FAZ 21.01.2026
12:16 Uhr

ASSOZIation MIT Amerika: Kann ein Abkommen den Grönland-Konflikt lösen?


Alternativ zu einem Kauf Grönlands durch Amerika wird in Washington über eine vertragliche Vereinbarung nachgedacht. Für die USA käme das weit günstiger.

ASSOZIation MIT Amerika: Kann ein Abkommen den Grönland-Konflikt lösen?

Wie weit würde er gehen, um Grönland in Besitz zu nehmen? „Das werden wir sehen“, antwortete Donald Trump vor seinem Abflug zum Weltwirtschaftsforum in Davos auf die Frage eines Journalisten. Der amerikanische Präsident sandte dabei widersprüchliche Signale: Einerseits sagte er, man werde eine Lösung finden, mit der die NATO und die Vereinigten Staaten „sehr glücklich“ sein würden. Andererseits bekräftigte er seine Position, dass Washington Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit brauche. Neben einem von Trump nicht ausgeschlossenen militärischen Vorgehen gegen die zum NATO-Partner Dänemark gehörende arktische Insel und dem Kauf Grönlands wird im Weißen Haus eine dritte Option erwogen, die für die Vereinigten Staaten weit günstiger wäre. Für den Erwerb der Insel kursiert in Washington nämlich die Summe von 700 Milliarden Dollar. Amerikanische Medien berichten mit Bezug auf Regierungsvertreter, im Weißen Haus werde auch über einen Vertrag über eine freie Assoziation mit Grönland nachgedacht – analog zu den Beziehungen, die Washington mit den Marshallinseln, den Föderierten Staaten von Mikronesien und der Pazifikinsel Palau unterhält. Sechs Milliarden für drei kleine Inselstaaten Diese „Compacts of Free Association“ wurden in den Achtziger- und Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erschaffen, als die Pazifikinseln ihre (formale) Unabhängigkeit erhielten. Sie gelten bis 2043. Sie fußen auf der Vereinbarung, dass die Nationen wirtschaftliche Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten, die Bürger der Inseln in den Vereinigten Staaten leben, arbeiten und in den amerikanischen Streitkräften dienen können. Im Gegenzug ist Washington für die Verteidigung der Pazifikregion zuständig. Nach Berechnungen des „Congressional Research Service“ hat Washington den drei Staaten bis 2023 sechs Milliarden Dollar für den Deal bezahlt. 2024 verlängerte der Kongress die Vereinbarungen mit der Zusage, in den kommenden zwei Jahrzehnten weitere 7,1 Milliarden Dollar zu zahlen. Washington baut in Palau ein Radarsystem und unterhält Militärbasen auf den Inseln, darunter Raketentestgelände. Strategisch ist die militärische Präsenz der Vereinigten Staaten wichtig für die Abschreckung Chinas. Dänemark müsste Grönland aufgeben Die amerikanische Präsenz in der Region ist eine Folge des Zweiten Weltkriegs, also des Sieges der Vereinigten Staaten über das Japanische Kaiserreich. Nach der Besetzung durch amerikanische Truppen wurden die Inselstaaten UN-Treuhandgebiete, die von den Vereinigten Staaten verwaltet wurden. Im Fall etwa der Marshallinseln folgte die amerikanische Besetzung 1944 im Pazifikkrieg gegen Japan, das die Inseln 1919 im Versailler Vertrag erhalten hatte, in dem Deutschland seine Ansprüche an Tokio abtreten musste. Nach der Kapitulation Japans 1945 verlangten die Vereinigten Staaten von den neu geschaffenen Vereinten Nationen, ihnen die Inseln als Treuhandgebiete zu übertragen. Washington unterhielt Stützpunkte – und nutzte die Region für Atombombentests. 1979 gaben sich die Marshallinseln eine Verfassung und billigten 1983 den Vertrag über die freie Assoziation mit den Vereinigten Staaten. 1985 billigte der Kongress in Washington den Vertrag, der 1986 – nach der Unterzeichnung durch Präsident Ronald Reagan – in Kraft trat. 1990 erklärte der UN-Sicherheitsrat die Treuhandschaft für beendet. Im Folgejahr wurden die Marshallinseln Mitglied der Vereinten Nationen. Auch diese Option hat freilich das Problem, dass Dänemark seine Souveränität aufgeben müsste und Grönland sich faktisch von Washington abhängig machen würde. Kopenhagen wies mehrfach darauf hin, dass nach dem Vertrag von 1951 Washington seine Militärpräsenz in Grönland jederzeit ausbauen könnte, ohne die dänische Souveränität zu beschränken. Dänemark könnte, wie jetzt als Entgegenkommen erwogen wird, Washington die Militärstützpunkte sogar förmlich übertragen.