FAZ 13.01.2026
06:01 Uhr

AUS US-Exil: Schah-Sohn ruft zum Sturz des iranischen Regimes auf


Während die Proteste in Iran andauern, hofft Reza Pahlavi auf Donald Trump. Der US-Präsident behält sich einen Angriff vor, verhängt aber zunächst neue Zölle – wobei viele Fragen offen bleiben.

AUS US-Exil: Schah-Sohn ruft zum Sturz des iranischen Regimes auf

Während das Blutvergießen bei den Massenprotesten gegen Irans autoritäre Staatsführung Aktivisten zufolge andauert, will US-Präsident Donald Trump die Islamische Republik mit neuen Zöllen unter Druck setzen. Für alle Länder, die Geschäfte mit Iran machen, sollen mit sofortiger Wirkung Strafzölle auf Einfuhren in die Vereinigten Staaten in Höhe von 25 Prozent des Warenwerts gelten, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. Seine knappe Ankündigung ließ allerdings viele Fragen offen. Reza Pahlavi, der in den USA im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hofft, dass die USA eher früher als später eingreifen. „Der beste Weg, um sicherzustellen, dass weniger Menschen in Iran getötet werden, ist ein frühzeitiges Eingreifen, damit dieses Regime endlich zusammenbricht und all die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, ein Ende finden“, sagte Pahlavi in einem Interview mit CBS News. Die USA nähmen die Lage in Iran sehr ernst, hatte Trump am Sonntag gesagt. „Das Militär befasst sich damit, und wir prüfen einige sehr drastische Optionen. Wir werden eine Entscheidung treffen.“ US-Medienberichten zufolge ist heute dazu ein Treffen Trumps mit seinem nationalen Sicherheitsteam geplant. Zahl der Toten steigt Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo bezifferte die Zahl der Toten seit Ausbruch der Proteste Ende Dezember auf inzwischen mindestens 648. Auch das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA sprach von knapp 650 Toten. Darunter seien 505 Demonstranten – unter ihnen neun Kinder – und 133 Militär- und Polizeibeamte. Einigen Schätzungen zufolge könnten sogar mehr als 6000 Menschen getötet worden sein, schrieb die Organisation IHRNGO auf X weiter. Die Zahl der Festnahmen übersteige nach einigen Schätzungen mehr als 10.000. Die Angaben können derzeit – auch wegen der weiter bestehenden Internet- und Telekommunikationsblockade – nicht unabhängig überprüft werden. Das amerikanische Nachrichtenportal „Axios“ berichtete unterdessen unter Berufung auf einen Beamten des Weißen Hauses, dass Trump dazu neige, Ziele in Iran anzugreifen. Er soll demnach aber noch keine Entscheidung getroffen haben und derzeit iranische Verhandlungsvorschläge prüfen. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi habe am Wochenende Kontakt zum US-Sondergesandten Steve Witkoff aufgenommen, um über die Proteste zu sprechen, zitierte das Nachrichtenportal zwei informierte Quellen. Neue Zölle könnten Handelskonflikt mit China neu entfachen Bei Trumps knapper Ankündigung von Zöllen für Länder mit Iran-Geschäften blieb unklar, was genau seine Formulierung zu Ländern, die „Geschäfte mit Iran machen“, umfasst. Vom Weißen Haus wurde zunächst auch kein Erlass des Präsidenten zu Zöllen veröffentlicht. Trump hat schon häufiger neue Zölle, oder Erhöhungen existierender Einfuhrgebühren, angekündigt, die dann teils zurückgenommen oder aufgeschoben wurden. Zu den wichtigsten Handelspartnern der Islamischen Republik, die von den USA und der EU mit weitreichenden Sanktionen belegt ist, gehören unter anderem China, Indien, die Emirate und die Türkei. Aber auch EU-Länder wie Deutschland betreiben in geringem Umfang Handel mit Iran. Wadephul fordert schärfere Maßnahmen Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte unterdessen nach einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio in Washington schärfere Maßnahmen gegen die Führung in Teheran. Man sehe ein „Unrechtsregime“ ohne Legitimität im Volk, das gegen die eigene Bevölkerung Mittel einsetze, „die alle Regeln der Menschlichkeit verletzen“, sagte Wadephul. Wadephul kündigte an, die Bundesregierung werde versuchen, die Sanktionen auf die iranische Führung auszuweiten. Dazu zähle eine Listung im Terror-Sanktionsregime der Europäischen Union. Diese habe bislang nicht durchgesetzt werden können, weil dafür Einstimmigkeit in der EU benötigt werde. Er rief die Mitgliedstaaten auf, die Frage vor dem Hintergrund des gewalttätigen Vorgehens gegen Demonstrierende erneut zu prüfen. Pahlavi: Regime muss verschwinden Pahlavi sagte bei CBS, die Regierung in Teheran versuche, die Welt „auszutricksen“, indem sie vorgebe, bereit zu sein, über einen Ausweg aus den Unruhen zu verhandeln. Der entscheidende Wendepunkt wäre es, „wenn dieses Regime erkennen würde, dass es sich nicht mehr auf eine fortgesetzte Unterdrückungskampagne verlassen kann, ohne dass die Welt darauf reagiert“, sagte Pahlavi. Er antwortete auf die Frage von CBS, ob er Trump dränge, einen Regimewechsel einzuleiten, Trump sei solidarisch mit den Menschen in Iran, was bedeute, dass Trump letztlich deren Forderungen unterstütze. „Und deren Forderung ist, dass dieses Regime verschwinden muss“, fügte er hinzu. Der von seinem autoritär regierenden Vater, dem Schah von Persien, einst zum Kronprinzen ernannte Pahlavi lebt seit Jahrzehnten in den USA im Exil. Pahlavi beansprucht eine künftige Führungsrolle in Iran und verweist auf die Sprechchöre mit seinem Namen bei den Protesten. Doch wie viel Unterstützung er tatsächlich innerhalb des Landes hat, ist unklar. Pahlavi warb wiederholt um Unterstützung aus Washington, explizit auch bei Trump.