FAZ 20.11.2025
11:46 Uhr

40 Jahre Windows: Auf dem Weg zum Jedermann-Rechner


Vor 40 Jahren erschien das erste Windows in Amerika. Ein Rückblick auf die Geschichte des Microsoft-Betriebssystems.

40 Jahre Windows: Auf dem Weg zum Jedermann-Rechner

Gerade mal 40 Jahre ist es her, aber die Erinnerung ist frisch wie nie. Am 20. November 1985 kam Windows in seiner ersten Version in den Handel. Zwei Jahre zuvor wurde es mit der Idee angekündigt, dass DOS-Nutzer mit Fenstern arbeiten könnten. Es sollte auf Rechnern mit zwei Diskettenlaufwerken und mindestens 256 Kilobyte Arbeitsspeicher laufen. Ein DOS, Disk Operating System, war das damals marktbeherrschende Betriebssystem, meist von Microsoft, das man mit Kommandozeilen bediente. Diskettenlaufwerke dienten als Speicher und fassten in der gängigen Größe von 5,25 Zoll 360 Kilobyte oder 1,2 Megabyte. Als die Festplatte 10.000 Mark kostete Nach Deutschland gelangte erst die Windows-Version 1.03 im Mai 1986. Sie kostete 400 Mark und die unabdingbare Maus mit einer eigenen Controllerkarte (zum Einbau in den Rechner) weitere 800 Mark. Ein Promotion-Bundle für 900 Mark enthielt zusätzlich die Textverarbeitung MS-Write, die nach dem Ende der Aktion 1700 Mark kosten sollte. Das erste Windows bestand aus vier Disketten mit jeweils 360 Kilobyte, dazu kam eine Programm-Diskette und eine weitere mit Zeichensätzen. Es brauchte 512 Kilobyte Arbeitsspeicher und eine Festplatte. Eine solche mit einem Fassungsvermögen von fünf Megabyte, heute der Umfang eines einzigen Fotos, kostete damals rund 10.000 Mark. Windows 1.0 fand so gut wie keinen Zuspruch, zumal Apple 1984 mit dem ersten Macintosh das Bedienkonzept einer grafischen Benutzeroberfläche mit Desktop, Fenstern und „What you see is what you get“ bekannt gemacht hatte. Aber der Macintosh 1984 wurde zwar euphorisch begrüßt, litt jedoch unter zu wenig Arbeitsspeicher und der fehlenden Festplatte. Schon in der zweiten Jahreshälfte brachen die Verkaufszahlen ein. In Deutschland stand er für rund 10.000 Mark in den Geschäften. Auch der Atari ST machte Windows zu schaffen. Das war ein erschwinglicher Rechner mit grafischer Bedienungsoberfläche, die zudem direkt und schnell vom ROM startete. Der Preis lag bei nur 1300 Mark. Auf die Software kam es an Windows 2.0 erfuhr 1987 etwas mehr Zuspruch, weil es jetzt richtig gute Software gab, nämlich Microsoft Excel und den Pagemaker von Aldus, der Laserdrucker unterstützte. Der große Durchbruch war Windows 3.1 im Jahr 1992, das nun das Standardbetriebssystem neuer PCs war. Seitdem gab es Spezialversionen von Windows für Unternehmen. Windows 95 aus dem Jahr 1995 benötigte keine dezidierte DOS-Installation als Unterbau. Nun durften Dateinamen mehr als acht Zeichen enthalten, das Startmenü und USB-Unterstützung debütierten. Windows 98 lief nur noch auf Rechnern mit 32-Bit-Architektur und unterstützte Festplattenpartitionen mit mehr als zwei Gigabyte. Erstmals ließen sich mehrere Monitore anschließen. Die Millenium Edition Windows ME aus dem Jahr 2000 brachte die Systemwiederherstellung mit und wurde nach einem Jahr von Windows XP abgelöst, die Bedienungsoberfläche Luna mit der grünen Wiese war das Markenzeichen. Erstmals gab es eine Home- und eine Professional-Edition. Windows Vista kam 2007 in sechs verschiedenen Versionen und hatte die 3D-Oberfläche Aero mit halbdurchsichtigen Fensterrahmen. Es folgten Windows 7 und 8 und schließlich im Jahr 2015 Windows 10 sowie 2021 das derzeit aktuelle Windows 11. In der Rückschau auf die ersten Jahre hat der Autor 1984 vom Macintosh geschwärmt, aber letztlich einen Atari ST und DOS-Rechner gekauft. Das war die Wahl der Vernunft. DOS-Rechner waren zwar kompliziert zu bedienen, hatten jedoch die bessere und leistungsfähigere Software, wenngleich abermals schwer zu bedienen. Mit den grafischen Bedienungsoberflächen von Apple, Atari und Microsoft entstand die Idee, dass neue Systeme künftig von Jedermann bedienbar sein würden. Anfangs scheiterte sie an der Hardware. Als diese dann leistungsfähiger wurde, wurde die Vision zur Realität. Warum Windows heute so heftig kritisiert wird Heute hat Microsoft mit den jüngsten Windows-Versionen einen Marktanteil von rund 70 Prozent in aller Welt, gefolgt von Mac OS und Linux. Microsoft steht immer wieder in der Kritik: Windows 10 und 11 wurden als grundlegende Neugestaltung angekündigt, aber der Konzern hat tatsächlich nie den Mut für einen radikalen Neuanfang gehabt, wie etwa Apple mit dem Übergang zu den ARM-Prozessoren. Windows schleppt noch immer viel Ballast aus den Anfangsjahren mit, es fehlt die logische Stringenz bei der Bedienung und die häufigen Updates deuten an, dass es auch an der Sicherheit hapert. Windows-basierte Systeme sind aufgrund ihrer marktführenden Verbreitung häufiger Ziel von Angriffen als alle anderen Betriebssysteme. Dazu kommt die Aufdringlichkeit, mit der Microsoft den Nutzer immer wieder in eine bestimmte Richtung drängen will. Das Betriebssystem akzeptiert nicht die Wünsche seiner Nutzer und will umerziehen. Zuverlässigkeit, Leistung und Bedienbarkeit treten demgegenüber zurück. Manche Fehler werden jahrelang nicht behoben. Derzeit entzündet sich die Kritik vor allem daran, dass Microsoft an allen Ecken und Enden sein hauseigenes KI-System fest verankern will.