37 Minuten pro Tag verbringen Eltern bis zum fünften Lebensjahr mehr mit ihren Kindern, wenn eines der Elternteile einen Hochschulabschluss hat. Auf die ersten fünf Lebensjahre gerechnet, entspricht dieser Durchschnittswert 1125 zusätzlichen Stunden. Setzt man das ins Verhältnis mit der Zeit, die die Kinder in vorschulischen Bildungseinrichtungen verbringen, entspricht das einem Plus von mehr als zehn Prozent zusätzlicher Förderung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), die der F.A.Z. vorab vorliegt. Dafür wurde die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes mit Daten aus dem Jahr 2022 mit Blick auf Einkommen und Bildungsgrad von Eltern ausgewertet. Die Zeit, die Mütter und Väter mit ihren Kindern verbringen, wird im Lauf der Jahre kürzer. Sind es im Kindergartenalter acht Stunden pro Tag, sinkt die Zeit auf sieben Stunden in der Grundschule, danach auf nur zwei Stunden am Tag. Drei Viertel der gemeinsamen Zeit von Eltern und Kindern verbringen diese bis zum zehnten Lebensjahr der Kinder miteinander. Geht es in den ersten drei Jahren vor allem um die Versorgung von Grundbedürfnissen, rücken danach immer stärker gemeinsame Aktivitäten in den Mittelpunkt. Dabei zeigt sich, dass Eltern mit höherem Bildungsgrad im Schnitt 20 Minuten mehr Zeit mit Lesen, Vorlesen und Gesprächen mit ihren Kindern verbringen als Eltern aus bildungsfernen Haushalten. Dieser Wert, der im Vorschulalter gemessen wird, setzt sich auch in der Grundschule fort. Addiert handelt es sich um Hunderte Stunden Förderung, die Kinder aus bildungsarmen Haushalten nicht bekommen. Mehr Geld für Bücher, Nachhilfe, Sport und Musik Die Unterschiede, die sich bei der Bildung zeigen, setzen sich beim Einkommen fort: Nicht nur verbringen Eltern mit höherem Haushaltseinkommen mehr Zeit mit gemeinsamen Bildungs- und Lernaktivitäten, sie geben auch deutlich mehr Geld für Bücher, Nachhilfe sowie Sport- oder Musikunterricht aus. Die Forscher des BiB beziehen sich auf Daten aus dem Jahr 2018: Danach gaben Eltern mit den höchsten Einkommen im Schnitt fast dreimal so viel Geld pro Kind aus wie Eltern mit den niedrigsten Einkommen. Laut der Studie betrug die Differenz durchschnittlich 40 Euro. Die Bildungsungleichheit aufgrund von Bildung und Einkommen ist oftmals dokumentiert worden. Die Autoren des Papiers rücken die Bedeutung der Familie als Bildungsort in den Mittelpunkt. Sie plädieren dafür, elterliche Bildungsinvestitionen frühzeitig zu unterstützen – am besten in den ersten Jahren nach der Geburt. Da es sich um die Lebenszeit handelt, in der Eltern mit ihren Kindern die meiste Zeit verbringen, erhofft man sich an dieser Stelle die höchsten Erträge.
