Daran wird in den nächsten Monaten noch oft erinnert werden: Das Bundesland Hessen feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Mit der Annahme der Verfassung durch eine Volksabstimmung am 1. Dezember 1946 wurde der im Jahr zuvor begonnene Gründungsprozess abgeschlossen. Erst zweieinhalb Jahre später wurde daraus ein Bundesland, als die Bundesrepublik entstand. 80 Jahre – das ist ein etwas krummes Jubiläum, aber man soll die Feste schließlich feiern, wie sie fallen. Gründe gibt es reichlich. Hessen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als einer der Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands erwiesen, und dies keineswegs nur wegen der Stärke Frankfurts mit seinem Finanzplatz und dem Flughafen. Lange schon hat Nordhessen mit Kassel als Zentrum den wirtschaftlichen Anschluss gefunden, und in dem weitläufigen Raum dazwischen hat sich eine leistungsfähige Industrie etabliert. Geringere Identifikation der Bewohner als in anderen Bundesländern Das kulturelle Leben ist im Süden wie im Norden beeindruckend, allein schon, wenn man nur auf die vielen Theater und Museen blickt. Dass zu deren besonderer Dichte im Rhein-Main-Gebiet mit der Documenta in Kassel ein Kontrapunkt gesetzt wird, hätte man sich nicht besser ausdenken können. Die soziale Infrastruktur war stets auf der Höhe der Zeit. Die Leistungen bei der Integration der Vertriebenen nach dem Krieg sind oft gewürdigt worden. Auch die Integration der Zuwanderer wird man mit größerem Abstand als eine Erfolgsgeschichte ansehen, bei allen Schwierigkeiten im Moment. Die Identifikation der Einwohner mit dem Bundesland fällt allerdings trotz der Erfolge auch nach acht Jahrzehnten geringer aus als in anderen Bundesländern, etwa in Bayern. Das liegt an der großen Entfernung zwischen Nord- und Südhessen, der unterschiedlichen Geschichte dieser Räume, aber auch an ihrer jeweils engen Verflechtung mit anderen Bundesländern, im Norden mit Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, im Rhein-Main-Gebiet mit Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Es ist mithin auch der Preis für die zentrale Lage des Bundeslands. Klammern zwischen den unterschiedlichen Lebensräumen bilden die Landespolitik, zahlreiche Vereine und Verbände, die beiden Rundfunksender und die vielfältige Zeitungslandschaft, bildet auch der jährliche Hessentag, weshalb man dem Bund der Steuerzahler, der sonst oft recht hat, ausnahmsweise einmal nicht folgen sollte, wenn er diese Veranstaltung fortwährend kritisiert. An Hessen kommt niemand vorbei, wie vor einigen Jahren die Wirtschaftsförderung des Landes zutreffend plakatierte, aber Hessen drängt sich auch nicht auf. Ein mittelgroßes Bundesland, in dem es sich gut leben, gut arbeiten und bisweilen gut feiern lässt – in diesem Jahr zum Beispiel, dass sich der demokratische Neuanfang schon zum 80. Mal jährt.
