadrocopter, der vor allem für Aufklärungszwecke im Bereich bis 20 Kilometer gedacht ist. Laut Clemens Kürten sind die Fluggeräte sowohl für militärische als auch für zivile Einsätze konzipiert. Zuletzt konnten sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster ein Bild von den Drohnen im Einsatz machen. Die neue Produktion will Twentyfour Industries zusammen mit Partnern aus der Industrie im Großraum München hochziehen, wo viele der neuen Verteidigungsunternehmen sitzen. Details werden zumindest vorerst nicht bekannt, außer dass die Produktion der Merops noch in diesem Jahr anlaufen soll. „Wir konzentrieren uns darauf, unsere Fähigkeiten in den Bereichen Fertigung, Einsatz und Soldatenausbildung einzusetzen und gemeinsam mit Perennial Industries echte Kapazitäten für europäische – und insbesondere deutsche – Streitkräfte aufzubauen.“ Man unterstütze Deutschlands Ziel, kampferprobte Technologie mit Deutschlands neuer Industriebasis zu verbinden und die Bundeswehr sowie ihre Partner mit dem auszustatten, was heute tatsächlich funktioniert. Ein ehrgeiziger Plan für ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern.