Bei den allerletzten Anträgen der allerletzten Kreistagssitzung vor der Kommunalwahl gab die AfD noch einmal alles. Erst meldete sich der Abgeordnete Peter Biedermann zum Vorschlag der SPD, eine fraktionsübergreifende Wohn-Taskforce einzurichten, zu Wort, um Zuwanderung und Wärmepumpe für die Misere verantwortlich zu machen. Doch der Elan der Fraktion war mit dieser Wortmeldung noch nicht ermüdet. Die fünf Abgeordneten der AfD glänzen meist nicht durch übertriebenen Arbeitseifer. Anträge aus ihrer Feder sind selten. Zuletzt wurde ein Antrag auf dauerhafte Deutschlandbeflaggung vor Schulen abgelehnt, der zuvor schon hessenweit eingebracht worden war. Die Reden, besonders die des Sulzbacher Vertreters Hendrik Lehr, beginnen gern mit einem historischen Vergleich, hangeln sich über die Zumutungen der Bundespolitik weiter zur Ablehnung von irgendwas. Auch die Haltung der AfD zur Wallauer Spange ist nicht ganz eindeutig. Man sei nicht dagegen, führte Lehr wortreich aus, aber der Nutzen erschließe sich ihm auch nicht, dennoch könne er nicht ausschließen, dass er die Verbindung eines Tages nutzen werde. Ihn störte etwas anderes. Einer der beiden Eilanträge war von CDU, Grünen, FDP, SPD und Freien Wählern eingebracht. Die Linke hatte einen eigenen Antrag formuliert, der sich inhaltlich nicht wesentlich unterschied. Alle Fraktionen, so Lehr, schlössen einen ihrer politischen Konkurrenten aus, um die „von der Bevölkerung nicht gewollte Brandmauer“ zu wahren. Bei den Anträgen handele es sich um puren politischen Aktionismus kurz vor dem Wahlkampf, aus denen Hilflosigkeit spreche. Es handelt sich nun nicht um die ersten Anträge, in denen der Kreistag seine Haltung zu Beschlüssen formuliert, die auf übergeordneter Ebene getroffen werden. Auch in Sachen Flugrouten oder Stromtrassen hat man Vergleichbares schon wahrgenommen, und da stand kein Wahlkampf bevor. Dazu kommt eine alles grundierende beleidigte Leberwursthaftigkeit der AfD, wieder mal bei den Großen nicht mitspielen zu dürfen. Anstatt sich zu fragen, wann man sich das letzte Mal halbwegs konstruktiv für irgendetwas eingesetzt hat, schiebt man lieber die Bundespolitik samt gefühltem Volkswillen vor. Sich so viel Arbeit zu machen wie die Linke und einen eigenen Antrag zu formulieren, ist dann aber auch wieder zu anstrengend, zumal eine von vielen gewollte Bahnverbindung keine populistisch verwertbare Steilvorlage bildet. Die beiden Anträge, so schloss der Abgeordnete Lehr, enthielten keine Beschlüsse, sondern nur heiße Luft. Damit wäre allerdings auch die Arbeit der AfD in der vergangenen Legislaturperiode passend umschrieben. Beide Anträge, die der Linken und der übrigen Fraktionen, lehnte die AfD ohne eigenen Gegenvorschlag ab.
